{"id":60,"date":"2026-07-09T16:47:46","date_gmt":"2026-07-09T14:47:46","guid":{"rendered":"https:\/\/cordar.de\/?page_id=60"},"modified":"2026-07-09T17:00:14","modified_gmt":"2026-07-09T15:00:14","slug":"die-linie-von-santo-daime","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/cordar.de\/?page_id=60","title":{"rendered":"Die Linie von Santo Daime"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.cordar.eu\/artikel\/Die Linie.pdf\">Als pdf <\/a><\/p>\n<p>0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <strong>Inhalt: Titel\u00a0\u00a0<\/strong>\u00a0<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.cordar.eu\/linie.html#1\">Fama Fraternitatis<\/a><\/p>\n<p>2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.cordar.eu\/linie.html#2\">Meine Reise nach Mapi\u00e1<\/a><\/p>\n<p>3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.cordar.eu\/linie.html#3\">Uni\u00e3o do Vegetal<\/a><\/p>\n<p>4\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.cordar.eu\/linie.html#4\">Templo Jud\u00e3o-Christ\u00e3o-Islamico<\/a><\/p>\n<p>5\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.cordar.eu\/linie.html#5\">Die Bruderschaft von Santo Daime<\/a><\/p>\n<p>6\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.cordar.eu\/linie.html#6\">Meine Fahrt nach C\u00e9u do Mapi\u00e1<\/a><\/p>\n<p>7\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.cordar.eu\/linie.html#7\">C\u00e9u do Mapi\u00e1<\/a><\/p>\n<p>8\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.cordar.eu\/linie.html#8\">Meine erste Concentra\u00e7\u00e3o<\/a><\/p>\n<p>9\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.cordar.eu\/linie.html#9\">Meine erste Vision<\/a><\/p>\n<p>10\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.cordar.eu\/linie.html#10\">Die Tage danach<\/a><\/p>\n<p>11\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.cordar.eu\/linie.html#11\">Padrinho Sebasti\u00e3o<\/a><\/p>\n<p>12\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.cordar.eu\/linie.html#12\">C. R. F<\/a><\/p>\n<p>13\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.cordar.eu\/linie.html#13\">Meine erste Cura<\/a><\/p>\n<p>14\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.cordar.eu\/linie.html#14\">Die Elemente des Rituals<\/a><\/p>\n<p>15\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.cordar.eu\/linie.html#15\">\u201eViva a Santa Alegr\u00eda!\u201c<\/a><\/p>\n<p>15.1\u00a0\u00a0\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.cordar.eu\/linie.html#151\">Mein erstes Hino<\/a><\/p>\n<p>15.2\u00a0\u00a0\u00a0 <a href=\"https:\/\/www.cordar.eu\/linie.html#152\">Die Wiederholung<\/a><\/p>\n<p>Ende<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>1. Fama Fraternitatis<\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend ich dies schreibe, halte ich in meinen H\u00e4nden ein nummeriertes Exemplar einer originalgetreu reproduzierten Fassung der <strong>\u201eFama Fraternitatis oder Entdeckung der Br\u00fcderschaft des Hochl\u00f6blichen Ordens des R. C. <\/strong>&#8230; An die H\u00e4upter, St\u00e4nde und Gelehrten Europae.\u201c \u2013<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Ver\u00f6ffentlichung dieser mit Titelblatt 16-seitigen Schrift im Jahre 1615 \u201ein f\u00fcnf Sprachen ausgesandt\u201c, f\u00fchrte der Gesellschaft Europas vor Augen, dass sich in ihrer Mitte eine Bruderschaft befand, die offenbar \u201asehr\u2019 lange schon reiches Wissen besa\u00df und es auch anwenden konnte, die aber trotzdem &#8211; oder auch gerade deswegen &#8211; trotz der Ver\u00f6ffentlichung weiter unbekannt und unerkannt blieb. Die Schrift war zu fundiert, als dass sie ein Scherz h\u00e4tte sein k\u00f6nnen. Den Orden oder diese Bruderschaft musste es also tats\u00e4chlich geben. Viele Stellen der Schrift waren nicht entr\u00e4tselbar verschl\u00fcsselt, als w\u00e4re es eine Schrift nur f\u00fcr ihre Mitglieder, &#8211; die aber trotzdem allgemein zug\u00e4nglich gemacht wurde. &#8211; Warum? \u2013 Was steckte alles dahinter? \u2013 Wie war das m\u00f6glich im total kontrollierten Europa, in dem seit vielen Jahrhunderten alle Andersgl\u00e4ubigen, alle \u201aKetzer\u2019 ausgerottet wurden? \u2013<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Geheimnisse der \u2019Fama\u2019 bestehen bis heute fort.<a href=\"https:\/\/www.cordar.eu\/linie.html#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"> [1] <\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf Seite zwei der \u201aFama\u2019 erf\u00e4hrt der Leser nach der Einleitung und zu Beginn der Beschreibung der Reise von \u201aC.R.\u2019 in einem sehr langen Satz: \u201eUm solchen Intent einer General-Reformation hat sich auch hoch und lange Zeit bem\u00fcht der hocherleuchtete Vater Frater C.R., ein Deutscher, unserer Bruderschaft Leiter und Begr\u00fcnder &#8230;\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Absicht, eine allgemeine Reformation (Re-formatio, lateinisch, R\u00fcck-Formung) oder Umformung zum Besseren der Gesellschaft herbeizuf\u00fchren, ist wohl einer der Hauptgr\u00fcnde f\u00fcr diese ungew\u00f6hnliche Ver\u00f6ffentlichung. Und diese Umformung sollte demnach ausgehen von den Oberh\u00e4uptern, den St\u00e4nden und den Gelehrten Europas. Die Ver\u00f6ffentlichung dieser Schrift war ein erster Schritt, um diese Umformung unter den Augen der \u00d6ffentlichkeit herbeizuf\u00fchren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit einer <strong>allgemeinen<\/strong> Reformation ist also nicht die spezielle Kirchenreformation gemeint, die durch Luther zur Spaltung der Kirchenorganisation und dann durch die reaktion\u00e4re katholische Gegenreformation zum 30-j\u00e4hrigen Krieg f\u00fchrte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine<strong> allgemeine <\/strong>Reformation, die diesen Namen wirklich verdient, hat es bisher noch nicht gegeben. Das Zeitalter der Aufkl\u00e4rung erwuchs zwar aus dieser und anderen damit zusammenh\u00e4ngenden Publikationen. Es brachte den Menschen zwar die Demokratie und das Erwachen des Bewusstseins f\u00fcr die Menschenrechte, aber keine <strong>allgemeine <\/strong>Reformation. Auch zu Anfang des 21. Jahrhunderts leben wir in einer Gesellschaft, deren Regeln f\u00fcr das Zusammenleben weitgehend willk\u00fcrlich, historisch gewachsen und uneffektiv sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir sehen deutlicher als fr\u00fcher die Grenzen des Wachstums der Moral dieser Gesellschaft. Und wir sehen \u00fcberdeutlich, dass unsere Parteien-\u201aDemo\u2019-Kratie tats\u00e4chlich nicht \u00fcber klitzekleine Ref\u00f6rmchen hinauskommt (Demos, griechisch, Volk, Alle; kratein, griechisch, herrschen; Demokratie ist also die Herrschaft Aller). Dadurch ist sie letztlich entwicklungsunf\u00e4hig geworden und deshalb zum Untergang ver-dammt. Denn sie kann sich nicht mehr anpassen an Umst\u00e4nde, die sich schnell ver\u00e4ndern. Und die Geschwindigkeit der Ver\u00e4nderung nimmt auf allen Gebieten im Mittel exponentiell zu.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die wirkliche General-Reformation steht Europa und der Menschheit \u2013 seit jetzt beinahe 400 Jahren &#8211; immer noch bevor, obwohl ihr Fundament damals schon bereitet wurde dadurch, dass sie \u00f6ffentlich angek\u00fcndigt wurde. Jeder, der dieser Schrift vertraut, wei\u00df also, dass sie geschehen wird. Und um \u00fcber diese bevorstehende General-Reformation N\u00e4heres berichten zu k\u00f6nnen, m\u00f6chte ich etwas weiter ausholen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich berichte, wie ich eine mir unbekannte Bruderschaft entdeckte und wie diese Entdeckung mich dazu f\u00fchrte, dass ich N\u00e4heres \u00fcber diese uns allen bevorstehende Gesamt-Umformung der Gesellschaftsstrukturen berichten kann. Ich wende mich dabei nicht mehr \u201ean die H\u00e4upter, St\u00e4nde und Gelehrten Europae\u201c, denn auch sie sind reformunf\u00e4hig geblieben. \u2013 Sondern ich wende mich ganz direkt <strong>an die Krieger dieser Erde<\/strong><strong>,<\/strong> ganz speziell <strong>an diesen einen, der<\/strong> <strong>dieses jetzt liest<\/strong>. Er kommuniziert jetzt direkt mit einem anderen Krieger, dem, der diesen Text schrieb.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Denn ein Krieger ist ein Mensch, der in seinem eigenen Leben eine General-Reformation durchf\u00fchrt, um zu freieren Lebensbedingungen zu gelangen. Sie besteht darin, makellos zu handeln, keine Energie zu vergeuden, nach bestem Wissen und Gewissen zu handeln und dadurch die begrenzte Zeit des Lebens optimiert zu nutzen, um die f\u00fcr die Befreiung notwendigen Erfahrungen zu sammeln und um dadurch die Tugenden in sich reifen zu lassen. Freiere Lebensbedingungen f\u00f6rdern im Leben der Menschen die Zunahme pers\u00f6nlicher F\u00e4higkeiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die pers\u00f6nliche General-Reformation ist die Grundlage einer General-Reformation der Gesellschaft \u2013 und nicht etwa umgekehrt. Und genau aus diesem Grunde bist du derjenige, der mit seiner Initiative die Anf\u00e4nge dieser General-Reformation mitgestaltet.<\/p>\n<p>Hier folgt also \u2013 so kurz wie mir m\u00f6glich \u2013 meine Erz\u00e4hlung dessen, was ich erlebte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong> Meine Reise nach Mapi\u00e1 <\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Vollmondstag im Mai 1995 erhielt ich einen Telefonanruf, ob ich an einem Auftrag im Amazonas-Urwald in Brasilien f\u00fcr etwa drei Monate interessiert sei. Ich sagte zu.<\/p>\n<p>Ein Freund, der f\u00fcr gew\u00f6hnlich gut informiert ist, sagte mir: \u201eWenn du in Brasilien bist, dann musst du unbedingt auch nach Mapi\u00e1. Dort lebt eine Gemeinschaft, die arbeitet mit Ayahuasca.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>An Ayahuasca hatte ich Interesse, denn seit Jahren reden Menschen, die seine Wirkung kennen gelernt haben, davon, als sei es die Substanz, die m\u00e4chtiger als alle anderen sei, als sei es die Substanz des neuen Milleniums.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Durch die Vermittlung meines Freundes sprach ich mit zwei Menschen, Stefan und Rita, einem Lehrerehepaar, die an einer einmaligen Sitzung dieser Gemeinschaft in Hamburg teilgenommen hatten. Sie beide erz\u00e4hlten mir, wie gro\u00dfartig dieses Erlebnis gewesen w\u00e4re und dass es ihre Leben ver\u00e4ndert h\u00e4tte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf einer gro\u00dfen Landkarte von Brasilien suchte ich lange nach diesem Ort, bis ich \u201aMapi\u00e1\u2019 im Nordwesten Brasiliens im Dschungel gefunden hatte. Der Akzent \u00fcber dem \u201aa\u2019 zeigt an, dass dieses \u201a\u00e1\u2019 die betonte Silbe des Wortes ist, im Gegensatz zur Normalbetonung von W\u00f6rtern nicht auf der letzten Silbe. Das weist darauf hin, dass Mapi\u00e1 ein Name aus alter Zeit vor der portugiesischen Conquista ist. Ich lie\u00df mir eine Fotokopie dieses Ausschnitts der Karte machen und nahm mir vor, den Ort zu besuchen, allgemeiner, Ayahuasca kennen zu lernen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong> Uni\u00e3o do Vegetal <\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p><strong> \u00a0 <\/strong><\/p>\n<p>Von Manaus aus, zentral am Strom Amazonas gelegen, wird der Amazonas-Urwald haupts\u00e4chlich ausgebeutet. Von dieser Zwei-Millionen-Stadt aus sollten wir weiter fliegen mit Privatflugzeugen etwa 2 mal 45 Minuten bis zu einem Goldgr\u00e4bercamp.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sieben Tage, nachdem ich in Manaus angekommen war, konnte ich an einer Sitzung mit Ayahuasca teilnehmen, die Menschen organisiert hatten, die ich gerade dort kennen gelernt hatte und denen ich erz\u00e4hlt hatte, dass ich an Ayahuasca Interesse h\u00e4tte. Ich lieferte ihnen mit meiner Frage und Bitte das Omen, eine Sitzung durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir trafen uns abends zu Acht in einer Privatwohnung und befestigten mehrere H\u00e4ngematten an den W\u00e4nden, so dass jeder gem\u00fctlich liegen konnte. Ein etwa 35-j\u00e4hriger Schamane vom Oberlauf des Rio Negro leitete das Ritual. Ich kannte Spanisch von meiner letzten langen S\u00fcdamerika-Reise, hatte aber gerade erst seit einer Woche begonnen, Portugiesisch zu lernen. Einige Teilnehmer sprachen Englisch. Mir gelang es recht gut, \u201aAlles\u2019 f\u00fcr mich Wichtige zu verstehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich bekam mit, dass der Schamane zu einer Gemeinschaft geh\u00f6rte, die sich \u201aUni\u00e3o do Vegetal\u2019 nannte und die es schon seit mehreren Jahrzehnten gab. Die \u201aVereinigung der Pflanzen\u2019, der Liane Mariri und des Bl\u00e4tter-Strauchs Shacruna, ergab diesen Tee. Der Schamane f\u00fcllte das Getr\u00e4nk in 8 Becher. Jeder nahm einen Becher in die Hand. Auf einem Teller lagen 8 Orangenscheiben. Wir tranken gleichzeitig das bittere Getr\u00e4nk schnell aus und a\u00dfen sofort eine Orangenscheibe hinterher, weil der Geschmack des Getr\u00e4nks \u00fcbert\u00f6nt werden sollte, so schlecht sollte es schmecken. \u2013 So bekam ich beim ersten Mal fast nichts von diesem eigenartigen Geschmack mit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Sitzung war eine \u201aConcentra\u00e7\u00e3o\u2019, eine \u201aKonzentration\u2019, was ich damals aber nicht wusste: Wir legten uns nach kurzer Zeit in die H\u00e4ngematten und verharrten still in ihnen. Nach langer Zeit, etwa 35 Minuten nach der Einnahme, begann langsam die Wirkung dieser psychedelischen Substanz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich gaffte an die Holzdecke des Zimmers, die vom Licht der Stra\u00dfenlaternen dunkel beleuchtet wurde. Die Muster des Holzes begannen sich zu bewegen. In sanften Wellenbewegungen wiegten sie sich hin und her. Ich konzentrierte mich auf die Sch\u00f6nheit und Anmut dieser sanften Bewegung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Farben des Holzes wurden kr\u00e4ftiger, intensiver, so wie sie im Normalbewusstsein nicht erscheinen k\u00f6nnen, wie lebendig, vibrierend, atmend \u2013 ausdrucksvoll &#8211; : Sie waren selbst mit Bewusstsein erf\u00fcllt, das erkannte ich jetzt, so dass ich mit ihnen in direkten Emotionsaustausch und Wissensaustausch eintreten konnte. In der tiefen Ruhe meines Bewusstseins konnte ich viele mich seit langer Zeit bewegende Fragen weiter ausf\u00fchren. Ich konnte viele dunkle Facetten meines Charakters in ihrer Erb\u00e4rmlichkeit betrachten, meine Abgrenzungen, mein Stirn-runzelndes Abwerten, meinen primitiven Hochmut, &#8230; Ich h\u00f6rte mein \u201aHerz\u2019 sprechen, wie es mir verstehend und milde meine Makelhaftigkeiten zeigte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Denken war v\u00f6llig klar. Meine Stimmung war \u201aparadiesisch\u2019, das hei\u00dft: eine geschlossene, harmonische, dichte Welt, in der ich eingesponnen war. Ich konnte mich auf die lieblichen Aspekte des Lebens ausrichten. Ich sah aber auch, wie die Evolution ein solches Leben erzeugen kann, in dem der Mensch zur Zeit in den St\u00e4dten der Erde lebt. Und ich sah die K\u00fcrze und Verg\u00e4nglichkeit unserer heutigen Lebensbedingungen, die im Normalbewusstsein \u201aewig\u2019 erscheinen. Denn ihre Probleme scheinen keine L\u00f6sung, also keinen echten Fortschritt zuzulassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Kraft dieser Sanftheit des ewigen Schwingens der Existenz erf\u00fcllte mich mit Freude. Auch der entfernte, normalerweise \u201ast\u00f6rende\u2019 L\u00e4rm des Gro\u00dfstadtverkehrs war in die Harmonie mit einbezogen, eine liebliche, ruhig gleitende Symphonie der Ger\u00e4usche.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach etwa einer Stunde sang der Schamane einige fremdartige ruhige Lieder, \u201aIcaros\u2019, deren Stimmung mich stark ber\u00fchrte: Eine andere, ferne Kultur ber\u00fchrte mich!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Danach gab es f\u00fcr den, der wollte, eine weitere Dosis Ayahuasca oder \u201aUni\u00e3o do Vegetal\u2019, diesen magischen Tee.<\/p>\n<p>Ich hatte genug. Mir wurde beim Aufstehen so schwindlig, dass mein Magen sich erbrach. Auch einige andere Teilnehmer \u00fcbergaben sich von Zeit zu Zeit. Als ich von der Toilette zur\u00fcck kam, auf der ich mich \u00fcbergeben hatte, blickte ich in das Gesicht eines jungen brasilianischen M\u00e4dchens mit brauner Haut, zartgliedrig, zierlich schlank, einer Teilnehmerin dieses Rituals, und ich war von ihrer \u00fcbergro\u00dfen Sch\u00f6nheit wie bet\u00e4ubt. Auch sie sah mich bewegungslos verkl\u00e4rt an, w\u00e4hrend ich mich an einen T\u00fcrpfosten lehnte. Der Schamane sah, was mit uns los war und f\u00fchrte mich sanft, aber bestimmt zu meiner H\u00e4ngematte: In einem Ritual ist kein Platz f\u00fcr so etwas.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Sitzung ging etwa f\u00fcnf Stunden lang. Es tat gut, <strong>vollst\u00e4ndig<\/strong> ruhig zu liegen. Es geschah f\u00fcr mich nichts wesentlich Neues mehr. Ich verweilte entspannt in der paradiesischen Stimmung und genoss das sanfte Weben meines Bewusstseins, hatte mehrere tiefe, intuitive Gedanken, machte mir aber klar, dass das f\u00fcr mich \u201eviel zu wenig\u201c war. Ich wollte dichter an das direkte Erkennen heran.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich analysierte meine Bewusstseins-Position: Geweiteter Blick, langsamer flie\u00dfende Zeit, geruhsam-euphorische Stimmung; einzelne Wahrnehmungs-Fasern sind wie pointillistische Punkte im flie\u00dfenden Wellenmuster zu erkennen:<\/p>\n<p>Ich konnte, so meinte ich zumindest, die einzelnen Augen-Blicke der optischen Nerven im Bewusstsein einen nach dem anderen erscheinen sehen, und wenn ich mich auf einen \u201aPixel\u2019, einen optischen Nerv konzentrierte, dann konnte ich das Aufblitzen seiner Information von Augenblick zu Augenblick verfolgen wie ein schnelles Helligkeits-Vibrieren oder Funkeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese Bewusstseins-Quanten sind die Elemente, aus denen diese sanften Wellen bestehen, die zu Dingen der t\u00e4glichen Welt erstarren k\u00f6nnen; ich habe starke Empfindungen an den Orten der Chakren (\u201aStimme des Herzens\u2019), das Erkennen hat aber noch nicht die gl\u00e4serne leuchtende Klarheit von LSD. Das sinnliche Empfinden ist verst\u00e4rkt, der K\u00f6rper f\u00fchlt sich \u201avon Bewusstsein durchtr\u00e4nkt\u2019 an. Aber die Dinge waren f\u00fcr mich noch zu stark \u201amontiert\u2019, so dass es schwer war, eine Ursachen-Ebene tiefer vorzudringen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf \u201aso etwas\u2019 konnte ich leicht verzichten. Trotz der Sch\u00f6nheit des Erlebnisses war Ayahuasca f\u00fcr mich eine leichte Entt\u00e4uschung. R\u00fcckblickend h\u00e4tte ich die zweite Dosis nehmen sollen, aber ich hatte mich direkt davor \u00fcbergeben, und ich kannte diesen Zustand noch zu wenig, so dass ich mich nicht traute. Ich war einfach unterdosiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach Abschluss des Rituals, nach dem Entlassen der M\u00e4chte aus diesem pflanzlichen Tempel, sagte Daniel, der Haupt-Organisator dieses Rituals noch einige wichtige Dinge zu mir, die ich aus meiner eigenen Praxis voll best\u00e4tigen konnte:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Denke h\u00e4ufig \u00fcber die Dinge nach, die Du heute erlebt hast!<\/p>\n<p>Nimm Deine Erkenntnisse mit in Dein t\u00e4gliches Leben hinein, sonst war es vergebens, was Du heute erlebt hast!<\/p>\n<p>Pr\u00fcfe Deine Erkenntnisse durch Deine Handlungen, mache daraus Erfahrungen, best\u00e4tige und verfeinere sie, oder verwirf sie als Illusion!<\/p>\n<p>Lebe nicht in zwei unterschiedlichen Welten, einer hier und einer anderen dort, lebe in <strong>einer<\/strong> Welt, die hier ist und die auch dort ist! Die Erkenntnisse gelten in dieser einen Welt. Oder sie sind Illusion. Lass Dein gel\u00e4utertes Bewusstsein auch hier sein! Unser Bewusstsein ist ein Kontinuum: Lass es fort dauern!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich blieb \u00fcber Nacht in der H\u00e4ngematte und kehrte am n\u00e4chsten Morgen zu meiner Wohnung zur\u00fcck. Ich war den ganzen Tag zur\u00fcckgezogen und schweigsam, und am folgenden Tag ging es f\u00fcr sechs Wochen zur Arbeit in das Goldgr\u00e4bercamp mitten im Urwald.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li><strong> Templo Jud\u00e3o-Christ\u00e3o-Islamico <\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der insgesamt dreimonatigen Arbeit an dem Projekt schmiedete ich offene Pl\u00e4ne, was ich in der Zeit danach am Besten tun w\u00fcrde: Ich hatte ein Flugticket mit sechs Monaten G\u00fcltigkeit, einen Termin in Deutschland Mitte Dezember und wollte zwei Monate Amazonien bereisen: In Rio de Janeiro endete mein Vertrag. Von Rio de Janeiro nach Bel\u00e9m an der M\u00fcndung des Amazonas, dann den Rio Negro hinauf, dann an den s\u00fcdlichen Seitenarmen des Amazonas bis nach Mapi\u00e1, dort etwa eine Woche bleiben, mit dem Bus durch Brasilien nach Rio de Janeiro zur\u00fcckfahren und von dort nach Europa zur\u00fcckfliegen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber die Omen, die ich sorgf\u00e4ltig beachte, wollten etwas anderes: Mein Vertrag endete nicht, wie ich vermutet hatte, in Rio de Janeiro, sondern 600 Kilometer weiter s\u00fcdlich, also weiter entfernt von Bel\u00e9m, in S\u00e3o Paulo. Ich fuhr deshalb zuerst mit dem Bus noch weiter nach S\u00fcden und war zwei Tage sp\u00e4ter in Iguaz\u00fa, um mir die majest\u00e4tischen Wasserf\u00e4lle anzusehen. Ich war schon bei meiner ersten Brasilienreise 1981 f\u00fcr drei Tage dort gewesen. Ich hatte jeden Tag viele Stunden lang in den Regenbogen unten im Schaum des gr\u00f6\u00dften Teilwasserfalls, der Garganta del Diablo gegafft, w\u00e4hrend das immerw\u00e4hrende Rauschen des Wassers mit den Vibrationen des Felsgesteins mich aus der konkreten Welt entfernte. Ich war von der Macht der Natur und ihrer unnennbaren Sch\u00f6nheit tief ber\u00fchrt worden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei meinem jetzigen Besuch regnete es und es war unangenehm kalt. Und die Aussichtsplattform an der Garganta del Diablo war wegen Reparaturarbeiten nach dem letzten zerst\u00f6rerisch hohen Hochwasser gesperrt. Ich fuhr noch \u00fcber den riesigen Itaip\u00fa-Staudamm bei Iguaz\u00fa, der mehr Masse enth\u00e4lt als die Cheops-Pyramide, und beschloss dann, sofort nach Norden, in Richtung \u00c4quator in die W\u00e4rme nach Amazonien aufzubrechen. Die Busverbindung nach Nord-Osten, zur K\u00fcste \u00fcber Rio de Janeiro war ich gerade erst gekommen, ich wollte m\u00f6glichst viel von Brasilien sehen, also fuhr ich weiter in Richtung Nord-West: Die Entscheidung war damit getroffen, <strong>zuerst<\/strong> nach Mapi\u00e1 zu fahren, und von dort aus die geplante Reise umgekehrt \u00fcber Bel\u00e9m nach Rio de Janeiro zu machen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Busfahrt quer durch Brasilien dauerte mehrere Tage. In Cuiab\u00e1 stieg ein interessanter Mensch ein, ein etwa zwei Meter gro\u00dfer Hippie, etwa 40 Jahre alt mit gro\u00dfem geflochtenem Sonnenhut, typischer Hippie-Kleidung, mit hellblauen Augen und relaxten Bewegungen. Wir hielten am sp\u00e4ten Nachmittag in der Stadt mit dem Namen Porto Velho (\u201aAlter Hafen\u2019) an. Beim Aussteigen sprach der Hippie mich auf Portugiesisch an. Wir wechselten nach kurzer Zeit ins Deutsche \u00fcber, denn er war wie ich in Hamburg geboren. Er trug den Namen Joram. Ich besuchte ihn abends auf dem Marktplatz, wo er seinen selbst angefertigten Silberschmuck, seine Schnitzereien und seine kleinen Pfeifchen verkaufte. Er lebte lieber in Brasilien als in den anderen L\u00e4ndern der Erde, weil hier die Menschen toleranter und freundlicher zu Hippies waren als \u00fcberall woanders.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als ich ihn am n\u00e4chsten Nachmittag wieder sah, hatte er herausgefunden, dass abends ein Ayahuasca-Ritual in einer Seitenstra\u00dfe in der N\u00e4he stattfinden sollte. Wir badeten nachmittags in dem 31\u00b0C warmen Fluss Rio Madeira, der sehr wenig Wasser f\u00fchrte. Ich erfuhr, dass die Bootsverbindung vom Amazonas nach Mapi\u00e1 abgebrochen war wegen des geringen Wasserstandes in dieser ganzen Region: Von B\u00e9lem aus h\u00e4tte ich also gar nicht nach Mapi\u00e1 kommen k\u00f6nnen. Der urspr\u00fcnglich von mir geplante Reiseablauf war in diesem Jahr also unm\u00f6glich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Abends im Hinterhof eines einst\u00f6ckigen \u00e4rmlichen Hauses bot der etwa 30-j\u00e4hrige Gastgeber jedem, der daran teilnehmen wollte, kostenlos einen Becher Ayahuasca an. Er gab mir eine Visitenkarte, und so erfuhr ich, dass ich hier im \u201aTemplo Judao-Christ\u00e3o-Islamico\u2019 (J\u00fcdisch-christlich-islamischen Tempel) war, einer unabh\u00e4ngigen Organisation, die das \u201aHuasca\u2019, so nannte es sich hier, zur Eucharistie, zum Abendmahl als \u201aLeib des Herrn\u2019 ausschenkte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So waren wir in der Nacht etwa 10 Leute, die meisten jung, einige Europ\u00e4er. Eines der M\u00e4dchen war schwanger. Ich wusste bereits, dass Ayahuasca vollst\u00e4ndig gefahrlos ist. Es kann jedoch bei Schwangeren Kr\u00e4mpfe ausl\u00f6sen. Deshalb bekommen Schwangere nur geringe Dosen, um keine Fr\u00fchgeburt auszul\u00f6sen. Bei der Geburt jedoch wird die volle Dosis gereicht: Es soll die Geburt zu einem schmerzlosen, leichten, freudigen und transzendentalen Ereignis machen, so dass im Normalfall keine der in unserer Zivilisation \u201anormalen\u2019 Komplikationen geschehen. Zum Beispiel f\u00fcr diese Dinge wird es seit Jahrhunderten von den Urwaldschamanen benutzt. Genau so ist es gefahrlos f\u00fcr Kinder&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ging hier zwanglos zu, ohne Ritual. Wer wollte, unterhielt sich, wer wollte, schwieg. Die Stimmung von Allen war gesammelt, ruhig und ausgeglichen. Es wurde wenig gesprochen, und wenn, dann war es ein offenes Zweier-Gespr\u00e4ch mit leiser Stimme. Der Gastgeber spielte abendl\u00e4ndische klassische Musik, die gro\u00dfen Sinfonien, etc. Ich merkte, dass mein Erlebnis wesentlich anders war als beim ersten Mal: Ich wurde direkt mit meinen Unvollkommenheiten konfrontiert, mit meinen halbherzigen Handlungen, mit den Entscheidungen, zu denen ich nicht stehe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich ging tief hinein in diese Konfrontation. Ich kniete mich auf den Gebetsteppich in seinem Zimmer neben der Stereo-Anlage, die Unterschenkel und Unterarme auf dem Boden, legte den Kopf in die Fl\u00e4chen meiner H\u00e4nde und verbrachte lange Zeit in der R\u00fcckerinnerung. Meine Erinnerungen wurden auch durch die herrliche Musik ausgel\u00f6st. Ich merkte, dass das Ayahuasca mich reinigte: Die Bewusstwerdung der Erlebnisse kr\u00e4ftigte in mir die Bereitschaft, mich zu ver\u00e4ndern. Ich bemerkte diese Bereitschaft mit dem ganzen K\u00f6rper als eine Art von Vitalit\u00e4t, als eine Art von schnellem Vibrieren in all meinen K\u00f6rperzellen &#8211; eigenartig&#8230; Nach etwa 90 Minuten ging ich wieder nach drau\u00dfen zu den Anderen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kurz vor Schluss sprach ich noch mit dem schwangeren M\u00e4dchen, das aus Argentinien bis hier gekommen war, um dieses Erlebnis vor ihrer Geburt zu haben, damit sie ihr zuk\u00fcnftiges Kind besser behandeln k\u00f6nne. Ich legte mein Ohr an ihren Bauch und f\u00fchlte, wie ihr Kind in ihrem Bauch diesen Zustand genoss.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach etwa 5 Stunden in dieser Privatkirche des Gastgebers, sagte er, dass er m\u00fcde wurde, und wir gingen dann auseinander.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit Joram und einem seiner Freunde gingen wir noch zum Fluss und rauchten ein wenig aus seiner Pfeife. Ich war richtig erstaunt, wie gut sich die Wirkung von Ayahuasca, die immer noch mittelstark zu sp\u00fcren war, mit der von Hanf erg\u00e4nzt und gegenseitig verst\u00e4rkt. Wir lie\u00dfen die Stille der Tropennacht auf uns wirken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Joram riet mir, m\u00f6glichst bald weiter zu fahren \u00fcber Rio Branco und Boca do Acre nach Mapi\u00e1, denn dort sei mehr zu lernen als hier. Dort sei das Zentrum der Ayahuasca-Kultur. Er wollte auch nach Rio Branco. Mein Interesse an Ayahuasca bewog ihn, wieder zur \u201aCol\u00f4nia 5000\u2019 (gesprochen \u201aCol\u00f4nia Cinco Mil\u2019), einer Siedlung in der N\u00e4he von Rio Branco zu fahren, wo er schon einmal vor mehreren Jahren gewesen war. Dort hatte er Ayahuasca kennen gelernt. Er gab mir einige Informationen und Namen, an die ich mich wenden sollte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich \u00fcbernachtete neben ihm in einem kleinen Park in der N\u00e4he des Flusses auf der Pappe eines Kartons, die mir zwei Polizisten gegeben hatten, die dort Streife hatten. Sie bewachten uns Hippies vor den Junkies. Die \u00fcberfallen seit kurzem immer h\u00e4ufiger die Menschen, die nachts noch auf den einsamen Stra\u00dfen waren, um an das Geld zu kommen, das sie f\u00fcr ihre Droge (Coca-Base) brauchten, die durch Illegalit\u00e4t \u00fcberteuert war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich guckte mir die Schlafstellung von Joram ab und \u00fcbernahm von ihm die Stellung der H\u00e4nde und Arme als eine f\u00fcr mich neue M\u00f6glichkeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er schlief auf der rechten Seite, den linken Unterschenkel auf rechte Wade und Fu\u00df gebettet, die Handr\u00fccken beider F\u00e4uste am Nacken aufliegend.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er war der ausgebildete Fachmann f\u00fcr das \u00dcbernachten unter irgendwelchen Bedingungen. Einige Stra\u00dfenhunde hatten sich um uns friedliche Menschen zusammengefunden und bewachten uns zus\u00e4tzlich. So ruhte ich in aller Gem\u00fctlichkeit und Geborgenheit in der warmen und windstillen Tropennacht und dachte \u00fcber mein Leben als Hippie nach, das ich bis jetzt vers\u00e4umt hatte zu leben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jahre sp\u00e4ter erfuhr ich, dass die Bewegung \u201aUni\u00e3o do Vegetal\u2019 hier in Porto Velho begonnen hatte:<\/p>\n<p>\u2018UDV as it is known today however was &#8222;re-created&#8220; on July 22 1961 in Porto Velho , Rond\u00f4nia , Brazil by the rubber-tapper Jos\u00e9 Gabriel da Costa (now known as Mestre Gabriel).\u2019 [&gt;<a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Uniao_do_Vegeta\">http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Uniao_do_Vegeta<\/a>l]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"5\">\n<li><strong>Die Bruderschaft von Santo Daime <\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann ging meine Reise z\u00fcgig weiter nach Rio Branco, der Hauptstadt des Distrikts Acre, in der die Ayahuasca-Bewegung in diesem Jahrhundert begonnen hatte. Ich kam sp\u00e4t nachmittags an und stellte meinen Rucksack in einem Hotel ab. Ich wollte mit dem Bus zur \u201aCol\u00f4nia 5000\u2019 fahren, landete aber wegen meines schlechten Portugiesisch nur vor einer griechisch-orthodoxen Gemeinschaft, die gerade ihre dreiw\u00f6chige(!) Schweigezeit mit t\u00e4glicher Ayahuasca-Einnahme beendet hatte. Zur Zeit sei Pause, sagte der Abt zu mir. Ich sah dort viele interessante Menschen mit edlen Gesichtern, ging aber weiter, um weiter zu suchen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>An der Endstation der Buslinie kam ich ins Gespr\u00e4ch mit dem Busschaffner. Die \u201aCol\u00f4nia 5000\u2019 kannte er nicht. Er empfahl mich seinem Kollegen, der dort wohnte, der bei einer anderen Ayahuasca-Gemeinde war und der mich gleich zu seiner Gemeinde \u201aBarquinha\u2019 (\u201aDie kleine Barke\u2019) mitnahm und mich als Deutschen dort mit einer deutschen Frau bekannt machte, die dort lebte. Mit ihr verbrachte ich den n\u00e4chsten Tag im Gespr\u00e4ch und im Gebet und erfuhr, dass sie gerade ein Buch \u00fcber ihre Erlebnisse ver\u00f6ffentlichen wollte.<\/p>\n<p>(Ruth Fischer-Fackelmann: Fliegender Pfeil, Wilhelm Heyne Verlag, Nr. 9684, ISBN 3-453-11471-X, 1996, 251 S.)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich sprach kurz mit ihrer Mutter Oberin, einer alten, weisen Frau voller Sanftheit und G\u00fcte. Aber auch dort fanden zur Zeit keine Ayahuasca-Rituale statt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das nicht Finden der Col\u00f4nia 5000 und die zwei Gemeinschaften ohne Rituale nahm ich als Omen, um am n\u00e4chsten Tag weiter zu fahren nach \u201aBoca do Acre\u2019, dem kleineren Ort an der \u201aM\u00fcndung des Acre\u2019-Flusses in den Rio Purus, von dem aus die Kanus abfahren sollten in Richtung Mapi\u00e1. Ich besuchte dort \u201aden Italiener\u2019, dessen Adresse mir Joram gegeben hatte. Er war ein \u201aDaimista\u2019, und von ihm erfuhr ich etwas mehr Einzelheiten \u00fcber \u201aC\u00e9u do Mapi\u00e1\u2019, wie Mapi\u00e1 richtig und vollst\u00e4ndig hei\u00dft: \u201aDer Himmel von Mapi\u00e1\u2019. Mapi\u00e1 ist ein Wort aus einer Indianersprache, deswegen wird es auf der letzten Silbe betont. Mapi\u00e1 hei\u00dft der Fluss, an dem der Ort liegt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zwei Tage sp\u00e4ter traf ich bei ihm auf Joram, der ihn besuchte. Abends machte der Italiener f\u00fcr uns beide eine \u201aConcentra\u00e7\u00e3o\u2019 mit dem \u201aDaime\u2019, das er aus Mapi\u00e1 hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eSanto Daime\u201c ist der Name von Ayahuasca, der in Mapi\u00e1 verwendet wird. Er hei\u00dft auf Brasilianisch \u201eGib mir das Heilige!\u201c Daimistas sind diejenigen, die Daime trinken. Der Italiener erz\u00e4hlte uns von der <strong>\u201eBruderschaft von Santo Daime\u201c<\/strong>, der alle diejenigen angeh\u00f6ren, die das Daime als ihren Weg erkannt haben, unabh\u00e4ngig davon, zu welcher Organisation sie geh\u00f6ren. Sie alle verbindet ein br\u00fcderliches Band \u2013 ohne eine Organisation. Als ich das von ihm h\u00f6rte, merkte ich, dass auch ich mich vielleicht schon in diese Bruderschaft aufgenommen hatte, aber ich hatte trotzdem noch meine Bedenken \u00fcber die Kraft des Ayahuasca.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er sprach \u00fcber den Padrinho Sebasti\u00e3o, V\u00e4terchen Sebastian, der C\u00e9u do Mapi\u00e1 im Alter von 65 Jahren mitten im Dschungel gegr\u00fcndet hatte, um dem Treiben der Zivilisation entgehen zu k\u00f6nnen. Im Dschungel unter Schw\u00e4rmen von Moskitos mit der Kraft der eigenen H\u00e4nde, mit \u00c4xten und Werkzeugen ohne Geldmittel ein funktionierendes Dorf zu gr\u00fcnden: Was f\u00fcr eine extreme Strapaze! Was f\u00fcr eine Willenskraft! Jahre ihres Lebens hatten er und seine etwa 50 Weggef\u00e4hrten unter den allergr\u00f6\u00dften Strapazen daf\u00fcr gegeben, um nicht mehr unter uns zivilisierten Menschen weilen zu m\u00fcssen. Das schien mir beinahe grotesk!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Italiener hatte in seiner Plantage, weit ab vom Treiben des Dorfes, ein sch\u00f6nes, kleines Haus errichtet, das f\u00fcr die Einnahme von Daime bestimmt war. Wir sprachen ein Gebet, tranken sein Daime und begaben uns in eine vielleicht zweist\u00fcndige Meditation ohne irgendein besonderes Ritual. Als Joram und ich das Bed\u00fcrfnis hatten, miteinander zu sprechen, um uns \u00fcber unsere Erlebnisse auszutauschen, beendete der Italiener die Concentra\u00e7\u00e3o mit einem Schlussgebet. Ich hatte eine richtig tiefe Meditation erlebt, in der ich so viele neue Gedanken bewegt hatte, wie noch selten in meinem Leben. Wunderbar! \u2013 Das war richtig gut! \u2013 Das war reich und voll! \u2013 So eine herrliche Substanz! &#8211; Daime zeigte mir seine Kraft, die Meditation zu beschleunigen und zu vertiefen.<\/p>\n<p>Waren das Alles die gleichen Getr\u00e4nke? &#8211; War ihre Zusammensetzung wirklich gleich? \u2013 Drei so unterschiedliche Erlebnisse durch die gleiche Substanz? &#8211; Welche M\u00f6glichkeiten mochten noch in ihr stecken?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"6\">\n<li><strong>Meine Fahrt nach C\u00e9u do Mapi\u00e1 <\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am \u00fcbern\u00e4chsten Morgen bei Sonnenaufgang hatte ich einen Platz in einem Canoa erhalten, das nach C\u00e9u do Mapi\u00e1 abfuhr. Canoas hei\u00dfen Einbaum-Boote mit einem Au\u00dfenbordmotor und flachem Tiefgang, die etwa 8 Personen mit Gep\u00e4ck transportieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei der Abfahrt traf ich auf \u201aLucio Mortimer\u2019, der am Bootssteg war. Als ich ihm erz\u00e4hlte, dass ich Deutscher sei, erz\u00e4hlte er mir, dass er gerade aus Deutschland zur\u00fcckgekommen sei. Ich nahm es nur zur Kenntnis. Er hatte mit seiner Deutschlandreise unter anderem auch die Hamburger Gruppe geschaffen, die seitdem in Hamburg arbeitet und in der ich gleich nach meiner R\u00fcckkehr weiter mit Santo Daime arbeiten konnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Fahrt ging einen ganzen Tag lang den Rio Purus hinunter, einen breiten Strom, der einer der Nebenfl\u00fcsse des Amazonas ist, breiter als der Rhein oder die Elbe. Ab und zu begleiteten uns einige S\u00fc\u00dfwasser-Delphine. Der Fluss m\u00e4anderte und riss an der Au\u00dfenkr\u00fcmmung seine Ufer in den Strom hinein, w\u00e4hrend er an der Innenkr\u00fcmmung flache Sandstr\u00e4nde anschwemmte. An diesen Sandstr\u00e4nden wurden Nutzb\u00e4ume neu angepflanzt, an den Steilh\u00e4ngen dagegen standen die alten Urwaldb\u00e4ume, die beim n\u00e4chsten Hochwasser in die Fluten gerissen werden w\u00fcrden. So weicht der Urwald der Zivilisation auf langsame Weise.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Den ganzen Tag schien die Sonne ohne Schatten hoch vom Himmel. Ich strich Gesicht und Arme mit Sonnenschutzcreme ein, obwohl ich schon drei Monate in Brasilien lebte. Ich rollte ein T-Shirt vom Halsausschnitt bis zu den Armen als Rolle ein, legte mir den Rest des T-Shirts \u00fcber den Kopf und knotete die Rolle hinten zusammen. Der Unterteil des Shirts bedeckte meinen Hals. So kam ich mit nur leichter Hautr\u00f6tung davon.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der L\u00e4rm des Au\u00dfenbordmotors ohne Schalld\u00e4mpfer \u2013 andere gibt es hier am Rande der Zivilisation nicht \u2013 war gewaltig. Ich trug die ganze Fahrt \u00fcber Ohrst\u00f6psel zur Schalld\u00e4mmung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Abends bog das Kanu in ein schmales Nebenfl\u00fcsschen ein, in den Rio do Mapi\u00e1. Die Fahrt wurde schwieriger, denn auch hier war der Wasserstand sehr niedrig. Bei dem Rio Purus hatte ich von dem niedrigen Wasser fast nichts bemerkt, au\u00dfer dass Boca do Acres Uferb\u00f6schungen \u00fcber 15 Meter \u00fcber dem jetzigen Wasserstand ihre Wasserspuren hatten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bald legte das Kanu bei einer einsamen Hacienda (spanisch, Farm) an, einer \u201aFazenda\u2019 auf Brasilianisch, einem kleinen handgezimmerten Haus auf Pf\u00e4hlen gegr\u00fcndet, bewohnt von einer armen indianischen Familie, die etwas Geld damit verdiente, dass der Kanu-Besitzer seine G\u00e4ste hier \u00fcbernachten lie\u00df. Eine kleine gerodete Lichtung war mit verschiedenen Nutzpflanzen zum eigenen Verzehr bebaut. Wir Reisenden a\u00dfen ein kleines warmes Mahl und legten uns in unsere H\u00e4ngematten oder auf unsere Matten auf den Boden des Hauses.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>An der Wand der H\u00fctte hing das Bild eines \u00e4lteren Mannes mit wei\u00dfem Bart und strahlend, durchdringendem Blick. Ich wusste noch nicht, dass das Padrinho Sebasti\u00e3o war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen ging nach einem kurzen Fr\u00fchst\u00fcck die Fahrt weiter. Sie wurde f\u00fcr mich zu einer Initiationsreise. Wir waren jetzt nicht mehr in der Zivilisation, wir waren mitten im unber\u00fchrten Urwald. Wir waren eingeschlossen in die verwunschene Heimat unserer Mutter Natur. \u201aFloresta virgem\u2019 hei\u00dft der Urwald auf Portugiesisch, \u201aBl\u00fctenwesen Jungfrau\u2019 w\u00f6rtlich-frei \u00fcbersetzt, der \u201ajungfr\u00e4uliche Wald\u2019 oder \u201aUrwald\u2019 normal \u00fcbersetzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Pracht, mit der sie uns empfing, \u00fcberw\u00e4ltigte mich: Diese herrlichen B\u00e4ume in ihrer erhabenen Form und f\u00fcr mich unmessbaren H\u00f6he. Es gab nichts Bekanntes, dessen Gr\u00f6\u00dfe ich kannte, so dass ich keine M\u00f6glichkeiten hatte, ihre Gr\u00f6\u00dfe auch nur abzusch\u00e4tzen. Die Harmonie, in der alles miteinander wuchs und gedieh, diese Einheit des Lebens, so wie es sich seit \u00c4onen hier entwickelte: Eine \u201e\u00fcber\u201c-irdische Sch\u00f6nheit enth\u00fcllte sich mir. Was f\u00fcr ein Frevel, den die verblendeten Menschen in ihrer verwirrten Gier in diesem Amazonien anrichten, indem sie diese lebenden, harmonisch gewachsenen R\u00e4ume einfach abbrennen und im wahrsten Sinne des Wortes ver-w\u00fcsten!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Padrinho Sebasti\u00e3os Flucht vor unserer Zivilisation wurde pl\u00f6tzlich f\u00fcr mich verst\u00e4ndlich: In dieser harmonischen Umgebung kann das Herz aufbl\u00fchen, kann die Seele erwachen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese verwirrten Geister, die unsere Mutter deswegen brauchen, um sie zu t\u00f6ten und auszubeuten, um ihren ermordeten Leichnam auszuschlachten und kannibalisch aufzufressen \u2013 diese Geister werden in unserer Zivilisation zum Kannibalismus ausgebildet, sie sind die Boten einer lebensfeindlichen Spezies. Und unsere Zivilisation gibt ihnen die perfekten, machtvollen Mittel in die Hand, so dass ihre Ausbeutung auch effektiv erfolgt. Ich dachte an den Berg von Haaren im Vernichtungslager Auschwitz, der einem den Atem stocken l\u00e4sst und die Kehle zuschn\u00fcrt&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir alle werden durch unsere Zivilisation dazu erzogen, uns nach den \u201aErfordernissen des Marktes\u2019 zu verhalten. Unser \u00dcberleben in unserer \u201aKultur\u2019 h\u00e4ngt davon ab, dass wir die Stimme unseres Gewissens zum Schweigen bringen und alles tun, was uns irgendwie Geld bringt. Je mehr wir gegen unser Gewissen handeln, um so gr\u00f6\u00dfer ist unser gesellschaftlicher Erfolg.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was f\u00fcr eine unmenschliche Situation, in der wir leben, als sei es die nat\u00fcrlichste Sache der Welt. Wir werden zu blutr\u00fcnstigen, alles vernichtenden Raubtieren ausgebildet. Wie konnten wir \u201aMenschen\u2019 uns nur so weit erniedrigen lassen? Wie konnten wir uns nur so weit von uns selbst entfremden, dass es in unserer Zivilisation schon fast kriminell ist, bei diesem Mordritual <strong>nicht<\/strong> mitzumachen? Auf jeden Fall ist es dumm, um nicht zu sagen verr\u00fcckt, nicht am Abschlachten unserer Mutter Natur mitverdienen zu wollen. \u201aDas Gesch\u00e4ft brummt\u2019.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit dieser Fahrt, etwa 6 Stunden lang ein schmales Fl\u00fcsschen herauf hin zu seinem Dorf, lehrte mich Padrinho Sebasti\u00e3o viel \u00fcber unsere Zivilisation und ihre wirkliche Einbindung in unsere Mutter Natur.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mir wurde auch klar, welche Funktion diese Moskitos und Krokodile und Piranhas und die vielen anderen Qu\u00e4lgeister im Dschungel haben und warum der Dschungel von den Ausbeutern auch die gr\u00fcne H\u00f6lle genannt wird&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ab und zu flogen gro\u00dfe, blau blitzende Schmetterlinge den Fluss entlang an uns vorbei. Ihre glitzernden Fl\u00fcgel blitzten bei jedem Fl\u00fcgelschlag einmal auf, wenn ihr Glanzwinkel in mein Auge reflektierte. Welch eine wunderbare Form der Kommunikation dieser Wesen: Sie erkennen sich \u00fcber Hunderte von Metern Entfernung im dunklen Dschungel an diesem periodischen blauen Blitzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es gab viele flache Stellen, an denen wir alle aussteigen mussten und das Kanu mit anfassen mussten, damit es nach einer Sandbank weiterfahren konnte. Oder ein Baumstamm, der in den Fluss gest\u00fcrzt war, musste in der Krone durchquert werden oder sein Stamm musste \u00fcberwunden werden. F\u00fcr mich war das alles ein richtiges Abenteuer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Selten, alle halbe Stunde etwa, kamen wir an einsamen Fazendas vorbei, einfachsten Bauernh\u00f6fen auf gerodeten Urwaldlichtungen errichtet. Nachmittags weitete sich pl\u00f6tzlich der Blick: Die Ufer waren gerodet, einige H\u00e4user standen links und rechts des Baches, eine H\u00e4ngebr\u00fccke \u00fcberspannte den Bach, der sich hinter der Br\u00fccke gabelte zu zwei wesentlich flacheren Quellb\u00e4chen, so dass ab hier flussaufw\u00e4rts keine Schifffahrt mehr m\u00f6glich war. Hier am Ende des Verkehrsweges hatte Padrinho Sebasti\u00e3o \u201eseinen\u201c Platz gefunden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es geht schneller, von irgendeinem Ort der Erde bis nach Boca do Acre zu kommen, als von Boca do Acre bis hier. C\u00e9u do Mapi\u00e1 liegt also tats\u00e4chlich \u201eweit\u201c weg von unserer Zivilisation. In gerader Luftlinie sind es allerdings nur etwa 80 km bis Boca do Acre.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"7\">\n<li><strong>C\u00e9u do Mapi\u00e1 <\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich lie\u00df mich am Donnerstag, dem 12. Oktober 1995 in der Recep\u00e7\u00e3o registrieren und w\u00fcnschte mir, im Hause von Dario zu \u00fcbernachten. Dario war der Name, den der Italiener mir genannt hatte, als ein Mensch, von dem ich einiges lernen k\u00f6nnte. Dario gestattete mir, meine H\u00e4ngematte in seiner Veranda zwischen zwei Pf\u00e4hlen aufzuh\u00e4ngen und im Heim seiner Familie mein Heim zu finden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich schaute mich im Dorf um. Es bestand aus etwa 50 H\u00e4usern im eigentlichen Dorf und aus weiteren etwa 50 H\u00e4usern weiter verstreut im Urwald errichtet. Jedes Haus beherbergte eine Familie, einige gr\u00f6\u00dfere waren f\u00fcr Gruppen erbaut worden. Insgesamt lebten etwa 300 Einwohner hier. Es gab ein Verwaltungshaus, eine aus sechseckigen R\u00e4umen konstruierte Schule, ein \u201aSternhaus\u2019 f\u00fcr geistige Arbeiten und die gro\u00dfe Kirche. Sie war auf einem H\u00fcgel am Fluss errichtet, ein sehr gro\u00dfes Holzgeb\u00e4ude in Sternform.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was f\u00fcr ein gewaltiger Raum! Welch eine unermessliche Meisterleistung, ihn mit den hier vorhandenen Mitteln zu bauen! Und doch, wie heimelig er wirkte! &#8211; Als ich eintrat, f\u00fchlte ich mich sofort wie zu Hause. Ich war von der Schlichtheit, Zweckm\u00e4\u00dfigkeit, Gr\u00f6\u00dfe und Eleganz ber\u00fchrt und verstand die Symbolik fast jedes Details. Ein m\u00e4chtiges Kantholz aus einem Urwaldriesen gehauen von etwa 20&#215;20 cm Kantenl\u00e4nge und etwa 15 bis 20 Metern H\u00f6he im Zentrum des Raums trug das Strohdach.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Um diese \u201a<strong>Achse der Welt<\/strong>\u2019 war unten ein Tisch von etwa 2 Metern Durchmesser in der Form eines Sechssterns, jener zwei gleichseitigen Dreiecke, die sich gegenseitig durchdringen und vereinen. Sie beide bilden in dieser Form den Davidstern und auch die zwei \u201a<strong>Schl\u00fcssel Salomonis<\/strong>\u2019, die in der christlichen Tradition zu den zwei Himmelsschl\u00fcsseln von Petrus wurden. Und senkrecht in den zwei horizontalen Himmelsschl\u00fcsseln ruhte die Achse der Welt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der ganze \u00fcbrige Raum war frei und hatte die gleiche Form eines Sechssterns: Im Innern entstand dadurch ein Raum in der Form eines gleichseitigen Sechsecks. An jeder der sechs Seiten war er offen und strahlte aus in ein kleineres gleichseitiges Dreieck hinein. <strong>Der Tempel hatte also 12 Seiten!<\/strong> Jedes der 6 \u00e4u\u00dferen Dreiecke von je 14 Metern Seitenl\u00e4nge trug mit kleineren Pfosten die Au\u00dfenseiten des Dachs. Die Au\u00dfenw\u00e4nde hatten in Bauchh\u00f6he eine Br\u00fcstung, die nach unten verkleidet war und die nach oben offen war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So konnte ich vom Innern nach allen Seiten hin \u00fcberall in die Natur schauen. Fensterscheiben sind in diesem Klima unn\u00f6tig. Ein schwacher Wind f\u00e4chelt frische Luft zu.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das innere Sechseck ist der Festraum, zwei gegen\u00fcberliegende Dreiecke sind die zwei Eing\u00e4nge. Zwischen den Eing\u00e4ngen ist die eine Seite die \u201aM\u00e4nnerseite\u2019 und die andere die \u201aFrauenseite\u2019. Die anderen je zwei Dreiecke jeder Seite sind vorgesehen, um die pers\u00f6nlichen Gegenst\u00e4nde ablegen zu k\u00f6nnen, damit die Babys dort w\u00e4hrend der Rituale schlafen k\u00f6nnen, damit die Schwachen, die ihre pers\u00f6nlichen Dinge zu bearbeiten haben, dort ihre Ruhe finden k\u00f6nnen, damit diejenigen, die sich \u00fcbergeben m\u00fcssen, sich dort \u00fcber die Br\u00fcstung hinweg in die Natur erbrechen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf dem Fu\u00dfboden waren Einzeichnungen, die die sechs Segmente, die vom Zentrum ausgingen, strukturierten: Jeder Platz f\u00fcr einen Teilnehmer war etwa 60 cm breit und etwa 50 cm tief. Die Kirche bietet Platz f\u00fcr etwa 800 Teilnehmer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von diesem \u201aTempel\u2019 aus (templare, lateinisch, betrachten) konnte ich weit \u00fcber die Landschaft schauen, in der C\u00e9u do Mapi\u00e1 liegt: In der Mitte der Bach, zu beiden Seiten auf mehreren H\u00fcgeln die einzelnen H\u00e4user, alles eingebettet in die \u00fcppig gr\u00fcnende Natur.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Detail verstand ich aber nicht genau: Auf dem Sechsecktisch stand ein Kreuz mit zwei Querbalken, einem kleineren oberen und einem gr\u00f6\u00dferen unteren. Dieses Kreuz sah aus wie ein Mensch mit weit ausgestreckten Armen und weit ausgespreizten Beinen voller Kraft und St\u00e4rke.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Wirkung dieses Symbols auf mich war v\u00f6llig anders, als ich es bisher von Kreuzen kannte. Dieses Kreuz strahlte grenzenlose Kraft und zugleich jubelnde Lebensfreude aus. Was f\u00fcr ein Unterschied zu den normalen kirchlichen Kreuzen der Christen! Aber von diesem Kreuz ging noch ein weiterer Zauber aus. Je l\u00e4nger ich es ansah, um so mehr begriff ich, wie dieses Kreuz in den Daime-Ritualen zu einem Brennpunkt von Bewusstsein wurde. Dieses Symbol war \u201aaufgeladen\u2019. Es \u201astrahlte\u2019 mich an.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In die zweifl\u00fcgelige massive riesige Holzt\u00fcr waren Schnitzereien eingelassen: Sonne, Mondsichel, Stern, Adler und Kolibri, Liane und Blattpflanze des Daime.<\/p>\n<p>Alle Details dieses Raums waren \u201amakellos\u2019 gearbeitet. Die Dinge strahlten Reinheit und Sch\u00f6nheit aus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit \u201aProfessora\u2019 Rita, der Lehrerin f\u00fcr die Kinder des Dorfes, verstand ich mich gut. Sie lebte in dem Haus, in dem Padrinho Sebasti\u00e3o wohnte, als er begann, Mapi\u00e1 aufzubauen. Bei einem Kaffee beantwortete sie mir alle Fragen: Dieses Kreuz hei\u00dft das \u201a<strong>Kreuz von Caravaca<\/strong>\u2019 und der kleinere Querbalken bedeutet die damalige Zeit von Jesus auf der Erde mit seinem Kreuztod. Der gr\u00f6\u00dfere Querarm bedeutet die jetzige Wiederkehr von Jesus Christus, die wesentlich machtvoller ist. \u2013 \u201aAha!\u2019, dachte ich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der <strong>Kolibri<\/strong> ist der Geist Gottes, der alle Lebewesen k\u00fcsst, ihren geistigen Honig trinkt und alles befruchtet und belebt. Der Kolibri ist das Zeichen der <strong>Neuen \u00c4ra der Wiederkehr von Jesus Christus<\/strong>, wenn der Geist f\u00fcr jeden wahrnehmbar ist. Der Kolibri hei\u00dft auf Portugiesisch \u201aBeija-Flor\u2019, also \u201aBl\u00fcten-K\u00fcsser\u2019, was f\u00fcr ein treffender Name. Und welch ein wunderbares Symbol f\u00fcr den Heiligen Geist!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die <strong>Mondsichel<\/strong> ist ein Symbol des Islam. Sie bedeutet den menschlichen Verstand, der von der Sonne des Seins immer unterschiedlich beschienen wird und der daraus seine eigene Oberfl\u00e4che formt, sein Weltbild, seine Realit\u00e4t, in der der Mensch von Geburt bis zum Tode eingeschlossen bleibt und dort seine Erfahrungen sammelt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der <strong>Adler<\/strong> ist das der Menschheit eigene uralte Symbol des einen Sch\u00f6pfergottes ohne ein Antlitz, von dem du dir kein Bild machen sollst, denn Er ist unerkennbar, der mit seinen Schwingen, den Schwingen des Geistes, den Kosmos erh\u00e4lt und belebt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch hier gab es zur Zeit kein Daime-Ritual, erst am 15. findet, wie an jedem 15. und 30. Tag jedes Monats, eine Concentra\u00e7\u00e3o statt. Als ich erz\u00e4hlte, dass ich etwa 10 Tage auf meiner Reise f\u00fcr Mapi\u00e1 eingeplant hatte, schaute Rita mich merkw\u00fcrdig an. Auch als ich erz\u00e4hlte, dass ich noch nichts \u00fcber \u201aSanto Daime\u2019 wusste und dass ich hergefahren war, um es kennen zu lernen, schaute sie verbl\u00fcfft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mir war es immer noch nicht klar geworden, dass dieses eine <strong>heilige Stadt<\/strong> ist, wie etwa Lhasa in Tibet oder Mekka in Saudi-Arabien oder der Vatikan in Rom. Und ich war durch Zufall hier hereingeschneit. Und ich war der Einzige, der hier von nichts eine Ahnung hatte. Vielleicht war ich sogar der erste Besucher \u00fcberhaupt, der einfach nur so auf eine Empfehlung hin hierher kam&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich erfuhr, dass man hier im Urwald zu den Ritualen ein wei\u00dfes Hemd mit langen \u00c4rmeln und blauem Schlips tr\u00e4gt und eine elegante marineblaue Hose mit B\u00fcgelfalte. Das ist die Kleidung der \u201a<strong>Fardados<\/strong>\u2019, der \u201aUniformierten\u2019. Anf\u00e4nger tragen wei\u00dfe Kleidung. Aber Anf\u00e4nger gab es hier nicht\u2026 Darauf hatte ich mich als Backpacker nicht vorbereitet. Ich musste mir die Kleidung von Dario ausborgen. Ich hatte immerhin eine weit geschnittene violette Hose dabei, und er meinte, die sieht doch gut aus!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich erfuhr, dass hier in den Ritualen gesungen wird, dass diese Ges\u00e4nge \u201a<strong>Hinos<\/strong>\u2019 oder auf deutsch Hymnen hei\u00dfen, dass in den Ritualen, die \u201a<strong>Hinarios<\/strong>\u2019 hei\u00dfen, auch getanzt wird.<\/p>\n<p>Ich erfuhr, dass diese Hinos \u201aempfangen\u2019 werden. Sie werden also nicht komponiert oder getextet, sondern sie werden so, wie sie sind, von den Menschen, die sie empfangen, als eine Melodie mit Text wahrgenommen in diesen besonderen ge\u00f6ffneten Bewusstseinszust\u00e4nden, in die der Daime einen f\u00fchrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich nutzte die Zeit und lieh mir eine Hymnensammlung aus (Nova Jerusalem). Auch die Hymnensammlung selbst hei\u00dft \u201aHinario\u2019. Ich studierte mit einem W\u00f6rterbuch die Texte. Ich las immer wieder die Namen \u201aEwige Jungfrau Maria\u2019 und \u201aJesus Christus, der Erl\u00f6ser\u2019 im Zusammenhang mit \u201abeten\u2019 und Demut und so weiter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich hatte mich mein ganzes bisheriges Leben aus gutem Grunde von diesem christlichen Schmalz ferngehalten. Und jetzt war ich hier in ein richtiges Nest geraten. Ich kriegte ein mulmiges Gef\u00fchl. Ich dachte, ob ich es wohl 10 Tage hier aushalten werde und erkundigte mich, wann das n\u00e4chste Canoa wieder nach Boca do Acre f\u00e4hrt: etwa ein- bis zweimal pro Woche. Ich beschloss, die geringe Zeit wirklich intensiv zu nutzen, um alles Wichtige kennen zu lernen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So vergingen drei Tage mit stillem Lesen, in denen ich gut mein Brasilianisch\/Portugiesisch weiter verbesserte. Ich bestand bei allen Gespr\u00e4chen darauf, dass ich sie in Brasilianisch f\u00fchrte, um mich zu \u00fcben. Auf meinen l\u00e4ngeren Spazierg\u00e4ngen durch das Dorf sah ich mir die Menschen an, denen ich begegnete. Die meisten von ihnen sahen richtig \u201agut\u2019 aus: Starke Menschen, Krieger und Kriegerinnen dachte ich. Schon an ihrem Gang, kraftvoll weich und harmonisch ausgeglichen, erkannte ich sie. Aus der N\u00e4he verriet mir das fr\u00f6hliche Leuchten in ihren Augen, die Anmut ihrer Bewegungen und die Schlichtheit und Geradlinigkeit in ihrem Ausdruck, wen ich vor mir hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei einigen dagegen konnte ich noch bemerken, dass sie nicht so weit entwickelt waren: Ich fragte jeden von diesen Menschen, mit denen ich ins Gespr\u00e4ch kam, wie lange sie schon in Mapi\u00e1 lebten oder wie lange sie schon Daime nahmen. Keiner von diesen nahm es l\u00e4nger als vier Jahre. Ich war erstaunt: In nur vier Jahren wird man also in dieser geistigen Richtung so weit entwickelt, dass es richtig deutlich sichtbar ist. Was f\u00fcr eine Geschwindigkeit!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Dorf herrschte \u00fcberall freundliche Nachbarschaft. Sehr selten \u2013 praktisch nie &#8211; wurde \u00fcber andere mit schlechten Gef\u00fchlen geredet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mich erstaunte auch, dass wohl jeder Einwohner von Mapi\u00e1 irgendein Buch von Carlos Castaneda in seinem Haus hatte. Sie wurden gegenseitig ausgeliehen. Mit jedem konnte ich \u00fcber die Details seiner B\u00fccher sprechen. Alle sch\u00e4tzten ihn sehr. Rita meinte, dass Castanedas und ihre Arbeit so \u00e4hnlich seien. Ich hatte noch meine stillen Bedenken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich erz\u00e4hlte auch nicht, dass ich als \u201atoltekischer Krieger\u2019 nach Mapi\u00e1 kam und dass ich das Ayahuasca und seine Manifestationen \u201aanpirschte\u2019.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am 14. Oktober war viel los im Hause von Dario. Er wollte morgen mit Frau und kleiner Tochter f\u00fcnf Monate nach Chile reisen. Und an diesem letzten Tag wollte er einen Schrank f\u00fcr all sein Werkzeug bauen, damit in seiner Abwesenheit Ordnung herrsche und damit nichts weg komme: Er lud mich ein, ihm dabei zuzusehen und mit anzufassen. Und an diesem Nachmittag und Abend verstand ich, warum der Italiener mich zu ihm empfohlen hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er ist einer der wichtigen Handwerker dieses Dorfes. Ich konnte zusehen, wie ein Mensch aus ein paar Brettern, die er sich tags\u00fcber hingelegt hatte, mit S\u00e4ge und Hobel und Hammer und N\u00e4geln und Schrauben f\u00fcr eine Ecke seines eigenen Hauses einen Einbauschrank anfertigte und einpasste. Jeder einzelne Handgriff war richtig. Wenn ein Brett ges\u00e4gt war, hatte es die richtige L\u00e4nge, jeder Hammerschlag traf genau. An alles war schon in der Vorbereitung gedacht worden. Nichts fehlte. Jede Anweisung an mich war freundlich und gelassen und pr\u00e4zise.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn er au\u00dfer meiner Hand noch eine weitere Hand brauchte, rief er eines seiner Kinder. Sie folgten freundlich und genau. Ich habe noch nie eine Familie gesehen, in der in einer solchen Situation kein lautes Wort fiel, in der die Kinder voller Respekt der unbestreitbaren Autorit\u00e4t des Vaters mitdenkend aufs Wort folgten. Voller Fr\u00f6hlichkeit und Ruhe und in tiefer Konzentration wuchs der Eckschrank in maximaler Geschwindigkeit seiner Vollendung entgegen. Als Dario die letzte T\u00fcr einpasste, machte er noch einen einzigen Hobelstrich, dann klemmte die T\u00fcr noch ganz leicht in der F\u00fcllung fest, so dass sie sich nicht von allein \u00f6ffnen konnte: \u201eSo soll die T\u00fcr schlie\u00dfen\u201c, erkl\u00e4rte er mir.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann verstaute er sein Werkzeug so, dass alles \u00fcbersichtlich und leicht erreichbar war, und alles kam an den Platz, der daf\u00fcr vorgesehen war und der auch daf\u00fcr passte. Danach gingen wir schlafen. Am n\u00e4chsten Morgen, als die D\u00e4mmerung heraufzog, wurde ich durch ein Lied geweckt, das Dario laut durch das stille Haus sang:<\/p>\n<p><strong>\u201eLevanta te, Guerreiro!\u201c<\/strong> \u2013 \u201eErhebe dich, Krieger!\u201c &#8211; Dann verlie\u00dfen sie mit wenig Gep\u00e4ck das Haus f\u00fcr eine halb-j\u00e4hrige Reise in ein fremdes Land.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Erst viel sp\u00e4ter erfuhr ich, dass Dario bis dahin ein einziges Hino empfangen hatte. Und das war das erste Hino, das ich in meinem Leben h\u00f6rte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"8\">\n<li><strong>Meine erste Concentra\u00e7\u00e3o <\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p><strong> \u00a0 <\/strong><\/p>\n<p>Endlich war es so weit, dass sich meine Absicht von vor vielen Monaten verwirklichen w\u00fcrde: Ich war in Mapi\u00e1 und ich konnte an dem ersten Ritual mit \u201aAyahuasca\u2019, oder besser gesagt, mit \u201aSanto Daime\u2019 teilnehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am 15. Oktober um 18 Uhr war ich als einer der ersten in der Kirche. Als es d\u00e4mmerte, wurde der einzige Ger\u00e4usch-ged\u00e4mmte Stromgenerator im Dorf angemacht, damit die sechs Birnen von etwa 200 Watt an der Decke der Kirche ein schwaches, angenehmes Licht werfen konnten, in dem man noch lesen konnte. B\u00e4nke wurden aufgestellt. Als die Kirche sich mit etwa 200 Menschen zu etwa einem Drittel gef\u00fcllt hatte, begann das Ritual der Concentra\u00e7\u00e3o mit mehreren Gebeten von \u201ePai Nosso\u201c \u2013 \u201eVater Unser\u201c und \u201eAve Maria\u201c \u2013 \u201eGegr\u00fc\u00dfet seist Du, Maria\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann stellte man sich in Reihen an, und jeder erhielt ein Glas Daime, dieses braune Tee-Getr\u00e4nk, das einen stark bitteren und etwas s\u00e4uerlichen Geschmack haben kann und das etwas mehlig schmeckt von den feinen Schwebteilchen, die sich in ihm befinden. Davor oder danach <strong>bekreuzigt<\/strong> man sich mit dem christlichen Kreuz: Drei rechte Finger auf Stirn, unteres Brustbeinende, linke Schulter, rechte Schulter, anschlie\u00dfend Kuss auf den Daumennagel. Das steht f\u00fcr: Vater &#8211; Sohn &#8211; Heiliger &#8211; Geist &#8211; Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Danach setzten wir uns wieder, die Frauen auf einer Seite der Kirche, die M\u00e4nner auf der anderen. Padrinho Valdete, der \u00e4lteste Sohn von Padrinho Sebasti\u00e3o, leitete als \u201a<strong>Comandante<\/strong>\u2019 die Sitzung. Der Begriff hei\u00dft Kommandant und ist ein milit\u00e4rischer Begriff. Er tr\u00e4gt das Kom-mando, er hat das \u201agemeinsame Mandat\u2019, das Co-Mandat aller Beteiligten, dieses Ritual zu leiten als eine Art \u201aKaplan\u2019. Er hat zu sorgen f\u00fcr Harmonie im Tempel, \u201adamit der Meister wirken kann\u2019.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Seine Helfer hei\u00dfen \u201a<strong>Fiscales\u2019<\/strong>, \u201aAufseher\u2019. Sie haben f\u00fcr die \u00e4u\u00dfere Ordnung zu sorgen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich dachte, jetzt gehen wir in die Meditation. \u2013 Aber man sang erst einige Lieder, deren Texte ich nicht verstand und die mir auch nicht als besonders sch\u00f6n oder als \u201abedeutsam\u2019 im Sinne von \u201aempfangen\u2019 erschienen. Das Singen h\u00f6rte nicht auf. Ich dachte, was soll diese Zeitverschwendung. Ich freute mich so auf die Ruhe und die neuartige M\u00f6glichkeit, im \u00e4gyptischen K\u00f6nigssitz mit Daime zu meditieren \u2013 und dann so etwas&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber nach etwa 35 Minuten war das Singen zu Ende. Padrinho Valdete sagte langsam und jede Silbe einzeln betonend: <strong>\u201cCon-cen-tra-\u00e7\u00e3o-!\u201d<\/strong> und es kehrte Stille ein. Etwa nach weiteren 10 Minuten merkte ich, wie eine wohlige Wachheit meinen K\u00f6rper durchstreifte. Ich war gewohnt, in normaler Meditation einen einzigen Gedanken, auf den ich mich konzentriert und den ich kontempliert hatte, als letzten zu denken und dann loszulassen in die innere Stille hinein. Wenn ich das jetzt tat, dann war sofort eine Antwort da, bevor ich noch richtig die Stille genie\u00dfen konnte. Es war nicht mehr die Dunkelheit und Ruhe des inneren Schweigens in die Endlosigkeit der Stille des Meeres der Bewusstheit hinein, es war eher ein schneller Fluss von Wissen, der mich umfloss.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich hatte ein eigenartiges, v\u00f6llig unbekanntes Ziehen im Kopf, als w\u00fcrde mein Kopf irgendwie in eine schr\u00e4ge Form gedr\u00fcckt werden. Dieses Ziehen erkannte ich als eine sehr schnelle Schwingung, die in den \u201agezogenen\u2019 Teilen meines Kopfes vibrierte. Es war \u00e4u\u00dferst angenehm. Und ich bemerkte, dass mit diesem Ziehen gekoppelt ein seltsames Bild in mein Bewusstsein kam. Es war nicht ein richtiges Bild, sondern eher ein Wissen \u00fcber das <strong>Alte \u00c4gypten<\/strong>: Es war anders, als ich es bisher in den vielen B\u00fcchern \u00fcber \u00c4gypten gelesen hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die gro\u00dfen Pyramiden wurden nicht von Sklaven und von Frondienern erbaut. Sie wurden nicht von ihren Unterdr\u00fcckern dazu gezwungen. Sie taten es freiwillig. Es wurden keine schweren Peitschen gebraucht, um sie anzutreiben. Sie wussten, warum sie es taten, und sie taten es gern. Sie freuten sich, an dem gro\u00dfen Werk ihrer Generation mitzuarbeiten. Ihr Pharao, ihr geistiger K\u00f6nig, der auch ihr weltlicher K\u00f6nig war, hatte sie in einen \u00e4u\u00dferen Orden seiner Mysterienschulen aufgenommen. Dort lernten sie seine geistige Macht kennen. Und dort wurden sie in die anf\u00e4nglichen Mysterien eingeweiht. Und als \u00dcbung bekamen sie die Aufgabe, ihre Arbeiten <strong>makellos<\/strong> zu verrichten. Und dieser <strong>Arbeitsorden<\/strong> hatte die Aufgabe \u00fcbertragen bekommen, die Pyramide der jeweiligen Generation zu errichten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich war v\u00f6llig erstaunt, hier im Urwald etwas \u00fcber \u00c4gypten zu erfahren, was ich noch nicht wusste. Ich \u00f6ffnete kurz die Augen. Tiefes Schweigen um mich her. Ich schloss meine Augen, und der Strom des Wissens sp\u00fclte mir weitere Erkenntnisse zu, so viele nacheinander, wie sonst vielleicht in einem halben Jahr guter Meditation.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Irgendwann merkte ich, dass mir schlecht wurde. Ich ging zur Br\u00fcstung des einen Dreiecks und \u00fcbergab mich still. Auch andere mussten sich \u00fcbergeben, zum Teil sehr lautstark. Das <strong>\u00dcbergeben<\/strong> ist in diesem Zustand nichts Ekliges oder Unangenehmes, sondern eine Art von ekstatischer Befreiung, nach der der K\u00f6rper verlangt. Unn\u00f6tiger Ballast wird entfernt. Der Magen will leer sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Monate sp\u00e4ter merkte ich, dass dieser Krampf der Magenmuskeln nicht nur eine Reinigung des K\u00f6rpers bewirkt &#8211; dieser Krampf mit seiner Ekstase des sich \u00dcbergebens <strong>reinigt psychisch<\/strong>. So kommt im Laufe der Arbeiten ein Problem nach dem anderen an die Reihe und wird aufgearbeitet, neu durchgekaut, rekapituliert. Und wenn es zu gro\u00df ist, um rein geistig nachverdaut zu werden, dann ist es unverdaulich, und dann wird dieses Problem einfach vom K\u00f6rper ausgekotzt. Ich merkte nach einiger Erfahrung damit, wie nach einem solchen Erbrechen manche Probleme anders aussehen als vorher. Danach sind sie dann zumindest f\u00fcr heute gen\u00fcgend bearbeitet, und das N\u00e4chste kommt an die Reihe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch die Lautst\u00e4rke des Kotzens h\u00e4ngt mit der Schwere und Gewalt des Problems zusammen. Das Problem mit seinem ihm innewohnenden \u201aGeist\u2019 hat sich im K\u00f6rper h\u00e4uslich eingerichtet und weigert sich, gest\u00f6rt zu werden. Nur mit der brutalen Kraft der Magenmuskeln, die sich unerbittlich zusammenziehen und die Gewalt daf\u00fcr aufbringen, lassen sich diese ungebetenen G\u00e4ste vor die T\u00fcr setzen. Die Ur-Ger\u00e4usche eines brutalen Erbrechens sind gleichsam die Schreie dieser D\u00e4monen, die das Leben zur Qual machten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als ich auf den n\u00e4chtlichen gepflegten Rasen mit den B\u00fcschen im Licht des Halbmonds schaute, wunderte ich mich: Ich sah eine merkw\u00fcrdige Welt, die ich nicht kannte. Mir war sofort klar, dass ich jetzt die Welt <strong>anders montierte<\/strong> als normal. Ich freute mich und untersuchte das Ph\u00e4nomen: In diesem Halbdunkel baute ich die schwach erkennbaren Formen von Hell und Dunkel zu Wesen zusammen, die ihr statisches Eigenleben zu f\u00fchren schienen. Diese Wesen hatten einen erkennbaren Charakter und Sch\u00f6nheit, in die ich versinken konnte. Aber ich ging wieder zu meiner Bank und meditierte weiter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann stimmte Valdete ein stilles sehr sch\u00f6nes Lied an: \u201eFirmeza, Firmeza no amor&#8230;\u201c.<\/p>\n<p>\u201eFestigkeit, Festigkeit in der Liebe&#8230;\u201c. Von Zeit zu Zeit kam ein weiteres sch\u00f6nes, starkes Lied in die Stille hinein, das jedes Mal die Meditation st\u00e4rkte und anregte. Ich h\u00f6rte das \u201aFirmeza\u2019-Hinario.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Danach gab es eine zweite Dosis Daime f\u00fcr jeden. Und dann eine zweite sch\u00f6ne Meditation. Danach wurden wieder Hinos gesungen. Alle standen auf. Um mich herum sah ich sch\u00f6ne, kraftvolle Menschen, erf\u00fcllt von Lebensfreude, die jubelnd diese eigenartigen Lieder sangen, die ich mehr und mehr als sch\u00f6n empfand.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"9\">\n<li><strong>Meine Vision <\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann kam ein Lied, das mich wie elektrisierte vor Kraft und Sch\u00f6nheit. Sp\u00e4ter erfuhr ich, dass dieses das Hino war, das Valdete vor wenigen Wochen als sein drittes Hino nach langer Zeit empfangen hatte: \u201aEu pe\u00e7o ao meu S\u00e3o Miguel\u2019 \u2013 \u201aIch bitte zu meinem Heiligen Michael\u2019. Ich wurde richtig angesteckt von der jubelnden Freude \u00fcberall um mich her. Ich blickte zu meinen Nachbarn hin und fing an zu h\u00fcpfen vor lauter Energie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dabei fiel mir pl\u00f6tzlich ein: \u201eWas mache ich hier eigentlich im Urwald?\u201c \u2013<\/p>\n<p>\u201eIch bin in einer Konzentration.\u201c \u2013<\/p>\n<p>\u201eWas ist eine Konzentration?\u201c &#8211;<\/p>\n<p>\u201eDas ist das \u201aAusrichten zum Zentrum\u2019 hin.\u201c \u2013<\/p>\n<p>\u201eWo ist das Zentrum?\u201c \u2013<\/p>\n<p>\u201eDas Zentrum ist das Zentrum dieser Kirche, die Zentralachse des Kosmos.\u201c \u2013<\/p>\n<p>\u201eAlso richte ich mich dahin aus.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und ich begann, meinen K\u00f6rper zu diesem Zentrum hin zu drehen, das etwa vier Meter von mir entfernt war. Und als meine Aug\u00e4pfel in der letzten sakkadischen Bewegung gerade bei diesem Holz ankamen, genau in diesem Augenblick blicke ich in das Gesicht eines Menschen. Das Bild des Tempels ist pl\u00f6tzlich ausgel\u00f6scht. Stattdessen blicke ich in ein Gesicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich erstarre vor Schreck. Ich merke, wie mein Unterkiefer herabf\u00e4llt.<\/p>\n<p>\u201eWas ist das?\u201c \u2013<\/p>\n<p>Es ist ein m\u00e4nnliches Gesicht, das mich voll anblickt. Es ist sch\u00f6n und unsagbar kraftvoll. Es strahlt Macht aus. Von ihm geht ein Strom aus, der mich erf\u00fcllt. Es ist dreidimensional, v\u00f6llig wirklich und dort, wo das Holz war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich versuche, irgendetwas zu tun. Ich m\u00f6chte mich sammeln. Ich m\u00f6chte mich w\u00fcrdig und angemessen verhalten. Aber ich bin v\u00f6llig erstarrt. Ich wei\u00df nicht, was ich tun soll. Darauf bin ich nicht vorbereitet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber ich merke, wie in mir langsam ein Gedanke reift. Er ist unglaublich. Aber Nichts f\u00fchrt an ihm vorbei. Und in dem Moment, als der Gedanke dann hochsteigt, genau in diesem Augenblick blicke ich schlagartig auf das Holz des Zentralbalkens der Kirche.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich starrte weiter auf dieses Holz und konnte es nicht fassen. Der Gedanke denkt sich von allein: \u201eDas ist Gott!\u201c &#8211;<\/p>\n<p>\u201eDas ist unbezweifelbar Gott. Das ist so wirklich, wie ich noch niemals in meinem Leben etwas tats\u00e4chlich erlebt habe.\u201c &#8211;<\/p>\n<p>\u201eEr sah aber ganz anders aus als die Bilder, die ich von Jesus kenne.\u201c &#8211;<\/p>\n<p>\u201eDas ist Sein Geistiger K\u00f6rper, der ganz aus Absicht gemacht ist.\u201c \u2013<\/p>\n<p>\u201eDas ist das Bild von Ihm, mit dem Er Sich mir zeigen wollte.\u201c \u2013<\/p>\n<p>\u201eEr ist eine Sonne der Liebe.\u201c \u2013<\/p>\n<p>\u201eVon Ihm strahlt tats\u00e4chlich die Liebe aus, so wie von der Sonne das Licht und die W\u00e4rme, die unsere Erde leben l\u00e4sst.\u201c \u2013<\/p>\n<p>\u201eEr hat sich mir gezeigt.\u201c \u2013<\/p>\n<p>\u201eWieso? \u2013 Was will Er damit?\u201c \u2013<\/p>\n<p>\u201eAch, deshalb singen sie alle so viel \u00fcber Jesus und Maria.\u201c \u2013<\/p>\n<p>\u201eEr ist also tats\u00e4chlich hier im Tempel anwesend.\u201c \u2013<\/p>\n<p>\u201eUnd Er ist der Meister, der jeden Einzelnen pers\u00f6nlich unterrichtet.\u201c \u2013<\/p>\n<p>\u201eUnd Er kam ohne irgend ein Ger\u00e4usch.\u201c \u2013<\/p>\n<p>\u201eJa, tats\u00e4chlich, ich habe \u00fcberhaupt kein Ger\u00e4usch dabei geh\u00f6rt.\u201c \u2013<\/p>\n<p>\u201eIch komme im S\u00e4useln des Windes.\u201c \u2013<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So stand ich erstarrt, und die Gedanken schossen wie Blitze durch meinen Kopf. Das alles mochte vielleicht zehn Sekunden gedauert haben. Um mich herum h\u00f6rte ich wieder meine Nachbarn singen. Ich schaute sie unauff\u00e4llig an: Niemand hatte irgendetwas gemerkt. Alle sangen sie jubelnd und in sich versunken dieses Hino weiter.<\/p>\n<p>Kurz danach war das Ritual zu Ende. Die Gebete vom Anfang wurden wiederholt. Eine Nachbarin, die einige H\u00e4user weiter in meiner Richtung wohnte, Maria Eug\u00e8nia, bot mir an, mit mir zusammen durch das n\u00e4chtlich ruhige Dorf ohne Stra\u00dfenlampen zu gehen. So ging ich im Licht des Halbmonds zwei Schritte hinter ihr die Lehmpfade des Dorfes entlang. Und ich freute mich, wie sch\u00f6n es ist, auf den Spuren einer Kriegerin zu gehen mit ihrem kraftvoll, flie\u00dfend leichten Schritt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Danach legte ich mich noch ein wenig unter den freien Himmel auf die Erde. In meinem Kopf drehte sich Alles nur um Ein Ereignis: Die Achse des Kosmos hat sich mir offenbart. Und dieses ist bis heute das entscheidende Ereignis meines Lebens geblieben, aus dem ich Kraft und Vertrauen sch\u00f6pfen kann, aus dem mir Inspiration erw\u00e4chst und Freude und wodurch sich f\u00fcr mich so vieles Unklare kl\u00e4ren konnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Danach ging ich \u201aschlafen\u2019. Ich lag noch lange wach, ich ruhte ohne eine Bewegung mit ganz flachem Atem und genoss die Stille, die Stille des Urwalds um mich her und die kristallene, t\u00f6nende Stille in mir drin.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"10\">\n<li><strong>Die Tage danach <\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p><strong> \u00a0 <\/strong><\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag wollte ich dieses Ereignis genauer analysieren.<\/p>\n<p>Wo gab es in der Literatur Vergleichbares?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mir fiel sofort Castaneda ein. Er beschreibt, wie er von Don Juan der Form des Menschen gegen\u00fcbergestellt wird. Er wirft sich ihr zu F\u00fc\u00dfen und verehrt sie als Gott, w\u00e4hrend Don Juan ihm vergeblich klar zu machen versucht, dass das nur die Form des Menschen sei.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich hatte gl\u00fccklicherweise den 6. und 7. Band von Castaneda mit auf meine Reise genommen. So schaute ich nach und fand die Stelle im 7. Band, im \u201aFeuer von Innen\u2019, Kapitel 16. \u201aDie Form des Menschen\u2019.( ISBN 3-10-010206-1)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als ich das las, merkte ich, dass dies eine Beschreibung f\u00fcr ein anderes Ph\u00e4nomen ist. Ich wusste nur nicht, weshalb. Ich brauchte etwa ein halbes Jahr, bis es mir pl\u00f6tzlich, ohne dass ich weiter daran gedacht hatte, einfiel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Satz \u201aEr hat keine Macht.\u2019 stimmte hier nicht. (S. 254: \u201a&#8230;, und ohne alle Macht.\u2019 und S. 255: \u201a&#8230;,das so gar keine Macht habe, irgendetwas zu bewirken.\u2019) Dieses \u201aWesen\u2019 hat Macht. Er kennt mein Bewusstsein besser als ich und Er wei\u00df auf den Augenblick genau, wann ich mich auf Ihn konzentrieren w\u00fcrde, und Er wei\u00df, wie Er mir zu erscheinen hat, um mich optimal zu beeindrucken. Und Er wei\u00df auf den Augenblick genau, wann ich Ihn genug erkannt habe, so dass Er mich dann wieder f\u00fcr mich sein lassen konnte. Er konnte von Sich aus mir erscheinen, und Er war in diesem Ritual derjenige, der im Zentrum dieser Kirche nach Fug und Recht sein konnte, und niemand sonst. Er ist die Zentralachse des Kosmos. In einem Ritual f\u00fcr Christus als Meister \u2013 wer h\u00e4tte die Erlaubnis, sich so etwas zu leisten? &#8211; Nur Er Selbst! &#8211; Seine Macht hat Er mir danach immer wieder gezeigt. Alle Menschen um mich herum kannten diese Macht. Weshalb waren sie sonst hier?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er ist tats\u00e4chlich der <strong>Sonnengott<\/strong> \u201aSol invictus\u2019: Er ist die Sonne der Liebe. Mir wurde es erst danach klar, was mich an Ihm so bewegt hatte. Nat\u00fcrlich auch Seine Pr\u00e4zision, Seine Vollkommenheit. Aber es war haupts\u00e4chlich noch etwas anderes. Er ist eine Sonne der Liebe: Liebe strahlt von Ihm aus und durchstrahlt mich und l\u00e4sst mich Ihn lieben mehr und mehr, je mehr ich mich entwickele. Seine Liebe, die Er aus Sich heraus ausstrahlt, ist bedingungslos. Sie ist so, wie die Sonne ihr Licht ausstrahlt: \u00dcberall hin, auf Alle strahlt sie. Jeder wird von Ihm geliebt. Wir alle als Seine Kinder werden von Ihm bedingungslos geliebt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese zehn Sekunden von Angesicht zu Angesicht in Seiner Liebe zu stehen ist das gr\u00f6\u00dfte Erlebnis meines Lebens. Es ist wirklicher als irgendetwas anderes, das ich bisher erlebt habe. Dies ist eine Wirklichkeit jenseits irgendwelcher Illusion. Hieran messe ich alles andere. Dies ist der Bezugspunkt in meinem Leben. Das ist mein Fundament, auf dem ich seitdem mein Weltbild neu aufbaue.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jedes neue Erlebnis mit Ihm zeigt mir andere Facetten von Ihm. Sein Wesen w\u00e4chst allm\u00e4hlich in meinem Bewusstsein. &#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Warum hat Er Sich mir gezeigt? &#8211; Ich denke immer wieder dar\u00fcber nach. Ein wichtiger Grund ist: Ich bin ein Naturwissenschaftler. Ich habe als eine Grundthese meines Lebens: Der echte, unersch\u00fctterliche Glaube ist eine Wirkung des Wissens. Wenn ich etwas wei\u00df, dann kann ich auch daran glauben. Dann kann ich also so handeln, wie ich wei\u00df, dass es nach meinem Wissen richtig ist. Der <strong>Glaube<\/strong> ist diejenige Kraft, die das Wissen in das Handeln transformiert. Ich bin also ein \u201aUngl\u00e4ubiger Thomas\u2019: Ich glaube nur, wenn ich auch wei\u00df \u2013 sonst nicht. Sonst nenne ich den \u201aGlauben\u2019 Hypothese und untersuche ihn weiter, bis er f\u00fcr mich unzweifelhaft als bewiesen gelten kann. Danach ist dann das Zweifeln etwas, das nicht mehr zweckm\u00e4\u00dfig ist, sondern nur noch die Effektivit\u00e4t mindert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nachmittags ging ich zu Rita, denn wir hatten uns gestern verabredet, um \u00fcber mein erstes Ritual in Mapi\u00e1 zu reden. Wir hatten uns gerade begr\u00fc\u00dft und auf der Veranda Platz genommen und noch kein weiteres Wort gewechselt, da schaute sie mich pl\u00f6tzlich ganz genau an, mitten in mein linkes Auge und fragte: \u201eHast Du Jesus gesehen?\u201c \u2013<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf diese Frage war ich nicht vorbereitet. \u2013<\/p>\n<p>Wie konnte sie das wissen? \u2013<\/p>\n<p>Ach, ist das etwa die normale Initiation f\u00fcr jeden, der hier das Ritual besucht? \u2013<\/p>\n<p>Hat sie so Etwas auch erlebt? \u2013<\/p>\n<p>Was mache ich jetzt? \u2013<\/p>\n<p>Sage ich ihr die Wahrheit? \u2013<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich hatte gelernt und es zutiefst verinnerlicht: \u201ePsychische Erlebnisse sind streng pers\u00f6nlich. Man redet nicht \u00fcber sie. Und falls doch, dann erst nach langen Jahren der Durcharbeitung. Denn sonst entl\u00e4dt sich die psychische Ladung, die diese Erlebnisse erst so bedeutend f\u00fcr die eigene Entwicklung machen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber dieses war eine direkte Frage. Die musste ich beantworten. Und jetzt zu l\u00fcgen, das w\u00e4re wirklich nicht angemessen gewesen.<\/p>\n<p>Also sagte ich nach diesen zehn Sekunden z\u00f6gerlich und sch\u00fcchtern: \u201eJa\u201c und schaute sie dabei aufmerksam an. \u2013<\/p>\n<p>Sie nahm es als eine sachliche Information zu Kenntnis.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In diesem Moment, einige Sekunden danach, kam Padrinho Valdete zuf\u00e4lligerweise an der Veranda vorbei und statt einer Begr\u00fc\u00dfung rief ihm Rita schon aus einigen Metern Entfernung die Neuigkeit zu: \u201ePadrinho Valdete, Bernardo hat Jesus gesehen. Ich denke, das ist ein gutes Omen. Meinen Sie nicht auch?\u201c \u2013<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Valdete schaute ihr lange und ohne ein Wort zu sagen, in die Augen. \u2013 Was mochte er jetzt denken? Das h\u00e4tte ich zu gern gewusst. \u2013 Was bedeutete das alles f\u00fcr mich? \u2013 Aber es war alles so neu f\u00fcr mich. Ich traute mich nicht zu fragen&#8230;<\/p>\n<p>Zumindest diese zwei Menschen mussten wohl wissen, was ich so in etwa erlebt haben mochte.<\/p>\n<p>Nach einer kurzen Unterhaltung \u00fcber andere Dinge ging er weiter, ohne mich weiter angeschaut zu haben. Es war eine Begegnung zwischen den Beiden gewesen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und ich dachte verwirrt, merkw\u00fcrdig, jetzt habe ich mein intimstes Erlebnis einmal erz\u00e4hlt und 10 Sekunden sp\u00e4ter wissen es schon zwei andere. Und ich nahm das als Omen. Danach kamen andere. Die f\u00fchrten dazu, dass ich diese Erlebnisse jetzt, \u00fcber sieben Jahre danach, f\u00fcr Dich niederschreibe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die folgenden Tage las ich weiterhin viel die Textb\u00fccher der Hinarios. Und mit dieser Pr\u00e4misse, dass Christus tat-s\u00e4chlich der Meister des Rituals ist, wurden sie mir viel besser verst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"11\">\n<li><strong>Padrinho Sebasti\u00e3o <\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine Woche sp\u00e4ter war das n\u00e4chste Mal, dass ich Santo Daime bekommen konnte. Es war ein Ritual mit Namen \u201aHinario\u2019. Es wurde ein gesamtes Hinario, nacheinander empfangen von einem einzigen Menschen gesungen und dazu wurde getanzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich war vor Beginn des Rituals zu Rita gegangen, und sie zeigte mir die Tanzschritte und gab mir alle m\u00f6glichen Informationen \u00fcber das, was heute geschehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann gingen wir zur Kirche auf den H\u00fcgel. Auf dem Weg dorthin blieb sie kurz stehen und sagte: \u201eIch wei\u00df \u00fcbrigens nicht, warum Mestre Irineu und Padrinho Sebasti\u00e3o <strong>gestorben<\/strong> sind.\u201c Dann ging sie weiter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich schaute sie verbl\u00fcfft an und \u00fcberlegte, was sie damit gemeint haben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Wir hatten bei unseren Begegnungen viel \u00fcber Carlos Castaneda und viele der Themen aus seinen B\u00fcchern gesprochen und nat\u00fcrlich auch \u00fcber den siebten Band \u201aDas Feuer von innen\u2019. Meinte sie vielleicht, dass es Mestre Irineu und Padrinho Sebasti\u00e3o m\u00f6glich gewesen sein k\u00f6nnte, durch das Feuer von innen zu gehen, anstatt den Tod zu w\u00e4hlen? \u2013 Das musste sie meinen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als ich soweit gedacht hatte, antwortete ich ihr: \u201eDaran habe ich \u00fcberhaupt noch nicht gedacht.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schweigend gingen wir weiter den H\u00fcgel hinauf, und ich nahm den f\u00fcr mich neuen Gedanken mit in meine \u00dcberlegungen hinein: Hier gab es eventuell Menschen, die die freie Wahl \u00fcber ihre Todesart hatten, und die dann den \u201anormalen\u2019 <strong>Tod w\u00e4hlten<\/strong>&#8230;, was k\u00f6nnte der Grund sein? \u2013 Diese Frage hat mich viele Jahre lang in meinen Forschungen vorangetrieben \u2013 bis heute.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im ersten Teil des Hinarios tanzte ich mit den anderen normal mit. Doch pl\u00f6tzlich merkte ich, dass f\u00fcr mich wieder eine andere Wirklichkeit beginnen w\u00fcrde. Ich stand an meinem Platz und konnte nicht mehr tanzen. Ich schloss die Augen und sah ein eigenartig bl\u00e4uliches Leuchten um mich. Ich f\u00fchlte, wie ein Wesen links von mir an mich herantrat. Weil ich in den letzten Tagen viel \u00fcber den Erzengel Michael mit anderen Menschen in Mapi\u00e1 geredet hatte, schoss mir der Gedanke durch den Kopf: \u201eDas k\u00f6nnte <strong>Michael<\/strong> sein.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und ich fragte in die Stille in meinem Kopf hinein: \u201eBist Du Michael?\u201c<\/p>\n<p>Und im Innern meines Kopfes h\u00f6rte ich ein tonloses: \u201eJa.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Daraufhin lie\u00df ich alle Beunruhigung weg und wurde ganz passiv: Michael fasste einen Teil meines Kokons weit oberhalb meines Kopfes an und \u201aklappte ihn nach hinten\u2019, wie um eine \u00d6ffnung im Oberteil meiner Aura zu machen. Dann merkte ich, wie sich durch diese \u00d6ffnung langsam ein intensives Leuchten von vielleicht einem Zentimeter im Durchmesser in mich hineinsenkte und dann ganz langsam im Laufe von mehreren Minuten durch meinen Kopf und tiefer bis in mein Herz herunter ging und dann in meinem Herzen Platz nahm. Michael klappte die \u00d6ffnung wieder zu, und diese Vision war damit vorbei. Die anderen um mich herum tanzten, und ich begann wieder, mit ihnen mitzutanzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich wusste, ich hatte eine Initiation erfahren: Gott, den ich das letzte Mal als au\u00dferhalb von mir wahrgenommen hatte, hatte mir bildlich gezeigt, dass Er auch in meinem Innern, und zwar in meinem Herzen, im Zentrum meines Herzens wohnte und dort Platz genommen hatte. Und ich hatte eben erfahren, wie es sich anf\u00fchlt, Ihn wissentlich in mir zu haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich hatte fr\u00fcher schon die Tatsache zur Kenntnis genommen, dass es im Herzen einen genau definierten Punkt gab, der als das eigentliche Zentrum angesehen wird. Und genau an diese Stelle war das Leuchten gewandert und dann dort geblieben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich tanzte weiter.<\/p>\n<p>Zur H\u00e4lfte des Rituals wurde ich schlapp, und es ging mir zunehmend schlechter. Ich musste mich \u00fcbergeben. Ich war am G\u00e4hnen und konnte \u00fcberhaupt nicht wieder mit dem G\u00e4hnen aufh\u00f6ren. Ich hatte mich auf eine Bank am Rande gesetzt und g\u00e4hnte vor mich hin. Mein K\u00f6rper hing schlaff nach vorn. Ich konnte nicht mehr sitzen, Alles tat mir weh. Nach etwa 15 Minuten G\u00e4hnen hatte ich einen Krampf in dem Muskel, der unter der Zunge innen im Kinn die Kieferlade herunterklappt. Ich musste das Kinn im Kiefergelenk nach vorn schieben und meinen Kopf im Nacken nach oben strecken, um den Krampf unter Kontrolle zu bekommen. Das G\u00e4hnen ging aber davon unbeeinflusst weiter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dazu kamen Gedanken, die ich als fremd von mir empfand:<\/p>\n<p>\u201eWarum bin ich eigentlich hier? Ich bin hier mitten im Urwald, ich nehme ein Getr\u00e4nk ein, und mir geht es schlecht. Was soll das alles? Das Beste ist, ich fahre schnell wieder weg und mache den Urlaub, den ich mir vorgenommen habe. Jetzt ist noch Zeit. Ich wollte sowieso nur eine Woche bleiben. Die ist jetzt rum.\u201c &#8211; Der \u201aFlyer\u2019s mind\u2019 redete Klartext mit mir. Dieser englische Begriff, den ich erst ein Jahr sp\u00e4ter kennen lernte, stammt aus der Linie von Carlos Castaneda. Er besagt, dass \u201amein\u2019 Verstand \u201aeine fremde Installation\u2019 ist und nicht \u201amein\u2019 ist, sondern so tut, als w\u00e4re er \u201aich\u2019, denn er redet zu mir in der \u201aIch\u2019-Form.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es spielte \u00fcberhaupt keine Rolle, dass ich eben die Initiation erlebt hatte, Gott in mir zu erkennen, alles Vorhergehende war wie eine schwache Erinnerung, die mich nicht im Geringsten aufrichten konnte.<\/p>\n<p>Ich f\u00fchlte mich fremd hier. Die Musik war mir zu viel, ich war todm\u00fcde und wollte eigentlich nur in Ruhe irgendwo liegen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus, ich stand auf und ging aus der Kirche hinaus. Im Gang vor der T\u00fcr sagte mir ein Fiscal, der daf\u00fcr sorgt, dass es allen Teilnehmern gut geht und dass die Struktur des Rituals eingehalten wird, ich k\u00f6nne jetzt nicht weggehen, denn das Ritual sei noch nicht zu Ende, ich k\u00f6nne mich aber auf diesem H\u00fcgel im Kirchenbezirk aufhalten oder ich k\u00f6nne in das <strong>Mausoleum<\/strong> von Padrinho Sebasti\u00e3o gehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Oh! Die Grabst\u00e4tte von Padrinho Sebasti\u00e3o hatte ich bisher nur abgeschlossen erlebt. Sie war jetzt offen? \u2013 Wie sch\u00f6n!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Meine schlechte Laune war von einer Sekunde zur anderen verflogen. Ein Wunsch von mir ging in Erf\u00fcllung. Vor dem Eingang der Kirche war der Eingang des Mausoleums so, dass von dort ein direkter Blick in die Kirche m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich stand im Eingang und sah einen sch\u00f6nen Raum mit wunderbar eingelegtem Holzfu\u00dfboden und mit dem Sargbeh\u00e4lter in der Mitte, mit einer Skulptur eines liegenden Lammes davor und Girlanden an der Decke, von den Kindern des Dorfes ausgeschnitten, und einem Bild von Jesus, einem Foto von Mestre Irineu und einem von Padrinho Sebasti\u00e3o.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich begr\u00fc\u00dfte ihn rituell, setzte mich auf einen Sitzplatz und ging in Konzentration und lie\u00df alle meine Erlebnisse, die mich hierher gef\u00fchrt hatten, noch einmal vor mir ablaufen, wie um ihm das alles zu schildern. Ich bedankte mich bei ihm f\u00fcr die M\u00f6glichkeit, die er auch mir geschaffen hatte, indem er C\u00e9u do Mapi\u00e1 erbaut hatte und diese herrliche, makellose Kirche gegr\u00fcndet hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Konzentration, in der ich mich befand, st\u00e4rkte mich, und als ich die jubelnden Melodien h\u00f6rte, die ich von dem vorigen Ritual schon kannte, die \u201aUltimos Hinos\u2019, die \u201aletzten Hinos\u2019, stand ich auf, verabschiedete mich rituell und ging wieder in die Kirche und tanzte gest\u00e4rkt beim Abschluss des Rituals wieder mit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach Abschluss des Rituals ging ich wieder in das Mausoleum, um die Ruhe dort weiter zu genie\u00dfen und um noch Zwiesprache mit Padrinho Sebasti\u00e3o zu pflegen, die mir eben so gut getan hatte. Einige Kinder kamen herein und setzten sich an die andere Seite des Sarkophags und redeten leise miteinander und gingen dann wieder hinaus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich h\u00f6rte von fern, wie sich die Kirche leerte. Dann blieben noch die Stimmen eines Mannes und einer Frau, die sich ruhig vor der T\u00fcr unterhielten. Schlie\u00dflich hatte ich mich lange genug in der Ruhe gest\u00e4rkt, um wieder hinaustreten zu k\u00f6nnen. Die zwei Menschen hatten auf mich gewartet, weil sie die T\u00fcr des Mausoleums abzuschlie\u00dfen hatten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir waren zu dritt in einer windstillen Nacht in den Tropen. Kein W\u00f6lkchen war am Himmel. Da fuhr eine leichte <strong>Windb\u00f6<\/strong> um uns herum, und ich sah, wie das Palmendach der Kirche sich bewegte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich stand direkt vor dem Eingang der Kirche, einem der sechs \u00e4u\u00dferen kleineren Dreiecke. Links und rechts vom Eingang sah ich je ein weiteres Dreieck. Die hexagrammf\u00f6rmige Kirche war an ihren Seitendreiecken mit Palmenbl\u00e4ttern bedeckt, und die Fransen der riesigen Bl\u00e4tterb\u00fcschel hingen \u00fcber den Rand der Dreiecke herab, und so sahen diese zwei seitlichen Dreiecke aus wie die Fl\u00fcgel eines riesigen Vogels.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und von dem Standpunkt aus, den ich in diesem Augenblick einnahm, sah ich direkt in den Eingang der Kirche, in den Schnabel des Vogels hinein: Denn diese offene Dreiecksspitze sah wie der scharfe ge\u00f6ffnete <strong>Schnabel des Adler<\/strong>s aus. Und ich musste an das Bild aus Castaneda denken, in dem der Adler beim Sterben der Menschen mit seinem Schnabel die Bewusstheit aus ihnen herausquetscht, um sie zu verspeisen, denn die Bewusstheit ist die Speise des Adlers.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und in diesem Moment fiel mir schlagartig ein <strong>Traum<\/strong> ein. Ich hatte ihn vor vielen Monaten gehabt. Ich hatte ihn leider nicht aufgeschrieben, so dass ich nicht mehr das genaue Datum rekonstruieren konnte. Und ich hatte ihn am selben Tag, an dem ich ihn getr\u00e4umt hatte, wieder vergessen. Aber ich hatte den Traum in Europa gehabt, wahrscheinlich um die Zeit des Telefonanrufs herum, der mich letztlich hierher gebracht hatte. Und das war vor f\u00fcnf Monaten gewesen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In dem Traum war dieser unermesslich gro\u00dfe Adler auf mich zu gekommen, und ich wusste, jetzt w\u00fcrde er meine Bewusstheit verspeisen. Und in meinem Traum \u00f6ffnete der Adler seinen Schnabel, und ich ging in diesen weit ge\u00f6ffneten Schnabel des Adlers hinein, und ich kam in sein K\u00f6rperinneres. Und sein Magen war ein riesiger Saal. Und dort sah ich viele fr\u00f6hliche Menschen, die zusammen feierten, und ich gesellte mich zu ihnen und feierte mit ihnen. Dann wachte ich richtig fr\u00f6hlich auf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Heute merkte ich, dass dieser Traum mir mein Erlebnis hier in Mapi\u00e1 vorweg gezeigt hatte.<\/p>\n<p>Wie war das m\u00f6glich?<\/p>\n<p>Wie konnte Padrinho Sebasti\u00e3o mir diesen Traum schicken, wo er mich doch \u00fcberhaupt nicht kannte?<\/p>\n<p>Und wie konnte er daf\u00fcr sorgen, dass ich hier durch diesen Windstoss und durch diesen besonderen Blickpunkt nach meiner Begegnung mit ihm so an meinen Traum erinnert wurde?<\/p>\n<p>Hatte Padrinho Sebasti\u00e3o mich vielleicht sogar hierher geholt mit seiner Absicht?<\/p>\n<p>Und warum mich?<\/p>\n<p>Mein Herz pochte, ich musste schlucken, und ein Schauder rann \u00fcber meinen R\u00fccken. Erst einige Jahre sp\u00e4ter merkte ich, dass die Ursachenkette wohl noch weiter f\u00fchrte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich dachte daran, dass Padrinho Sebasti\u00e3o den Tod gew\u00e4hlt hatte. Ich dachte an die sch\u00f6ne Art, in der er so bei uns ist, in der er sich also immer noch so direkt mit uns in Verbindung setzen konnte. Ich dachte an meine Zwiesprache mit ihm. Und ich konnte nicht mehr leugnen: Er war bei mir. Und das w\u00e4re so wohl nicht m\u00f6glich gewesen, wenn er das Feuer von innen gew\u00e4hlt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich habe im Lauf der Jahre so viele intensive Lehren von Padrinho Sebasti\u00e3o erhalten, hatte so viele Male Kontakt mit ihm, dass ich best\u00e4tigen kann, dass er lebt und dass er sich um die Menschen, die in seiner Linie sind, intensiv k\u00fcmmert, ohne dass er dazu einen materiellen K\u00f6rper ben\u00f6tigen w\u00fcrde. Seine Lehren sind oftmals richtig streng. Er mag nicht, wenn ich mich gehen lasse, und er weist mich durch Omen so nachdr\u00fccklich darauf hin, dass ich h\u00e4ufig err\u00f6ten muss und mich sch\u00e4me, wenn ich wieder so eine Lehre bekommen habe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich wei\u00df aus vielen Hinos, dass ich nicht der einzige bin, der seine Pr\u00e4senz wahrnimmt, z.B.:<\/p>\n<p>O cuidado do Padrinho \u00c9 um aviso de irm\u00e3o Um, um, um, um, um<\/p>\n<p>Se acordem, meus irm\u00e3os [NE5]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In den Hinos wird auch h\u00e4ufig darauf hingewiesen, dass er derjenige ist, der ein halbes Jahr vor Jesus geboren wurde, der den Namen Johannes der T\u00e4ufer trug und der Jesus im Jordan getauft hatte. Johannes war der direkte Vorg\u00e4nger von Ihm. Johannes der T\u00e4ufer war die letzte Inkarnation vor dieser mit dem Namen Padrinho Sebasti\u00e3o. Diese war die letzte Inkarnation dieses Wesens, das jetzt frei ist, frei von weiteren notwendigen Inkarnationen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Jahr 2003 erlebte ich in der Mitte eines Hinarios, das wir sitzend sangen, wie pl\u00f6tzlich diese Energie, die ich als Padrinho Sebast\u00e3o erkannte, mich umh\u00fcllte, und dann erlebte ich eine solch starke mich umstr\u00f6mende Energie, dass ich sie fast nicht ertragen konnte. Ich entschwand aus Raum und Zeit mit meinem Bewusstsein und war eingebettet in den feurigen, wirbelnden Energiestrom, der mich wusch und reinigte und kr\u00e4ftigte. Als ich daraus wieder hervorkam, war ich v\u00f6llig au\u00dfer Atem, und mein K\u00f6rper f\u00fchlte sich phantastisch gut an: <strong>\u201eIch taufe mit Feuer.\u201c<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist Padrinho Sebasti\u00e3o Johannes der T\u00e4ufer, und er ist einer der Lebenden, ein kosmischer Meister.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"12\">\n<li><strong>C. R. F. <\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich hatte zum ersten Mal Zeit gehabt, eine weibliche Farda, die Ritualkleidung der Frauen, die weibliche \u201aUniform\u2019 mit Aufmerksamkeit aus der N\u00e4he anzusehen. Ich hatte meine Aufmerksamkeit bisher immer auf \u201aWichtigeres\u2019 gerichtet, auf die Gesichter, die Symbole, meine eigenen Visionen, die Tanzschritte, die Hinos und ihre Texte, die Klangfarben der Hinos, all das Unbekannte, das mich \u00fcberall hier umgab, die ganze unbekannte, neue Kultur.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als ich mir die Farda n\u00e4her anguckte, stockte mir fast der Atem: Ich sah auf der linken Seite der Bluse in blauer Farbe auf wei\u00df die zwei verschlungenen Dreiecke, und in ihnen den Adler, der sich aus der liegenden Mondsichel erhebt.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber prangten die drei Buchstaben mit jeweils einem Punkt dahinter:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eC. R. F.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Einem anderen mochten diese drei Buchstaben wenig sagen, aber ich war im Orden vom Rosenkreuz, A.M.O.R.C. erzogen worden, und umgekehrt geschrieben sind sie die Abk\u00fcrzung von \u201aFrater Rosae Crucis, F. R. C.\u2019. Rosenkreuzer haben \u00fcberdies noch aus den qabalistischen Techniken die Art \u00fcbernommen, manche Dinge verschl\u00fcsselt auszudr\u00fccken. So geh\u00f6rt die umgekehrte Schreibweise von hinten nach vorn zu den Techniken, die ein Sch\u00fcler einfach k\u00f6nnen muss, wenn er Symbole in alten Schriften entschl\u00fcsseln will.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich fragte, was die drei Buchstaben zu bedeuten h\u00e4tten, und mir wurde gesagt:<\/p>\n<p>\u2019Centro de Recrea\u00e7\u00e3o e de F\u00e9\u2019, \u201aDas Zentrum der Wiedererschaffung und des Glaubens\u2019. \u201aRecrea\u00e7\u00e3o\u2019 hei\u00dft auch \u201aErholung\u2019: Hierbei ist das \u201ahol\u2019 der Stamm zwischen den zwei Vor- und Nachsilben von Er-hol-ung. Das deutsche \u201aHol\u2019 entspricht dem englischen \u201awhole\u2019, \u201aganz\u2019 und \u201aholy\u2019, heilig und dem griechischen \u201aholos\u2019, \u201aganz\u2019. \u201aErholung\u2019 hei\u00dft also auf deutsch \u201aGanzwerdung\u2019.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich fragte, wie dieser Name entstand, und ich erfuhr die Geschichte, dass Mestre Irineu in den Anf\u00e4ngen seiner \u00f6ffentlichen Arbeiten nach 1928 seiner Gemeinschaft diesen Namen gegeben hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich fragte gezielt weiter nach: <strong>\u201eWar Mestre Irineu Rosenkreuzer?\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Erstaunt schaute mich meine Informantin an: \u201eJa, am Anfang seiner \u00f6ffentlichen Arbeiten war er mit einer rosenkreuzerischen Gruppe zusammen. Das ist heute praktisch unbekannt.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Viele Wochen sp\u00e4ter war ich in Rio Branco und fuhr dort auch mit dem Bus bis zur Endstation zu seiner urspr\u00fcnglichen Kirche \u201aAlto Santo\u2019, \u201aDas hohe Heiligtum\u2019, und besuchte sein Grab, das in der N\u00e4he davon errichtet ist:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der Natur gelegen auf einer kleinen Anh\u00f6he, umgeben von einer kniehohen Mauer mit einer Eisenpforte ist sein Sarkophag und auch eine Steinfigur von ihm, in der er dargestellt ist mit einer wei\u00dfen Farda und einer <strong>wei\u00dfen Rose<\/strong> an der Brust. Auch hier also der schlichte Hinweis darauf, dass Mestre Irineu Rosenkreuzer ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als ich mich in die Grabst\u00e4tte begab, zog ich meine Sandalen aus und stellte sie an die Eisenpforte. Dann versenkte ich mich in Meditation und verweilte in der Stille und bedankte mich bei ihm f\u00fcr seine gro\u00dfe und gelungene Tat, diese Linie zu \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Ich wurde nur kurz bel\u00e4stigt von einer Gruppe Schuljungen, die au\u00dfen an der Grabst\u00e4tte L\u00e4rm machten und mich st\u00f6ren wollten. Ich verharrte aber in meinem Schweigen, und nach einer Weile zogen sie weiter.<\/p>\n<p>Als ich nach etwa eineinhalb Stunden weiterziehen wollte, merkte ich, dass meine Sandalen nicht mehr da waren: Die Kinder hatten sie mitgenommen, hatten sie einfach so einem Besucher einer Grabst\u00e4tte geklaut. So musste ich barfu\u00df, vorsichtig um die Steinchen auf dem Weg herum jonglierend zur Bushaltestelle zur\u00fcckgehen. Besonders \u00e4rgerlich war, dass ich mir diese wunderbaren Sandalen heute erst frisch gekauft hatte. In Rio Branco zur\u00fcckgekehrt, ging ich erst zum Hotel, um zu Schuhen zu kommen, und dann kaufte ich mir diese Sandalen ein zweites Mal, obwohl sie sehr teuer waren, denn sie waren wirklich sehr gut, sie waren die besten Sandalen, die ich jemals getragen hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich brauchte Wochen, bis mir eindeutig klar wurde, dass dieses Ereignis eine Lehre von Mestre Irineu war. Vorher hatte ich immer noch mit dem Zufall gespielt und mit: \u201aDas kann im Prinzip jedem passieren\u2019 und \u201aSo kleine Jungen und schon halbe Verbrecher! Sie haben keinen Respekt vor nichts. Und niemand ist vor ihnen sicher.\u2019<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die <strong>Lehre<\/strong>, die mir Mestre Irineu so vermittelte, ist:<\/p>\n<p>\u201eJeder hat auf seine Sachen selbst aufzupassen, egal, was er sonst noch tut.\u201c \u2013<\/p>\n<p>\u201eDanke!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"13\">\n<li><strong>Meine erste Cura <\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Einige Tage nach dem letzten Hinario wurde ich eingeladen, an einer weiteren Arbeit teilzunehmen, die in einem anderen, kleineren Geb\u00e4ude stattfinden sollte, im <strong>Casa da Estrela<\/strong>, dem Sternhaus, einem sechseckigen Holzgeb\u00e4ude im Dorf, das auf Pf\u00e4hlen errichtet war mit einem Holzfu\u00dfboden auf dem in der Regenzeit feuchteren Untergrund.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Ritual, das dritte, das ich erlebte, hatte den Namen <strong>\u201aCura\u2019, Heilarbeit<\/strong>.<\/p>\n<p>Es hatten etwa 50 Personen Platz um den Tisch, auf dem ein wundersch\u00f6nes Kreuz war. Die Form dieses Kreuzes war anders als das in der Hauptkirche. Das Kreuzsymbol ist offenbar nicht pr\u00e4zise festgelegt, eigene Interpretationen der inspirierten K\u00fcnstler k\u00f6nnen sich ausdr\u00fccken, wenn die Form eines senkrechten und zweier waagerechter Balken, der untere l\u00e4nger als der obere, gewahrt bleibt. Das Kreuz steht h\u00e4ufig auf den zwei verschlungenen Dreiecken in der H\u00f6hlung der Mondsichel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>M\u00e4nner und Frauen sa\u00dfen wieder \u2013 wie immer in allen Ritualen \u2013 auf getrennten Seiten. Ich hatte einen Platz auf einer der hinteren B\u00e4nke bekommen. Der Comandante war wie bei allen Ritualen, die ich bis jetzt erlebt hatte, Padrinho Valdete. Es gab eine gr\u00f6\u00dfere Menge Daime. Dann wurde das Hinario \u201aCura\u2019 im Sitzen gesungen. Ich hatte kein Gesangsbuch, denn in Mapi\u00e1 gab es kein einziges freies Gesangsbuch: Jeder hatte seine eigenen &#8211; und das war\u2019s. So konnte ich nur zuh\u00f6ren, aber nicht selbst mitsingen. Dar\u00fcber war ich eigentlich froh, denn ich hatte mit den Geschehnissen in mir bisher stets genug zu tun gehabt. Nach dem einleitenden Hinario \u201aOra\u00e7\u00e3o\u2019, \u201aGebet\u2019, begann die Cura, als das Daime gerade zu wirken begann. Die Ges\u00e4nge, die angestimmt wurden, waren wundersch\u00f6n und trugen mich mit ihrer Kraft in meine Visionen hinein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich habe die Cura bis heute wohl \u00fcber 100mal gesungen. Es bleibt eines meiner Lieblings-Hinarios, zusammengestellt aus Hinos von mehreren Autoren, die verschiedene Aspekte der Heilung thematisieren, so jubelnd und klar und stark, dass es mich jedes Mal von Neuem mitrei\u00dft. Die Cura hat zwei Teile. Vor dem zweiten Teil wird erneut Daime ausgeschenkt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich hatte \u2013 soweit ich mich noch erinnern kann &#8211; eine einzige <strong>sehr lange Vision<\/strong>, in der ich <strong>die Geschichte der Menschheit<\/strong> vor meinem geistigen Auge ablaufen sah, nicht in allen Einzelheiten und nicht sehr pr\u00e4zise, also nicht wie in einem Geschichtsbuch beschrieben, aber so, wie der Ablauf entlang der Prinzipien der Sch\u00f6pfung erfolgte. So wurde mir also &#8211; umgekehrt als normal in unserer Erziehung &#8211; am Beispiel der Menschheitsgeschichte mehr der Einfluss der Prinzipien auf das Geschehen gezeigt, als das Geschehen selbst. Ich staunte, was ich alles erfuhr und welche Kraft in diesem Getr\u00e4nk und in diesen Ritualen lag.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nachdem der erste Teil der Cura zu Ende war, gab es erneut Daime. Aber ich hatte vom ersten Mal noch eine reichliche Wirkung. Ich wollte nicht mehr, ich hatte genug. Der Fiscal, der den Ausschank machte, fragte Padrinho Valdete, ob das in Ordnung sei, dass ich nichts mehr bek\u00e4me. Er schaute mich an, ich machte ihm das Zeichen: \u201eAlles bestens!\u201c, Daumen und Zeigefinger formen einen Kreis, die drei anderen Finger sind nur leicht gekr\u00fcmmt, und er war einverstanden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann begann der zweite Teil. Ich hatte meine Augen fast die ganze Zeit \u00fcber auf dieses herrliche Kreuz gerichtet, auf das Zentrum des Rituals.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Meine Vision ging jetzt in <strong>die Zukunft der Menschheit<\/strong> hinein von der Gegenwart aus, und ich erblickte Dinge, an die ich vorher und ohne diese Vision nicht h\u00e4tte glauben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Zukunft w\u00fcrde ganz anders werden, als ich bisher geglaubt hatte. Ich war vollst\u00e4ndig verbl\u00fcfft, aber die Visionen waren so stimmig, waren alle im Einklang mit den Prinzipien, so dass ich meine eigenen bisherigen \u201awissenschaftlichen\u2019 Vermutungen als durch Weniges gerechtfertigte Annahmen beiseite zu legen hatte. Sie waren nichts als Verl\u00e4ngerungen des bisherigen Bekannten in die Zukunft hinein. Wieder waren die Visionen nicht pr\u00e4zise, so dass ich also nicht Ereignis, Datum und Ort angeben kann, aber ich sah die Schicksalsstr\u00e4nge der Menschheit sich entwickeln, und ich sah, welche Konflikte sich ereignen w\u00fcrden und wie sich die Situation weiter und weiter zuspitzen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Spannung, in der die Menschen leben, w\u00fcrde wachsen, und zwar \u00fcberall auf der Erde. Es w\u00fcrde so etwas wie einen neuen Krieg geben, in dem jeder eine Partei ergreifen m\u00fcsste, und jede Partei w\u00fcrde \u201aglauben\u2019, sie sei im Recht. Aber beide Parteien waren nicht im Recht, denn jede w\u00fcrde mit ihren Taten anderen Menschen schaden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und so gab es noch eine <strong>dritte<\/strong> Gruppe von Menschen, die weder bei der einen Partei noch bei der anderen Partei mitmachen w\u00fcrde. (Apokalypse des Johannis 9,15 und \u00e4hnliche: \u201a\u2026den dritten Teil der Menschen\u2026\u2019) Und zwischen den zwei Parteien und dieser dritten Gruppe w\u00fcrde eine Polarisierung stattfinden, und diese Polarisierung w\u00fcrde mit der Zeit zunehmen. Die Menschen der dritten Gruppe w\u00fcrden abgesto\u00dfen werden von den Ungerechtigkeiten und dem Machtmissbrauch jeder der zwei Parteien. Sie w\u00fcrden sich zur\u00fcckziehen mit ihrem Engagement von beiden Gruppen und w\u00fcrden ihren eigenen Weg gehen, der entlang der <strong>Prinzipien der Wahrheit, der Menschenw\u00fcrde und der Gerechtigkeit geradlinig<\/strong> in die Zukunft f\u00fchren w\u00fcrde. Dieser Weg w\u00fcrde sich mehr und mehr entfernen von den zwei anderen Wegen, neue Strukturen w\u00fcrden auf ihm entstehen, die effektiv diese Prinzipien zu verwirklichen helfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In dieser Situation w\u00fcrden sich die Gr\u00e4uel der Menschheit gegen sich selbst weiter vermehren. Jeder einzelne Mensch wird vor die unausweichliche Entscheidung gestellt werden:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eMache ich hier noch weiter mit, auch wenn ich wei\u00df, dass es so nicht mehr weiter gehen kann, dass ein Leben in dieser Konsequenz nicht mehr menschlich genannt werden kann? Bin ich bereit, alles, was mir heilig und lieb ist, zu opfern, um in diesem Krieg siegreich bleiben zu k\u00f6nnen? Bin ich bereit, auch meinen Bruder zu verraten, wenn es um meine eigene Macht oder um das eigene Leben geht?\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mich ersch\u00fctterten die Bilder, und ich musste schwer und tief atmen, um das alles durchstehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich sah auch <strong>meine eigene Aufgabe<\/strong> in dieser Zeit, die auf uns zukommt. Erstaunlicherweise war sie das Sch\u00f6nste, was ich mir nur h\u00e4tte ertr\u00e4umen k\u00f6nnen: Ich sollte das Wichtigste, was ich in meinem Leben gelernt und erfahren habe, in meinen eigenen Worten \u201azu Papier\u2019 bringen und es allen den Menschen, die das zur Kenntnis nehmen wollen, zur Verf\u00fcgung stellen, ohne irgendetwas zu verschweigen. Alles, was mir zug\u00e4nglich sei, solle ich an jeden Interessierten ohne Ansehen der Person weitergeben. Denn diese Linie sei auf <strong>Wahrheit und Offenheit<\/strong> aufgebaut. Hier gibt es <strong>kein Geheimnis<\/strong>. Was ich hier erfahre, sei f\u00fcr jeden bestimmt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich fragte: \u201eAlles?\u201c \u2013 Und bekam die tonlose Antwort: \u201eJa.\u201c<\/p>\n<p>So merkte ich, dass alles, was ich in Zukunft noch erfahren w\u00fcrde, mit in diesen Bericht hineinkommen m\u00fcsste. Ich merkte:<\/p>\n<p>Meine eigentliche <strong>Lehrzeit<\/strong> hatte jetzt gerade in diesem Moment <strong>begonnen<\/strong>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die zwei Rituale vorher dienten der St\u00e4rkung meines Glaubens und um mich richtig vorzubereiten. Die Jahrzehnte vorher, mein ganzes Leben vorher hatte mich bereit gemacht, diese Aufgabe zu empfangen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein kleiner Exkurs <strong>in Klammern<\/strong>:<\/p>\n<p>[Jahre sp\u00e4ter wurde mir hierzu klar, wie die Macht unterscheidet zwischen dem \u201afreien Wissen\u2019 und dem \u201a<strong>verborgenen Wissen<\/strong>\u2019. Ich habe immer wieder einmal Wissen erfahren, von dem ich wei\u00df, dass es das gibt, denn ich hatte es als wahr und als \u00fcberw\u00e4ltigend erkannt, vielleicht so um die 20 Male in meinem Leben bisher. Es handelte sich jedes Mal um einen anderen Aspekt des Wissens als die Male davor.<\/p>\n<p>Ja, es war von einer solchen Qualit\u00e4t, dass ich innerlich aufjubelte, dass mein K\u00f6rper nach Luft japste: Ich wusste, das dieses eine Prinzip, das ich eben erfahren hatte, die ganze Entwicklung der Menschheit vollst\u00e4ndig ver\u00e4ndern w\u00fcrde. Alles k\u00f6nnte anders beurteilt werden, die Entscheidungen w\u00fcrden mit diesem Wissen in eine ganz andere Bahn gelenkt werden. Herrlich! Welch eine sch\u00f6ne Zukunft steht uns bevor!<\/p>\n<p>Und in dem Moment, als ich dieses Prinzip f\u00fcr mich formulieren wollte, um es weitergeben zu k\u00f6nnen, da versank meine Erinnerung daran im Laufe von wenigen Sekunden. Ich merkte, sie wurde schw\u00e4cher, und ich hatte keinen Ariadnefaden in meiner Hand, an dem ich dorthin h\u00e4tte zur\u00fcckfinden k\u00f6nnen. Es gab nichts in meiner allt\u00e4glichen Welt, das eine Verbindung dazu hergestellt h\u00e4tte, es gab keine Eselsbr\u00fccke, es gab kein Wort, das ich mir h\u00e4tte merken k\u00f6nnen: Es wurde mir streng pers\u00f6nlich und nur f\u00fcr diesen Moment ohne Erinnerung gegeben, also nur als stilles Wissen und nicht als Erkenntnis.<\/p>\n<p>Ich kann nicht dar\u00fcber erz\u00e4hlen, ich kann mich nicht einmal mehr daran erinnern. Ich wei\u00df nur, dass ich es bekommen habe. Und das kann ich weitergeben, aber nicht mehr. Wenn ich es l\u00e4nger h\u00e4tte betrachten k\u00f6nnen oder wenn mir die Erkenntnis langsamer gegeben worden w\u00e4re, ja, dann h\u00e4tte ich es klar und pr\u00e4zise formulieren k\u00f6nnen. Aber es wurde mir anders gegeben. Ich kann also dieses weitergeben: Es gibt ein neuartiges Wissen, das uns zur Zeit noch verborgen ist, das uns aber in K\u00fcrze er\u00f6ffnet werden wird, und mit diesem neuen Wissen wird die Bahn der menschlichen Entwicklung in \u201aunvorhersehbare\u2019 Bahnen gelenkt werden. Es gibt Grund zum Jubeln!]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und an einem ganz bestimmten Punkt in dem Ablauf dieser Ereignisse, als gerade das ungeheuerlichste Verbrechen begangen werden sollte, das man sich \u00fcberhaupt nur vorstellen kann, da geschah das vollst\u00e4ndig Unerwartete f\u00fcr mich:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Christus kam zur\u00fcck.<\/strong> Er erschien in seinem geistigen Leib jedem Menschen zur gleichen Zeit, ohne irgendeine Benutzung von Technik oder \u00e4hnlichem: Er war Kraft Seines Willens in jedem Bewusstsein jedes Menschen pr\u00e4sent, vielleicht sogar im Bewusstsein jedes Wesens. Alles Geschehen auf der gesamten Erde kam zum Stillstand. Der Herr schaute Auge in Auge jeden einzelnen Menschen an. Und Er sprach in etwa &#8211; dem Sinne nach &#8211; diese Worte an jeden einzelnen von uns:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eIch bin der Herr, dein geistiger Vater.<\/p>\n<p>Ich bin gekommen, um Meine Herrschaft auf dieser Erde jetzt anzutreten.<\/p>\n<p>Ich biete dir an, als eines Meiner Kinder in Meinem K\u00f6nigreich zu wohnen.<\/p>\n<p>In Meinem K\u00f6nigreich gilt Mein eines Gebot der Liebe:<\/p>\n<p>\u201aIch liebe meinen N\u00e4chsten wie mein Selbst und meinen Vater \u00fcber Alles.\u2019<\/p>\n<p>Ich gebe dir die freie Entscheidung, dieses Gebot der Liebe anzunehmen oder abzulehnen.<\/p>\n<p>Ich vergebe dir die Schuld f\u00fcr jede Tat, die du bisher getan hast.<\/p>\n<p>Du bist jetzt v\u00f6llig frei von Schuld. Alle S\u00fcnden sind dir vergeben.<\/p>\n<p>Aber von jetzt an vergebe Ich dir nicht mehr,<\/p>\n<p>wenn du in Meinem Reich gegen Mein Gebot absichtlich verst\u00f6\u00dft.<\/p>\n<p>Wenn du dich entscheidest, Mein Gebot der Liebe anzunehmen,<\/p>\n<p>dann biete Ich dir Meinen ewigen Bund an,<\/p>\n<p>dich in deinem Bem\u00fchen zu unterst\u00fctzen, dieses Gebot zu halten.<\/p>\n<p>Wenn du dich entscheidest, Mein Gebot der Liebe nicht anzunehmen,<\/p>\n<p>dann hast du Mein K\u00f6nigreich der Liebe zu verlassen.<\/p>\n<p>Dann wird dir dein neuer Lebensraum zugewiesen,<\/p>\n<p>wo du mit allen denen zusammen sein wirst,<\/p>\n<p>die Mein Gebot gleichfalls nicht angenommen haben.<\/p>\n<p>Ihr habt dann selbst f\u00fcr euch zu sorgen.<\/p>\n<p>Wenn du Mein Gebot annimmst,<\/p>\n<p>dann antworte mit einem laut ausgesprochenen: \u201eJa!\u201c<\/p>\n<p>Wenn du Mein Gebot nicht annimmst, dann antworte mit: \u201eNein!\u201c<\/p>\n<p>Oder tue etwas anderes.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Viele antworteten mit einem lauten \u201eJa!\u201c, einige z\u00f6gerten, einige sagten: \u201eNein!\u201c.<\/p>\n<p>Andere wollten von ihrem Plan der Verbrechen nicht ablassen, der gerade an dem Punkt angekommen war, wo die Entscheidung \u00fcber den Sieg gekommen war: Wenn dieser Mordbefehl ausgef\u00fchrt ist, dann ist der Krieg gewonnen. Und der Befehlshaber der Seite, die am Gewinnen war, gab den Mordbefehl. Er ging mit Lichtgeschwindigkeit durch die ganze Befehlskette bis zu jedem einzelnen Menschen, der die Hand am Druckpunkt hatte. Und sobald dieser Mensch in sich die Entscheidung getroffen hatte, den Befehl auszuf\u00fchren, um Menschen zu t\u00f6ten, fiel er tot um, bevor er dr\u00fccken konnte. Andere verweigerten sich innerlich dem Befehl und sagten stattdessen: \u201eJa!\u201c<\/p>\n<p>Auch der Befehlshaber fiel tot um.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So gab es danach einige Tote. Es fehlten viele spurlos, und zwar die, die sich nicht f\u00fcr \u201eJa!\u201c entschieden hatten. Und die Menschen, die einander lieben wollten, waren unter sich: Alle anderen gab es hier nicht mehr.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und so begann die herrliche Zeit f\u00fcr uns, die wir uns alle schon einmal ertr\u00e4umt hatten.<\/p>\n<p>Die ganze lebende Menschheit in N\u00e4chstenliebe vereint. Aber sie wurde viel sch\u00f6ner, als irgendein Mensch imstande gewesen w\u00e4re, sie sich zu ertr\u00e4umen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber \u00fcber diese Zeit danach habe ich keine Vision gehabt.<\/p>\n<p>Hier endete die Vision, und ich hatte noch gen\u00fcgend Zeit im Ritual, um \u00fcber sie nachzudenken und meine Lehren daraus zu ziehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So oder so \u00e4hnlich spielt sich \u2013 meiner Vision entsprechend &#8211; das ab, was allgemein unter dem Schlagwort \u201a<strong>Das J\u00fcngste Gericht<\/strong>\u2019 oder \u201a<strong>Das Ende der Zeit<\/strong>\u2019 bekannt ist. Mit \u201aZeit\u2019 ist dabei die \u00c4ra, das Platonische Jahr oder auch der letzte Monat \u201aFische\u2019 dieses Jahres gemeint, das \u201aabgek\u00fcrzt\u2019 wird um der Gerechten willen. Die Neue \u00c4ra beginnt dann mit ihrem ersten \u00c4on des Wassermannzeitalters.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es wird allgemein als etwas Entsetzliches angesehen: Die Menschen, die b\u00f6sen Willens sind, die ihre Mitmenschen unterdr\u00fccken und ausbeuten wollen, werden daran gehindert, ihre Pl\u00e4ne hier zu verwirklichen. F\u00fcr die b\u00f6sen Menschen ist dies der Gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Unfall, der \u201aGU\u2019, der nicht einmal mehr als \u201aGAU\u2019 \u201aAnzunehmen\u2019 ist, weil er nach der bisherigen Erfahrung ausgeschlossen werden kann. So etwas hat es noch nie gegeben. Und selbst als Jesus Christus gekreuzigt wurde, wurde Er gekreuzigt \u2013 und nichts weiter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist das Sch\u00f6nste, was uns Menschen \u00fcberhaupt nur geschehen k\u00f6nnte. Es ist so sch\u00f6n, dass ich es als phantastische Spinnerei von grauen Kirchenm\u00e4usen abgetan h\u00e4tte, wenn es mir nicht selbst so von Ihm gezeigt worden w\u00e4re und wenn es nicht so stimmig w\u00e4re.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist <strong>der Sieg der Gerechtigkeit, der Friede des Siegs, der Siegfriede<\/strong>. Und die Gerechtigkeit ist gerecht. Jeder bekommt, was ihm am meisten n\u00fctzt. Die Menschen, die guten Willens sind, d\u00fcrfen im Reiche des Herrn leben, denn sie haben die Reife daf\u00fcr erlangt, um sich jetzt schneller zu entwickeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Alle anderen bleiben unter sich, wo sie das Reich des Schreckens und der Unterdr\u00fcckung vollendet ausbauen d\u00fcrfen. Und alle, die bei ihnen sind, sind damit einverstanden, das miterleben zu wollen. Jeder erh\u00e4lt das, wof\u00fcr er sich frei entschieden hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Teil der \u201aErde\u2019, der den Menschen, die b\u00f6sen Willens sind, zugeteilt ist, ist vollst\u00e4ndig getrennt vom Reiche des Herrn. Wie eine solche Trennung geschehen kann, dar\u00fcber habe ich theoretische Kenntnis: Die Trennung ist eine energetische \u201aBarriere der Wahrnehmung\u2019. Sie funktioniert genau so, wie f\u00fcr viele Menschen heute die geistige Welt nicht wahrnehmbar ist: Sie sind von ihr durch eine Barriere getrennt, die nur \u00fcberwunden werden kann, wenn diese Menschen genug Energie angesammelt haben. Es gibt Methoden, solche Barrieren zu \u00fcberwinden. Aber diese spezielle Barriere ist durch den Willen des Herrn un\u00fcberwindbar gemacht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei der Selbstzerfleischung derjenigen, die in dem abgeteilten Bereich leben, wird wohl keiner an Energie zunehmen. Sie werden die Erfahrungen machen, die sie n\u00f6tig haben. Sie werden sie in ihrer G\u00e4nze erleben. Nach langen Zeitr\u00e4umen des Elends, des Folterns, des Mordens, des sich gegenseitig Zerfleischens aus Gier nach Macht werden einige anfangen, sich nach einer besseren Welt zu sehnen. Und \u201anach Tausend Jahren\u2019 wird ihnen noch einmal die Chance gegeben, sich erneut frei zu entscheiden. (Apokalypse des Johannis)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese Abtrennung der zwei Lebenssph\u00e4ren der Menschen gilt \u00fcbrigens auch f\u00fcr die Reinkarnationen: Wer in dem abgeteilten Bereich stirbt, wird auch dort wieder neu inkarnieren, denn er hat dort weiter zu lernen. Im Reiche des Herrn gilt sie nat\u00fcrlich genau so. (\u201aIch richte die Lebenden und die Toten.\u2019)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dass wir, die wir uns f\u00fcr ein Leben in Liebe entschieden haben, von diesem Schreckensreich verschont bleiben werden, das liegt nur an der Liebe des Vaters, der der \u201awenigen Gerechten wegen\u2019 schon so bald eingreifen wird. Diese jetzige Zeit direkt davor hei\u00dft auch \u201ader gro\u00dfe Fischzug\u2019, in dem durch Leid auch viele der Menschen geistig aufwachen m\u00fcssen, die es gar nicht wollen. Nur eigenes Leid hat dann die Kraft, diese Menschen zu erwecken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Verschonung vom Schreckensreich geschieht aus dem Grunde, weil die Entwicklung der Menschheit, die die Reife der Entscheidungsfreiheit erlangt hat, schneller erfolgen wird, als wenn wir noch \u00fcber Hundert Jahre damit h\u00e4tten warten m\u00fcssen. Die Gr\u00e4uel, die in dieser endlos langen Zeit von \u00fcber vier Generationen an uns begangen worden w\u00e4ren, brauchen wir nicht mehr zu erdulden, denn das, was wir daraus lernen k\u00f6nnten, lernen wir so auf die Art der Liebe \u2013 ohne Leid. Wir brauchen nicht die Zerst\u00f6rung der Lebensgrundlagen dieser Erde zu erdulden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Laufe meiner Arbeiten mit Santo Daime erfuhr ich, dass der kosmische Christus in Seiner jetzigen Mission Seiner zweiten Wiederkehr einen neuen Namen angenommen hat, der der Funktion Seiner neuen Mission entspricht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sein Name lautet <strong>J-U-R-A-M-I-D-A-M<\/strong>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dieser Name besteht aus zwei Teilen: \u201aJura\u2019, der Schwur und \u201aMidam\u2019 in der Bedeutung von \u201amir gibt\u2019: Er gibt mir Seinen Schwur des ewigen B\u00fcndnisses, wenn ich mit \u201eJA!\u201c antworte. Jura ist dabei der Namensteil, der Christus zugeordnet ist und Midam ist der Teil, der allen Seinen Kindern in ihrer Gesamtheit zugeordnet ist: \u201aDer Herr und wir\u2019 als eine neue Einheit. \u201aMidam\u2019 entspricht dabei dem fr\u00fcheren \u201aAdam\u2019 im Sinne von \u201aMensch\u2019, (vergleiche \u201aAd-Am\u2019, \u201azur Seele\u2019 oder \u201ada: Seele\u2019, mit \u201aamare\u2019, lateinisch, \u201alieben\u2019, der Tat der Seele und \u201al\u2019\u00e2me\u2019, franz\u00f6sisch, \u201aSeele\u2019).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wann wird dieses Gericht stattfinden? Bei dem Zeitablauf habe ich keine Jahreszahlen gesehen. Der genaue Zeitpunkt ist nur Ihm Selbst bekannt.<\/p>\n<p>Aus anderen Prophezeiungen wei\u00df ich aber Verschiedenes: Nach Jakob Lorber (1800-64) hat Jesus in Seinem ersten Lehrjahr prophezeit, dass Er \u201ain Tausend und nicht noch einmal Tausend Jahren wiederkommen\u2019 w\u00fcrde. Das ist also sp\u00e4testens im Jahr 2023, falls Christus um 7 v. Chr. geboren wurde und falls Er mit 30 Jahren Sein Lehramt antrat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die &#8222;Fama&#8220; wurde 1615 ver\u00f6ffentlicht, das ist 10 x40 Jahre vor 2015.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach dem Maya-Wissen wird diese gro\u00dfe Ver\u00e4nderung um 2012 eintreten mit einer Toleranz von etwa \u00b15 Jahren. Es wird kein festgelegtes Kalenderdatum sein, sondern, wie ich es gesehen habe, wird die Entwicklung des Geschehens den Anlass oder das Omen geben f\u00fcr das Eingreifen des Herrn.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Denn Christus hat gesagt: \u201cIch komme wie ein Dieb in der Nacht.\u201c Was w\u00fcrde Ihn hindern, davor zu kommen, wenn die Zeit schon davor reif geworden ist? Ein Kalenderdatum? Oder wenn die Zeit erst danach reif ist, muss Er dann fr\u00fcher eingreifen, weil das Datum festgelegt ist? &#8211; Das bedeutet f\u00fcr mich: Ich mache mich bereit und bin wachsam.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine Schwierigkeit bei allen Prophezeiungen ist, dass die Zukunft nicht festliegt, sondern sie hat viele M\u00f6glichkeiten der Entwicklung, denn der Mensch hat die freie Entscheidung dar\u00fcber in sich. Die Entscheidung erfolgt immer nur f\u00fcr die M\u00f6glichkeiten, die als \u201aM\u00f6glichkeit\u2019 erkannt wurden. Nur innerhalb der Schranken dieser Erkenntnis herrscht die Entscheidungsfreiheit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Falls sich zum Beispiel jeder Mensch jetzt freiwillig f\u00fcr die Beachtung des Liebegebotes entscheiden w\u00fcrde, dann w\u00e4re schon jetzt alles anders.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"14\">\n<li><strong>Die Elemente des Rituals <\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Rituale, die ich in Mapi\u00e1 erlebte, haben eine optimale Form. Ich beschreibe im Folgenden einige der Elemente, mit denen sie ihre Wirkung entfalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese Elemente sind nicht willk\u00fcrlich. Die Form des Rituals wurde dem \u00d6ffner dieser Linie Raymundo Irineu Serra geistig \u00fcbermittelt, genauso wie die Hinos, die er empfangen hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jedes Ritual beginnt und endet mit einem <strong>Gebet<\/strong>, das aus drei \u201aVater Unser\u2019 und drei \u201aAve Maria\u2019 besteht (und einigen weiteren Gebeten). Damit ist die Zeitspanne dazwischen, das eigentliche Ritual, offen f\u00fcr den Meister des Rituals, damit Er Seine Lehren erteilen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Danach werden einige \u201a<strong>Daime-Hinos<\/strong>\u2019 gesungen, das sind Hinos, in denen speziell das Sakrament besungen wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Danach und w\u00e4hrenddessen wird der <strong>Daime<\/strong> ausgeschenkt. Jeder Teilnehmer am Ritual bekommt eine Dosis Daime. Die Dauer bis zum Beginn der Wirkung ist je nach H\u00f6he der Dosis zwischen 25 und 45 Minuten. Es gibt Anf\u00e4nger, die \u00fcberhaupt keine Wirkung versp\u00fcren. Das gibt sich aber sp\u00e4testens nach einigen Ritualen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei den Ritualen der \u201aConcentra\u00e7\u00e3o\u2019 und der \u201aCura\u2019 wird danach das Hinario \u201aOra\u00e7\u00e3o\u2019 gesungen, das etwa 40 Minuten dauert. Diese beiden Rituale werden im Sitzen durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Mitte des Raums bildet der <strong>Tisch<\/strong>, der in Mapi\u00e1 die Form eines sechsstrahligen Sterns hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf ihm ist in der Mitte das <strong>Kreuz von Caravaca<\/strong> mit den zwei Querbalken aufgestellt als Symbol f\u00fcr den Meister, gerichtet nach \u201aOsten\u2019 zum Platz des Comandante an der Stirnseite.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Mapi\u00e1 habe ich nur erfahren k\u00f6nnen, dass diese Form des Kreuzes \u201aCaravaca\u2019-Kreuz hei\u00dft, mehr nicht. \u2013<\/p>\n<p>Das Kreuz von Caravaca<a href=\"https:\/\/www.cordar.eu\/linie.html#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"> [2] <\/a>, auch Spanisches Kreuz genannt, ist ein besonderes und legend\u00e4res Doppelkreuz (lat. Crux Gemina, auch: Zwillingskreuz, Kardinalskreuz, Patriarchenkreuz, <strong>Lothringerkreuz<\/strong>, Engelskreuz, Jerusalemer Kreuz, Ungarkreuz, Wiener Kreuz, etc.).<\/p>\n<p>Das &#8222;Wunder von Caravaca&#8220; (Andalusien) soll darin bestanden haben: Als ein christlicher Priester vor dem Maurenk\u00f6nig Zeit-Abu-Zeit auf dessen Wunsch am 3. Mai 1232 in dessen Palast eine christliche Messe zelebrierte, musste er feststellen, dass der Bote, der ihm die n\u00f6tigen Messutensilien gebracht hatte, sein Kreuz vergessen hatte. Er befand sich deshalb in schweren N\u00f6ten. Er gestand sein Malheur dem Araberf\u00fcrsten, und der meinte dann sinngem\u00e4\u00df: &#8222;Meinst Du so ein Kreuz, wie es die zwei Engel gerade auf den Altar gelegt haben?&#8220; Der Gottesdiener hatte &#8218;Hilfe von oben&#8216; erhalten, zwei Himmelsboten hatten das sp\u00e4ter so genannte &#8222;Kreuz von Caravaca&#8220; gebracht.<\/p>\n<p>Zeit-Abu-Zeit war so beeindruckt, da\u00df er zum Christentum konvertierte und zu Afonso X. &#8222;El Sabio&#8220; wurde (dt. Alfons X. &#8222;Der Weise&#8220;). Der Ort des Geschehens wurde in Caravaca de la Cruz (Caravaca vom Kreuz) umbenannt&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>An der Westseite des Kreuzes sind <strong>Blumen<\/strong> aufgestellt als Symbol der jungfr\u00e4ulichen Mutter Natur, Natura naturans, Mutter Erde, Pachamama, Gaia, Rainha da Floresta, die K\u00f6nigin des Waldes, Mutter Maria. Der Tisch mit wei\u00dfer Tischdecke ist mit <strong>Kerzen<\/strong> geschm\u00fcckt und <strong>Weihrauch<\/strong> brennt. Auch unter dem Tisch brennt eine Kerze, und ein Weihrauchst\u00e4bchen r\u00e4uchert dort \u201af\u00fcr die Geister, die das direkte Licht scheuen\u2019.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Um den Tisch in Reihen hintereinander sind die Pl\u00e4tze links vom Comandante f\u00fcr die <strong>M\u00e4nner<\/strong> und rechts vom Comandante f\u00fcr die <strong>Frauen<\/strong>. Alle sitzen oder stehen genau in Reih und Glied genau so weit auseinander, dass keiner den anderen ber\u00fchrt, aber auch nicht weiter, so dass ein dichtes Energiefeld entsteht. Die ersten Reihen am Tisch sind f\u00fcr die erfahreneren Fardados, die \u00e4u\u00dferen Reihen f\u00fcr die G\u00e4ste vorgesehen. Jede Reihe wird an der Stirnseite von einem Fardado angef\u00fchrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jeweils mindestens ein Fardado ist zur Organisation der M\u00e4nnerseite, eine weibliche Fardada f\u00fcr die Frauenseite vorgesehen als sogenannter <strong>\u201aFiscal\u2019<\/strong>, \u201aAufseher\u2019. Sie \u00fcberwachen die Sitzordnung, sorgen f\u00fcr Trinkwasser, halten Eimer bereit, wenn jemand sich \u00fcbergeben muss, sorgen f\u00fcr die \u00e4u\u00dfere Ordnung im Ritual.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine <strong>\u201aPuxadora\u2019<\/strong> oder \u201aVors\u00e4ngerin\u2019 stimmt die Hinos an. Sie sitzt als erste Frau an der Frauenseite neben dem Comandante. Wenn es Gitarristen oder andere Musiker gibt, so sitzen sie auch in der ersten Reihe direkt am Tisch.<\/p>\n<p>Wenn nach dem Daime-Ausschank Ruhe eingekehrt ist, beginnt aus der Ruhe heraus das erste Hino von der Puxadora angestimmt. Sie singt die erste Strophe einmal. Bei der Wiederholung setzen alle mit ein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jedes <strong>Hino<\/strong> besteht aus mehreren Strophen, die alle die gleiche Melodie haben und die jeweils wiederholt werden. Die Art der Wiederholung ist vom speziellen Hino abh\u00e4ngig.<\/p>\n<p>Die Hinos haben als ihre Elemente die <strong>Melodie<\/strong>, den <strong>Rhythmus<\/strong>, die <strong>Wiederholung<\/strong>, die <strong>Klangfarbe<\/strong> und den <strong>Text<\/strong>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Melodien sind einfach. Wenn man ein neues Hino das erste Mal h\u00f6rt, kann man es im Normalfall bereits ab der dritten Strophe mitsingen.<\/p>\n<p>Manche Melodien klingen europ\u00e4isch, manche sind sehr merkw\u00fcrdig, fremdartig. Die Strophen sind normalerweise vierzeilig. Dabei werden h\u00e4ufig die ersten zwei Zeilen mit einer aktivierenden Melodie gesungen, die zweiten zwei mit einer dazu ausklingenden Melodie, manchmal auch umgekehrt. Die Melodien sind jeweils fein auf den Text abgestimmt. Die Variationen gehen ins Unendliche.<\/p>\n<p>Es gibt kraftvolle \u201aKrieger-Ges\u00e4nge\u2019, es gibt zarteste, ruhige Hinos, es gibt jubelnde, spr\u00fchende Hinos, es gibt verhaltene, stillere Lieder.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die meisten Hinos sind im Vier-Viertel-Takt, im <strong>\u201aMarsch\u2019<\/strong>. Etwa jedes zehnte Hino \u2013 aber ohne Regel &#8211; ist im Drei-Viertel-Takt, dem <strong>\u201aWalzer\u2019<\/strong>. Und seltener gibt es Hinos im Sechs-Achtel-Takt, der <strong>\u201aMazurka\u2019<\/strong>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der <strong>Klangfarbe<\/strong> der Hinos steckt von allen Elementen die meiste Kraft. Zu jedem Hino gibt es eine sehr genaue Art, wie es gesungen wird. Sie wird m\u00fcndlich tradiert von dem ersten Menschen, der das Hino empfangen hat bis zu allen, die das Hino jetzt singen.<\/p>\n<p>Die Art, wie ein Hino gesungen wird, welche Spannung im Kehlkopf herrscht, wie stark der Atemdruck ist, die Sanftheit oder Kraft der Intonation, die Weichheit, der gesamte Ausdruck ist bei allen S\u00e4ngern v\u00f6llig gleichartig. Ein Merkmal der Klangfarbe ist immer die v\u00f6llige Nat\u00fcrlichkeit der Stimme.<\/p>\n<p>Es gibt also keine \u201abesonderen\u2019 Klangfarben, wie zum Beispiel die \u201aklassische abendl\u00e4ndische Opernstimme\u2019 oder die \u201aCountry and Western\u2019-Stimme oder \u00e4hnliche stilisierte Klangfarben.<\/p>\n<p>Die Klangfarbe formt beim nat\u00fcrlichen Singen die Gef\u00fchle und Stimmungen, die mit dem Hino verbunden sind. Diese Stimmungen \u00fcbermitteln sich beim Singen sofort auf die S\u00e4nger, und zwar auf jeden ohne Unterschied. Das ist ein faszinierendes Ph\u00e4nomen.<\/p>\n<p>Wenn ich auf Daime diese Hinos singe, dann sind die Kehlkopfbewegungen und die Atembewegungen der Lunge meine einzigen K\u00f6rperbewegungen. Dazu kommt die Vibration, die in meinem K\u00f6rper durch die T\u00f6ne mit ihren Obert\u00f6nen, durch die Kl\u00e4nge also, hervorgerufen werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist Aufgabe aller S\u00e4nger, die Hinos <strong>makellos zu singen<\/strong>, also ganz pr\u00e4zise genau so, wie sie gesungen werden sollen, genauso wie sie empfangen wurden. Dadurch, dass alle S\u00e4nger sie gleichartig intonieren, entsteht ein gemeinsames Klangfeld, an das jeder sich dadurch anschlie\u00dfen kann, dass er auch so pr\u00e4zise intoniert. Dann vibriert die eine gemeinsame Vibration sowohl au\u00dfen als auch innen im K\u00f6rper.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Hinos haben Melodien, die an verschiedenen Stellen des K\u00f6rpers ihre <strong>Hauptresonanzen<\/strong> entfalten. Manche Hinos vibrieren haupts\u00e4chlich am Brustbein in der Mitte der Vorderseite des K\u00f6rpers. Andere vibrieren im und um den Kehlkopf herum, andere vibrieren im Rachenraum oder oberhalb des Gaumens, und oft ziehen die Melodien Spuren durch den K\u00f6rper entlang dieser Bereiche, die sehr eigenartige psychische Ver\u00e4nderungen zur Folge haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die psychischen Spuren der Melodien gehen manchmal von ganz tief bis zu den allergr\u00f6\u00dften H\u00f6hen, die Spannung des Kehlkopfes geht von ganz locker zu extrem fest gespannt. Ich f\u00fchle die Melodien dann durch meinen K\u00f6rper vibrieren und ihn ganz speziell aktivieren. Dieses <strong>\u201aSpurenbild im K\u00f6rper\u2019<\/strong> ist das psychische Bild der Melodie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das gemeinsame Klangfeld<\/strong> aller, die gleich singen, ist eine au\u00dferordentlich wirksame Kraftquelle. Es ist ein gemeinsamer energetischer Pool, in den jeder hineingibt und aus dem jeder herausholt, was er gerade braucht, um vollst\u00e4ndig zu sein. \u00dcber diesen Pool sind alle miteinander verbunden.<\/p>\n<p>Jeder S\u00e4nger wird sagen, das sei bei jedem Singen so. Das mag sein. In diesem psychischen Zustand, der durch Daime hervorgerufen wird, ist die Empf\u00e4nglichkeit daf\u00fcr und auch f\u00fcr die feinsten Oberschwingungen und die dar\u00fcber liegenden psychischen Feinheiten wesentlich gr\u00f6\u00dfer, und \u00fcber diese Feinheiten erfolgt die Feinausrichtung der Position des Montagepunkts. Dieses Klangfeld bildet eine energetische Tr\u00e4gersubstanz, in der der S\u00e4nger an der allgemeinen, gleichen Gesamtschwingung teilnimmt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der <strong>Atemrhythmus<\/strong> beim Singen ist sehr eigenartig. Der Text geht praktisch pausenlos vom Beginn der ersten Strophe bis zum Schluss der letzten. H\u00e4ufig ist dabei eine Viertel-Note Pause nach dem Ende von zwei Zeilen. In dieser Viertel-Note erfolgt das sehr schnelle Einatmen bis zur Halbf\u00fcllung der Lunge. Anschlie\u00dfend erfolgt das langsame und gleichm\u00e4\u00dfige Ausatmen beim Singen \u00fcber im Normalfall 16-Viertel-Noten. Diese Atemtechnik wird dabei \u00fcber Stunden beibehalten, am Ende der Hinos, alle etwa vier Minuten durch eine kurze Pause unterbrochen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf dieser Basis werden die <strong>Texte der Hinos<\/strong> ausgesprochen. Die Texte der Hinos enthalten die \u201aDoktrin\u2019, das \u201aLehrgeb\u00e4ude\u2019. Sie sind die einzige Lehre, die in den Ritualen \u201a\u00e4u\u00dferlich\u2019 dem Teilnehmer vermittelt wird. Die Texte sind Brasilianisch-Portugiesisch, mit Ausnahme von den Hinos, die in anderen Sprachen empfangen wurden. Die Hauptmasse aller Hinos ist in Portugiesisch. Diese Hinos m\u00fcssen auch auf Portugiesisch gesungen werden. An eine \u00dcbersetzung ist \u00fcberhaupt nicht zu denken. Die Texte bilden mit der Melodie eine solch kompakte, in sich stimmige Einheit, dass jede kleinste Ver\u00e4nderung die Harmonie beeintr\u00e4chtigen w\u00fcrde. Jeder einzelne Vokal jeder Silbe hat seine Funktion im Gesamtzusammenhang.<\/p>\n<p>Ausl\u00e4nder k\u00f6nnen sich also privat die Texte in ihre Sprache \u00fcbersetzen. F\u00fcr manche Hinarios gibt es inzwischen englische \u00dcbersetzungen, die auf den geraden Seiten der Gesangsb\u00fccher stehen, auf den ungeraden stehen dann die Originaltexte. Aber gesungen werden die Hinos nur in ihrer Originalsprache, in der sie empfangen wurden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei getanzten Hinarios haben viele Fardados sogenannte <strong>\u201aMaracas\u2019<\/strong> in ihrer Hand, das sind geschlossene Blechzylinder mit harten K\u00f6rnern gef\u00fcllt, die an einem Griff gehalten werden und die bei den ganz speziellen Hand- und Armbewegungen ein charakteristisches lautes Zisch-Ger\u00e4usch machen. Die Hinarios werden praktisch alle mit diesem rhythmisch betonten Klang angestimmt. Wenn bei gro\u00dfen Hinarios etwa 150 Maracas \u00fcberall im Raum verteilt so klingen, als w\u00fcrde nur eine einzige Maraca angeschlagen, die aber dreidimensional ist, dann ist das beeindruckend. Mit der Maraca wird ein weiteres Element der Makellosigkeit dem Ritual hinzugef\u00fcgt.<\/p>\n<p>Die Maracas geben beim Erleben eines Rituals Kraft und Feuer dazu. Die Maraca ist das geistige Schwert des Daimistas. Die hohe Klangfarbe und die gro\u00dfe Dreidimensionalit\u00e4t und der betonte Rhythmus sind wie ein psychisch scharfes Gew\u00fcrz, das die Hinos \u201aaufpeppt\u2019. Die Hauptfrequenz dieses Zischens liegt in der Gegend von 7.000 Hertz, dar\u00fcber liegen die Oberschwingungen.<\/p>\n<p>\u00dcber Tonaufnahmen allerdings ist dies Erlebnis nicht zu vermitteln. Dabei st\u00f6ren die Maracas, denn ihre Lautst\u00e4rke ist im Normalfall um +10 db lauter als die der Stimmen. Und wer die Texte der Hinos lernen m\u00f6chte, sollte das mit Aufnahmen ohne Maracas machen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei den \u201aHinarios\u2019, die getanzt werden, gibt es drei unterschiedliche <strong>Tanzschritte<\/strong>, die alle drei sehr einfach und effektiv sind. Beim Tanzen hat jeder Teilnehmer einen eigenen Bereich von etwa 60 cm Breite und 50 cm Tiefe, innerhalb dessen er tanzt. Jeder Tanz beginnt aus einer Grundposition mit dem linken Fu\u00df. Der Tanz beginnt bei Beginn der ersten Wiederholung der ersten Strophe. Davor steht man im Normalfall still.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beim <strong>Marsch<\/strong> mit vier Viertel-Takten stehe ich in der der Grundposition gerade nach vorn.<\/p>\n<p>Beim ersten Takt der ersten Wiederholung beginnt der Tanz:<\/p>\n<ol>\n<li>Takt: Der linke Fu\u00df geht einen Schritt unter 45\u00b0 nach links vor.<\/li>\n<li>Takt: Der rechte Fu\u00df geht auch unter 45\u00b0 einen Schritt vor den linken Fu\u00df.<\/li>\n<li>Takt: Der linke Fu\u00df setzt gerade nach vorn auf.<\/li>\n<li>Im vierten Viertel-Takt dreht sich der ganze K\u00f6rper auf dem linken Fu\u00df von 45\u00b0 nach links zu 45\u00b0 nach rechts.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Dann geht der rechte Fu\u00df unter 45\u00b0 einen Schritt nach rechts (1), der linke folgt unter 45\u00b0 nach rechts (2), der rechte setzt gerade auf (3), es folgt eine K\u00f6rperdrehung um 90\u00b0 nach links (4). \u2013 Wiederholung &#8211;<\/p>\n<p>In zwei Takten wird ein symmetrischer Tanz aus zweimal drei Schritten getanzt. Dabei geht der K\u00f6rper um 90\u00b0 zur Grundposition nach links und nach rechts.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dieser Tanz ist der Haupttanz, in dem alle Hinarios getanzt werden. Er hei\u00dft auch <strong>\u201aDas Kneten der Energie\u2019<\/strong>. Alle um den Tisch Versammelten tanzen gleichzeitig von sich aus nach links und nach rechts. So entsteht eine gleichm\u00e4\u00dfige hin- und herdrehende Bewegung um das Zentrum herum. Wer in diesem dichten Energiefeld mittanzt, merkt sehr deutlich, wie seine Energie mit der seiner Nachbarn links, rechts, vorn und hinten verschmilzt. Jeder st\u00fctzt jeden. Es ist \u00e4u\u00dferst schwierig, bei einem solchen Tanz nicht mitzutanzen. Jeder wird einfach durch die Bewegung der anderen mitgezogen.<\/p>\n<p>Wer so etwa eine Stunde getanzt hat, dem wird sch\u00f6n warm. Der ganze K\u00f6rper wird auf eine leichte und angenehme Art gefordert. Alle Muskeln werden bewegt, nichts wird \u00fcberanstrengt. Der Tanz h\u00e4lt jugendlich und frisch. Er gibt Bewegungsenergie in die Meditation der Arbeit hinein. Es ist &#8211; neben Tensegrity &#8211; die angenehmste Art des k\u00f6rperlichen \u201aFitness\u2019-Trainings, die ich kenne. Schon allein dieses Tanzen f\u00f6rdert die Gesundheit.<\/p>\n<p>Besonders f\u00fcr Anf\u00e4nger ist es allerdings nicht leicht, so zu tanzen, ihr Textbuch in der Hand zu halten und dann noch auf portugiesisch zu singen, w\u00e4hrend sie in gesteigerter Bewusstheit sind. Volle Konzentration ist dabei gefordert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der zweite der T\u00e4nze ist der <strong>Walzer<\/strong>.<\/p>\n<p>Dabei bleiben die F\u00fc\u00dfe stehen und der K\u00f6rper wiegt sich hin und her. Die effektivste Art dieser Bewegung ist f\u00fcr mich die folgende:<\/p>\n<p>Die F\u00fc\u00dfe stehen schulterbreit, die Fu\u00dfspitzen leicht nach au\u00dfen, die Knie gebeugt. Der ganze K\u00f6rper oberhalb der H\u00fcfte dreht sich auf der H\u00fcfte um 45\u00b0 nach links und bewegt sich dann mit der Bewegung der Knie nach links. Am linken Anschlag erfolgt eine Rechtsdrehung des gesamten K\u00f6rpers auf der H\u00fcfte nach rechts und Bewegung mit den Knien nach rechts bis zum Anschlag. \u2013 Wiederholung. \u2013<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich zu dieser Grundbewegung kann die eigentliche Oberschwingung mit den Schultern erfolgen. Sie drehen sich jedes Mal mit schnellem Schwung so nach vorn, als wollten sie einen senkrechten Luftwirbel von etwa 10 Zentimetern Durchmesser erzeugen, an der linken Seite mit der linken Schulter, an der rechten Seite mit der rechten Schulter.<\/p>\n<p>Dazu kann ich mir vorstellen, dass ich an meinen Schultern Engelsfl\u00fcgel &#8211; oder sich drehende Energies\u00e4ulen &#8211; habe, mit denen ich diese Bewegung zugleich auch bis oberhalb meines Kopfes ausf\u00fchre.<\/p>\n<p>Der Kopf unterst\u00fctzt diese Bewegung mit einem leichten Schwung des Kinns.<\/p>\n<p>Die Grundenergie, aus der die Bewegung entsteht, ist der Schwung der H\u00fcfte.<\/p>\n<p>Diese Bewegung ist sehr wohltuend und gem\u00fctlich und stellt eine Ruhepause f\u00fcr den Krieger dar, der eine ganze Weile lang die Energie geknetet hat.<\/p>\n<p>Die Melodien dieser Walzer sind oft auch richtig einschmeichelnd, lieblich, zart, und bilden so ein polares Element zu dem eher kr\u00e4ftig-fordernden Marsch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der dritte Tanz ist die <strong>Mazurka<\/strong> mit dem Sechs-Achtel-Takt. Der Tanz besteht in einer 180\u00b0-Drehung des K\u00f6rpers in vier Schritten zu den ersten vier der sechs Achtel-Takte. Alle T\u00e4nze beginnen nach links. So stelle ich mich zum Beginn mit dem K\u00f6rper um 90\u00b0 nach rechts von der Grundposition (sie ist: \u201agerade nach vorn\u2019) auf. Dabei steht der linke Fu\u00df um 45\u00b0 nach links von meinem K\u00f6rper und der rechte Fu\u00df um 45\u00b0 nach rechts. Dieser rechte Fu\u00df ist aber nur an der Ferse auf dem Boden. Das rechte Bein ist gestreckt, die Fu\u00dfspitze ist angehoben. Der Spann ist angespannt.<\/p>\n<ol>\n<li>Takt: Der rechte Fu\u00df stellt sich parallel zum linken Fu\u00df, er dreht sich also um 90\u00b0 aus seiner Position nach links.<\/li>\n<li>Takt: Der linke Fu\u00df stellt sich um 45\u00b0 links von der Mitte auf. Er dreht sich also auch um 90\u00b0 nach links.<\/li>\n<li>Takt: Der rechte Fu\u00df stellt sich parallel zum linken, auch um 90\u00b0 nach links gedreht.<\/li>\n<li>Takt: Der linke Fu\u00df stellt sich um 90\u00b0 nach links mit der Ferse am gestreckten Bein auf.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Ich stehe damit mit dem R\u00fccken zur Ausgangsposition, der K\u00f6rper steht \u201aspiegelbildlich\u2019.<\/p>\n<ol start=\"5\">\n<li>und 6. Takt: Ich bleibe in dieser Position.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Bei den n\u00e4chsten 6 Achteltakten mache ich diese Schritte umgekehrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn ich so tanze, dann \u201afliegt\u2019 die Welt schnell um mich herum, kommt zum Halt, so dass ich sie mir anschauen kann, und dann \u201afliegt\u2019 sie wieder um mich herum, und ich kann sie wieder anschauen. Ich schaue dabei genau die Dinge an, die sonst im Ritual am Rande meiner Augen sind. Meinen Nachbarn zur Linken und zur Rechten sehe ich jeweils von hinten. Es ist fordernd, diese Drehung in gesteigerter Bewusstheit zu machen. Ich pers\u00f6nlich schaffe es selten, dabei in das Buch zu schauen und dann noch zu singen. Diese Mazurka-Hinos sind f\u00fcr mich die unbekanntesten eines Hinarios. Sie sind oft auch die h\u00f6chst-energetischen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Ritualkleidung besteht aus der <strong>Farda<\/strong> f\u00fcr die Fardados und die Fardadas und besteht ganz aus wei\u00dfer Kleidung f\u00fcr die Nicht-Fardados. \u201aFarda\u2019 hei\u00dft \u201aUniform\u2019, Fardados sind die Uniformierten. Fardada ist die weibliche Form des Fardados.<\/p>\n<p>Die Farda der M\u00e4nner besteht aus marineblauer Hose, wei\u00dfem, lang\u00e4rmeligen Hemd und marineblauem Schlips. Die Art der Schuhe ist freigestellt. Die meisten tragen Sportschuhe, um gut tanzen zu k\u00f6nnen. Das bequeme, federnde Schuhwerk ist f\u00fcr l\u00e4ngere Hinarios von 8 bis 13 Stunden sehr wichtig.<\/p>\n<p>Die Farda der Fardadas ist ein marineblauer Faltenrock mit etwa 4 cm breiten Falten, ein wei\u00dfes lang\u00e4rmeliges Hemd und eine marineblaue Fliege. Die Haare werden offen getragen.<\/p>\n<p>Das Zeichen der Fardados, das beim Eintritt in die Bruderschaft rituell verliehen wird, ist ein <strong>Sechseckstern<\/strong>, der an die rechte Brust geheftet wird. Den Stern gibt es in verschiedenen Ausf\u00fchrungen.<\/p>\n<p>Bei meinem Stern aus gepr\u00e4gtem Messing ist im Inneren der zwei verschlungenen Dreiecke eine Mondsichel als Schale, aus der sich ein m\u00e4chtiger Adler mit geweiteten Fl\u00fcgeln majest\u00e4tisch erhebt. Dieses Symbol verstehe ich so: Der Adler hat die Schale der Bewusstheit der Mutter gef\u00fcllt \u2013 der Kosmos ist erschaffen. Das zweifache Gesetz des Dreiecks l\u00e4sst die geistigen und die materiellen Manifestationen geschehen: So schlie\u00dft sich der Himmel auf.<\/p>\n<p>Die Fardadas tragen diesen Stern an ihrer linken Brust. Auf ihrer Rechten tragen sie das Zeichen \u201aC. R. F.\u2019.<\/p>\n<p>Zu besonderen Festtagen einige Male im Jahr wird die <strong>wei\u00dfe Farda <\/strong>getragen. Die Fardados tragen eine wei\u00dfe Hose. An ihren \u00e4u\u00dferen Seitenn\u00e4hten k\u00f6nnen gr\u00fcne L\u00e4ngsstreifen aufgen\u00e4ht werden. Zum wei\u00dfen Hemd mit blauem Schlips wird eine wei\u00dfe Jacke getragen. Die Fardadas tragen einen wei\u00dfen Faltenrock und eine gr\u00fcne Sch\u00e4rpe. An ihren Schultern sind farbige B\u00e4nder angen\u00e4ht, deren Farben pers\u00f6nlich sind. Auf ihrem Haupt mit offenen Haaren tragen sie eine glitzernde Krone.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dieses Alles ist <strong>der Rahmen des Rituals<\/strong>, in den der K\u00f6rper eingebettet ist, in dem er sich wohlf\u00fchlt, in dem er tanzt und singt. Wir tanzen und singen zu Hinos, die als ihr normales Grundelement die Stimmung der Lebensfreude vermitteln.<\/p>\n<p>Es sind \u201ageistige\u2019 Lieder, aber nicht zu vergleichen mit irgendeiner mir bisher bekannten Art geistiger Ges\u00e4nge oder Musik. Dies ist der Gesang, wie er in den Himmeln gesungen wird. Diese Ges\u00e4nge kommen aus den Himmeln und sind dort geschaffen worden von Wesen, die sie den menschlichen Empf\u00e4ngern als Teil ihrer Lehren \u00fcbermitteln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir tanzen um <strong>das Zentrum des Kosmos<\/strong> herum. Dieses Zentrum ist Jesus Christus, der Meister. Er ist materiell im Kreuz anwesend, solange das Ritual dauert. Er ist geistig anwesend in welcher Art und Weise auch immer, wie Er es beschlie\u00dft. Wir freuen uns, um Ihn herum tanzen zu k\u00f6nnen. Und Er l\u00e4sst uns um Sich herum tanzen, damit wir in der Stimmung der <strong>Lebensfreude<\/strong> sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Denn in dieser Stimmung lassen sich <strong>Seine Lehren<\/strong> am besten vermitteln. Und Er lehrt jeden Einzelnen gleichzeitig und gibt jedem Einzelnen seine pers\u00f6nlichen, f\u00fcr ihn genau passenden Lehren.<\/p>\n<p>Diese Lehren sind nicht immer angenehm, sondern sie k\u00f6nnen auch sehr schmerzhaft sein. Denn sie bewirken eine Verbesserung des Lebens. Und die Mittel, die dazu gebraucht werden, stellt Er bereit.<\/p>\n<p>Deshalb hei\u00dfen diese Rituale <strong>\u201aTrabalhos\u2019 oder \u201aArbeiten\u2019<\/strong>. Es ist h\u00e4ufig jubelnde, aber immer lohnende Arbeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"15\">\n<li><strong> \u201eViva a Santa Alegr\u00eda!\u201c <\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei einem Hinario, das wir etwa im Sommer 1996 in Hamburg durchf\u00fchrten, ist mir etwas Eigenartiges passiert:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein erfahrener brasilianischer Comandante war nach Hamburg zu Besuch gekommen, und wir sangen sein eigenes Hinario.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Alles lief \u201anormal\u2019, ich war als erster Fardado in der zweiten Reihe. Weil das Hinario f\u00fcr uns alle neu war, tanzten wir es nicht, sondern wir standen nur und sangen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ab und zu unterbrach der Comandante kurz den Fortgang, weil wir in unserer noch sehr jungen Gruppe Verschiedenes noch nicht richtig machten. Er zeigte uns die richtige Atemtechnik beim Singen der Hinos und verschiedene andere Dinge.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und als ein neues Hino begann, merkte ich pl\u00f6tzlich, wie ich begeistert war: <strong>Lebensfreude<\/strong> durchstr\u00f6mte mich. Das Leben war unbeschreiblich sch\u00f6n. Ein richtiger Taumel der Freude durchbebte mich. Was f\u00fcr ein wundersch\u00f6nes Hino. Welch eine Freude, in diesem Zustand mit diesen Menschen an diesem g\u00f6ttlichen Ereignis teilzunehmen. Ich war verbl\u00fcfft. Was war da mit mir los. Ich hatte eine solche Freude in meinem ganzen Leben noch nicht erlebt. Ich sah mir dabei zu, wie ich durchgl\u00fcht war von einem unbeschreiblichen Gef\u00fchl von einer solchen Intensit\u00e4t, dass es unglaublich war. Dieses Gef\u00fchl hatte keinen Grund. Es war von sich aus da.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es war die nat\u00fcrlichste Sache der Welt, von Lebensfreude erf\u00fcllt zu sein. War es nicht unbeschreiblich sch\u00f6n, jetzt noch nicht tot in der Erde zu liegen, sondern hier auf der Erde diese Wunder der Sch\u00f6pfung in einem gesunden K\u00f6rper erleben zu k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich merkte auch, dass es der Comandante war, der mir dieses Gef\u00fchl gab. Er stand etwa einen Meter und f\u00fcnfzig vor mir, sah mich nicht an und war voll auf das Hino konzentriert. Trotzdem war ein Gef\u00fchl in mir, das mir sagte, \u201aer\u2019 l\u00f6st das in mir aus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dieses Lustgef\u00fchl, so dachte ich, das erf\u00fcllt mich ab jetzt mein ganzes Leben \u2013 wie herrlich. Wieso kenne ich das denn nicht? &#8211; Ich hab zwar viel gelacht, Sp\u00e4\u00dfe gemacht, hatte sehr viele sehr sch\u00f6ne Zeiten in meinem Leben, war frisch verliebt, alles, was man sich nur vorstellen kann \u2013 aber dies, das hatte ich so herrlich noch nie erlebt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und als das Hino vorbei war \u2013 zack! \u2013 war auch dieses Gef\u00fchl vorbei. Alles war wieder wie vorher, sch\u00f6n und toll, aber nicht so au\u00dferirdisch, majest\u00e4tisch \u00fcbergl\u00fccklich, von ausstrahlender Herrlichkeit umgeben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich konnte mich zum Gl\u00fcck noch erinnern, wie es war und konnte mich wieder in diesen Zustand zur\u00fcckversetzen. Aber es kostete mich Anstrengung. Ich musste es jetzt selbst machen. Und so arbeitete ich bei jedem Hino weiter daran, mir diesen Zustand einzupr\u00e4gen, wie er sich anf\u00fchlt, damit er Teil meines allt\u00e4glichen Lebens werden kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Immer wieder verga\u00df ich es. Dann war ich in meinem Normalzustand, den ich sehr sch\u00e4tze: Ruhig, nachdenklich, beobachtend, analysierend, Distanz wahrend und rational, k\u00fchl, ein Wissenschaftler eben, der verstehen will, was um ihn herum los ist. Das ist die \u201aPosition der reinen Vernunft\u2019.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn ich die Lebensfreude in mir sp\u00fcrte, konnte ich auch genauso sein, aber zus\u00e4tzlich war ich \u00fcbergl\u00fccklich dabei. Es gab dann auch nicht den Ansatz von Stirnfalten der Nachdenklichkeit, sondern die Haut meines Gesichts war straff und meine Augen strahlten leuchtend und diejenigen Muskeln meiner Wangen, die sich beim L\u00e4cheln anspannen, vibrierten leicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Hinarios werden alle etwa 10 Hinos die \u201eVivas\u201c ausgebracht: \u201eEs lebe!\u201c. Eines der Vivas, die w\u00e4hrend eines Hinarios, wenn \u00fcberhaupt, dann meistens nur einmal kommen, ist das \u201eViva a Santa Alegr\u00eda!\u201c \u2013 \u201eViva!\u201c \u2013<\/p>\n<p>\u201eEs lebe die heilige Lebensfreude!\u201c \u2013 \u201eSie lebe!\u201c<\/p>\n<p>Da verstand ich das erste Mal, was damit gemeint war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich wanderte in diesem Hinario zwischen meinem Normalzustand und dem der Lebensfreude hin und her. Immer wieder verga\u00df ich diesen Zustand f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit, weil er so ungew\u00f6hnlich war. Wie kann man sich daran erinnern, gl\u00fccklich sein zu wollen, wenn man ist, wie man ist? \u2013 Ja, wie denn nur? &#8211; Das ist die eigentliche gro\u00dfe Schwierigkeit dabei.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das ist das Gleiche wie mit dem gesteigerten Bewusstsein bei der ersten Erinnerung meines Lebens. Ich brauchte wohl etwa 26 Jahre, bis mir der \u201aZufall\u2019 half, diesen Zustand, diese Position wiederzufinden und f\u00fcr mich neu zu entdecken in der Camera silens. Danach verga\u00df ich sie wieder.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Daraufhin wurde f\u00fcr mich eine Zeile wichtig, die ich in verschiedenen Hinos wiederfand:<\/p>\n<p>\u201eQue n\u00e3o me esquece\u201c \u2013 \u201eDass ich es nur nicht vergesse!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Carlos Castaneda schreibt dazu (in CC6): Die Schwierigkeit ist die des sich wieder Erinnerns.<\/p>\n<p>\u201eWas habe ich vergessen? \u2013 Was war das nur?\u201c \u2013 Wenn ich so weit bin, dass ich merke, ich habe etwas vergessen, dann bin ich schon weit. Meistens bleibt keine Spur davon \u00fcbrig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich hatte nat\u00fcrlich gemerkt, dass \u201adie Lebensfreude\u2019 eine Position des Montagepunkts war, die mir neu gezeigt worden war, die offenbar so hochenergetisch war, dass ich sie, ohne sie beabsichtigt zu haben, noch nie durch \u201aZufall\u2019 erreicht hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch, vielleicht als kleines Kind einmal. Da hatte mich mein Vater auf seine Oberschenkel gesetzt und sang und spielte mit mir<\/p>\n<p>\u201eHoppe, Hoppe, Reiter,<\/p>\n<p>wenn er f\u00e4llt, dann schreit er.<\/p>\n<p>F\u00e4llt er in den Graben,<\/p>\n<p>fressen ihn die Raben.<\/p>\n<p>F\u00e4llt er in denSumpf,<\/p>\n<p>macht der Reiter \u2013 P-l-u-u-u-m-p-s!\u201c<\/p>\n<p>Er zuckelte dabei im Sitzen auf seinen Zehenspitzen rauf und runter und hielt mich dabei mit seinen H\u00e4nden an meinen H\u00e4nden fest. Und beim P-l-u-u-u-m-p-s! gaben seine H\u00e4nde nach, und ich fiel nach hinten \u00fcber in den Abgrund hinter mir. Und mein Vater hielt mich und strahlte mir lachend ins Gesicht.<\/p>\n<p>Das konnte ich in die Endlosigkeit hinein genie\u00dfen. Zu wissen, dass ich gleich fallen werde und dass mein Papa mich h\u00e4lt, so dass ich nicht falle \u2013 das war herrlich! Da strahlte wohl auch dieselbe Gl\u00fcckseligkeit aus meinen Augen meinen lieben Vater an.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich hatte hier das m\u00e4rchenhafte Kr\u00e4utlein vom Koch \u201aZwergnase\u2019 gefunden, das Kr\u00e4utlein \u201aNiesmitlust\u2019, das er im Vollmondenschein schneiden musste und dessen Wuchsort und Aussehen nur er kannte.<\/p>\n<p>Der Name ist verballhornt, es ist in Wahrheit nat\u00fcrlich das Kr\u00e4utlein \u201aGenie\u00df mit Lust!\u2019 \u2013 Mit diesem Spezialgew\u00fcrz, das durch Konzentration angelockt wird (Vollmondnacht), schmeckt jede gesunde Nahrung genussvoll und erzeugt eine tierische, k\u00f6rperliche, gedankenleere, instinktive Lust beim Essen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich hatte hier auch das \u201a<strong>Elixier des Lebens<\/strong>\u2019 gefunden, von dem die Mystiker des Abendlandes als der h\u00f6chsten Errungenschaft eines langen und erfolgreichen Lebens als Alchemiker sich in Andeutungen ergingen. Es war das h\u00f6chste und das am schwersten zu erzeugende Agens, vergleichbar mit dem Stein der Weisen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es gab nur sehr wenige Eingeweihte, die diese Tinktur zu ihrer Verf\u00fcgung hatten. Das Geheimnis wurde streng bewahrt. Jeder Sch\u00fcler musste es sich selbst erringen, und er bekam, wenn er Gl\u00fcck hatte, solche Aufgaben zum \u00dcben, mit denen er in die N\u00e4he der Synthese gef\u00fchrt wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als ich in alten B\u00fcchern dar\u00fcber las, dachte ich, das sind Erz\u00e4hlungen ohne wahren Kern. Damit solle nur Neugier am gro\u00dfen Mysterium und am Weg der Alchemie erzeugt werden. Denn was sollte das Elixier bewirken? \u2013 Was denn nun? \u2013 Keine Antwort.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jetzt wusste ich: Darum ging es. Dieser Zustand ist eine Position des Montagepunkts, die erreichbar ist. Sie bewusst und absichtlich erreichen zu k\u00f6nnen, diese Kunst, das ist die Synthese. \u2013 Oh, ja! \u2013 Das ist eine Errungenschaft, f\u00fcr die es sich lohnt, gelebt zu haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach dem Hinario sa\u00df ich im Vorraum, von der Arbeit ersch\u00f6pft, und ruhte mich aus. Der Comandante kam herein und sprach mit einigen anderen Fardados und wandte mir dabei seinen R\u00fccken zu. Ich sah ihn bewundernd an: Was f\u00fcr ein Mensch mit solchen Qualit\u00e4ten! Er merkte offenbar, dass mein Blick auf ihm ruhte, denn er drehte sich rasch zu mir um und sah mir direkt in die Augen, vielleicht eine Sekunde lang. Und dann drehte er sich br\u00fcsk und unwirsch wieder von mir ab. Ein Schock durchfuhr mich. Ich hatte etwas falsch gemacht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und dann fiel es mir wieder ein. Es geht nicht darum, andere Menschen zu bewundern und anzuhimmeln mit offenstehendem Mund und nach oben verdrehten, glasigen Augen und dem leisen Laut \u201aO\u2019, gesprochen wie das englische \u201aawe\u2019, \u201aEhrfurcht\u2019.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nein, das ist es nicht. Es geht darum, von innen heraus im eigenen Gl\u00fcck zu strahlen und dieses Gl\u00fcck um sich herum zu verbreiten, so dass die eigene Umgebung von der gleichen Lebensfreude erf\u00fcllt ist. Das war die Lektion, die er mir erteilt hatte. Und ich hatte ihm gezeigt, dass ich nichts davon begriffen hatte. Und er hatte mir gezeigt, dass ich nichts davon begriffen hatte. \u2013 Danke! \u2013<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>15.1\u00a0\u00a0Mein erstes Hino<\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Einige Jahre danach war ich allein in der Natur und \u00fcberlegte, wie es wohl sei, ein Hino zu empfangen. Ich dr\u00e4ngte mich nicht dazu, Hinos zu empfangen. Ich bin ziemlich unmusikalisch. Mich freut es, dass andere sie empfangen. Mir geht es mehr um das Verstehen selbst. Und deswegen wollte ich gern wissen, wie sich das wohl anf\u00fchlt: Wie ist der Bewusstseinszustand, in dem ich daf\u00fcr offen bin, ein Hino zu empfangen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich habe mit verschiedenen Menschen gesprochen, die Hinos empfangen haben. Die Hinos kommen offenbar in unterschiedlichen Situationen. Manchmal merkt der Empf\u00e4nger, dass ein \u201aAnorganisches Wesen\u2019, ein \u201aEngel\u2019, ein \u201aGeist\u2019, ein \u201aHohes Wesen\u2019 im Raum ist, und das Hino strahlt von ihm aus und ist auf einmal vollst\u00e4ndig da. Manchmal wird erst eine Melodie und sp\u00e4ter der Text einer Strophe, danach noch die anderen Strophen \u00fcbermittelt im Laufe von Wochen oder sogar Monaten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Manchmal werden Hinos in der Concentra\u00e7\u00e3o empfangen, manchmal nach einem Ritual irgendwann in einem ruhigen Moment, z.B. beim stillen Sitzen in der K\u00fcche. Eine Fardada hat es mir so erkl\u00e4rt: Man merkt, irgendetwas ist anders, gleich kommt etwas. Dann kommt eine Melodie verbunden mit einem Text. Der kann sich \u00e4ndern. Die Strophen gehen durcheinander. Sie verglich diesen Zustand mit dem, dass Wasser in einen Trichter gesch\u00fcttet wird: Es bilden sich Wirbel. Sie entstehen, weil eine vorher unbegrenzte Form in ein Gehirn transformiert wird. Im Laufe von gr\u00f6\u00dfenordnungsm\u00e4\u00dfig einer Stunde vergehen diese Wirbel. Es kl\u00e4rt sich. Dann ist die Zeit gekommen, sich alles aufzuschreiben, um es nicht wieder zu vergessen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine andere Fardada erz\u00e4hlte, dass sie beim Autofahren in gro\u00dfem Stress ein riskantes Man\u00f6ver machte, weil sie in dem Moment intuitiv wusste, dass sie nur so die Situation l\u00f6sen konnte. Sie vertraute ihrer Intuition, hatte Erfolg damit und in den Minuten danach mit ihrem Blut in hoher Konzentration an Adrenalin empfing sie ein Hino \u00fcber Vertrauen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich lag auf dem R\u00fccken und schaute durch die Bl\u00e4tter der B\u00e4ume in die strahlende Sonne und \u00fcberlegte: Zuerst m\u00fcsste ich wissen, was f\u00fcr ein Thema das Hino haben sollte. Was m\u00f6chte ich gern f\u00fcr ein Thema haben? Was ist mir das Wichtigste? &#8211;<\/p>\n<p>Aber es m\u00fcsste zus\u00e4tzlich ein Thema sein, was nicht so oft schon besungen wurde. Denn das w\u00e4re nur eine Wiederholung, zwar sch\u00f6n und gut, aber ich m\u00f6chte Neues.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eDie Lebensfreude\u201c durchschoss es mich pl\u00f6tzlich. Sofort erf\u00fcllte sie mich: Ja! \u2013 Das ist das Thema. Dar\u00fcber m\u00f6chte ich gern ein Hino haben! Vor Lebensfreude erhob ich mich und starrte stehend weiter durch die Bl\u00e4tter in die Sonne.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach einiger Zeit erf\u00fcllten mich zuerst ganz leise und dann in meinem Bewusstsein immer lauter werdend vier T\u00f6ne, die sich immer wiederholten. Dann summte ich sie mit:<\/p>\n<p>\u201cHmm hmm hmm hmm<\/p>\n<p>Hmm hmm hmm hmm\u201c &#8211;<\/p>\n<p>\u201eViva (a) Santa Alegr\u00eda!\u201c rief es voller Freude aus mir heraus.<\/p>\n<p>Das \u201a(a)\u2019 (in Klammern) bedeutet, dass es nicht mit ausgesprochen wird, aber grammatikalisch dorthin geh\u00f6rt. Es sind also acht Silben in diesem Ausruf. Den Akzent habe ich \u00fcber das \u201a\u00ed\u2019 gemacht, um die Betonung zu markieren, grammatisch geh\u00f6rt er nicht dahin.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und diese kurze Sequenz wiederholte sich mit einer leichten Ver\u00e4nderung. Die Ver\u00e4nderung war: Beim ersten Alegr-\u00ed-a werden das \u201a\u00ed\u2019 und das \u201aa\u2019 lang gesungen, beim zweiten Mal kurz.<\/p>\n<p>Und beide Variationen zusammen, das merkte ich, waren eine Strophe, deren erster Teil offen war, der dann bei der Wiederholung geschlossen wurde.<\/p>\n<p>Und ich summte voller Gl\u00fcck mein erstes Hino immer wieder vor mich hin.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber was kommt statt der Hmm\u2019s als Text dahin?<\/p>\n<p>Was ist als Aussage dazu noch wichtig?<\/p>\n<p>Ich \u00fcberlegte und \u00fcberlegte, nat\u00fcrlich immer wieder dazwischen in Gedankenstille. Ich versuchte verschiedene brasilianische Texte. Alles wirkte nicht richtig, wie selber zusammengebr\u00f6selt, wie \u201agewollt\u2019.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach etwa einer halben Stunde begriff ich es endlich: Das war\u2019s!<\/p>\n<p>Da geh\u00f6rt nichts weiter dazu. Das ist es. Es ist so ungew\u00f6hnlich, so kurz und so ohne Aussage. Dazu ist noch zwischen den ruhigen \u201eHmm\u2019s\u201c und \u201eViva a Santa Alegr\u00eda\u201c ein solcher Tempowechsel, der in Hinos nicht normal ist: Die Struktur des Hinos selbst ist die Anrufung der Lebensfreude. Die Musik und der Text \u2013 so sind sie richtig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jetzt wusste ich von innen heraus, wie es ist, ein Hino zu empfangen: \u201eDanke!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich dachte nat\u00fcrlich, das vergesse ich nicht mehr. Aber am n\u00e4chsten Tag konnte ich mich noch erinnern, ein Hino \u00fcber die Lebensfreude empfangen zu haben. Ich erinnerte sogar noch den Text vollst\u00e4ndig(!), aber die Melodie war weg. Ich probierte dies und das, aber nichts passte. Was f\u00fcr eine Schande: Ein solches Geschenk zu vergessen! &#8211; Das durfte nicht sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach vielen Wochen hatte ich es wieder vollst\u00e4ndig. Dann sang ich es auf eine MiniDisc auf. So, da ist es. &#8211; Jetzt hat es sich materialisiert. Aber wenn ich zuf\u00e4llig einmal wieder daran denke, dann habe ich oft M\u00fche, die Melodie wiederzufinden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich habe es noch nie auf einem Hinario vorgetragen.<\/p>\n<p>Neue Hinos werden der Gemeinschaft h\u00e4ufig so vorgestellt. Der Empf\u00e4nger mit einer kleinen Gruppe, die das Hino einge\u00fcbt hat, stellt sich an die Westseite des Tisches und tr\u00e4gt es vor, so dass alle, die dabei sind, es kennen lernen, oder der Empf\u00e4nger singt es allein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jetzt schreibe ich es als Text zum ersten Mal \u201akorrekt\u2019, so wie Hinos geschrieben werden, schriftlich hin, viele Jahre sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>Der senkrechte Strich hei\u00dft Wiederholung. Die sechs Zeilen werden also einmal durchgesungen und dann noch einmal wiederholt. Die Melodie beim ersten Viva ist anders als beim zweiten. Deshalb wird der gleiche Text zweimal hintereinander geschrieben. Es wird also insgesamt viermal \u201eViva\u201c gesungen. Die Melodie ist im Vier-Viertel-Takt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>H\u00e4ufig werden Hinos einer Person gewidmet. Der Name wird in Klammern unter den Titel gesetzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Melodie hinzuschreiben ist un\u00fcblich. Man lernt sie einfach durch nachsingen.<\/p>\n<p>Es sieht nach nichts aus. Aber f\u00fcr mich steckt viel in diesem Hino drin:<\/p>\n<p>\u201aQue n\u00e3o me esquece\u2019:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Viva a Santa Alegria <\/strong>(<sup>4<\/sup>\/<sub>4<\/sub>)<\/li>\n<\/ol>\n<p>(Verissimo)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u2502Hmm hmm hmm hmm<\/p>\n<p><strong>\u2502<\/strong>Hmm hmm hmm hmm<\/p>\n<p><strong>\u2502<\/strong>Viva a Santa Alegria<\/p>\n<p><strong>\u2502<\/strong>Hmm hmm hmm hmm<\/p>\n<p><strong>\u2502<\/strong>Hmm hmm hmm hmm<\/p>\n<p><strong>\u2502<\/strong>Viva a Santa Alegria<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>15.2\u00a0\u00a0Die Wiederholung <\/strong><\/p>\n<p><strong> \u00a0 <\/strong><\/p>\n<p>Im Jahre 2004 war ich in Amsterdam, wo zwei weibliche Comandantes zu Besuch waren, die beide zum Zweig des Umbanda in CEFLURIS geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Umbanda ist ein Zweig einer uralten afrikanischen Linie, die mit den Negersklaven nach Brasilien kam und der sich dort entwickelt hat und heute in voller Bl\u00fcte steht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Santo Daime<\/strong> ist keine Sekte, sondern eine <strong>ge\u00f6ffnete Weisheitslinie<\/strong>. Deshalb hei\u00dft \u201aCEFLURIS\u2019 auch das \u201a<strong><u>C<\/u><\/strong>entro <strong><u>E<\/u><\/strong>cletico de <strong><u>F<\/u><\/strong>luente <strong><u>L<\/u><\/strong>uz <strong>U<\/strong>niversal <strong><u>R<\/u><\/strong>aimundo <strong><u>I<\/u><\/strong>rineu <strong><u>S<\/u><\/strong>erra\u2019, \u201adas Eklektische Zentrum des Universellen Flie\u00dfenden Lichts, Raimundo Irineu Serra\u2019. CEFLURIS ist die Linie von Santo Daime, die Padrinho Sebasti\u00e3o als Sch\u00fcler von Irineu begr\u00fcndet hat. In ihr k\u00f6nnen verschiedene Traditionslinien, die mit Daime harmonisieren, ihre eigenen Rituale abhalten. Eklektisch oder \u201aausw\u00e4hlend\u2019 deutet an, dass es in diesem Sinne keine festen dogmatischen Sperren gibt, die eine Sekte kennzeichnen. Umbanda ist eine dieser Linien, die sich in einem ihrer Zweige mit Daime verbunden hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Mapi\u00e1 war ich bei einer morgendlichen Zeremonie \u201aMadrugada\u2019 als Zuschauer dabei, die vom Daime-Zweig des Umbanda abgehalten wurde mit einer der beiden Comandantes. Diese Linie des Umbanda nennt sich <strong>\u201aUmbandaime\u2019<\/strong>. Und was ich dort erlebte, war so gewaltig, dass ich es nur als Zuschauer \u2013 dabei selbst aber auch unter Daime &#8211; fast nicht ertragen konnte. Die wirbelnden T\u00e4nze und die sichtbar schnellen und gro\u00dfen Bewegungen des Montagepunkts der weiblichen T\u00e4nzer, das war einfach zu viel f\u00fcr mich.<\/p>\n<p>In Holland 9 Jahre sp\u00e4ter, hatte ich eine weitere Einf\u00fchrung in die hoch effektiven Methoden von Umbandaime, aber das nur nebenbei.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei einer Cura, die von dem weiblichen Comandante geleitet wurde, sa\u00df ich in der zweiten Reihe. Pl\u00f6tzlich merke ich, wie die Santa Alegria mich erfasst, blitzschnell war ich wieder in dem Zustand. Ich dachte zwei Dinge gleichzeitig: \u201aOh, wie sch\u00f6n!\u2019 \u2013 und \u201aOh, wie lange habe ich das schon nicht mehr erlebt!\u2019 \u2013 Ich hatte im Laufe des t\u00e4glichen Lebens so viel zu tun gehabt. Ich hatte einfach wieder vergessen, dass es diesen Zustand \u00fcberhaupt gibt. Und wenn er vergessen ist \u2013 melden tut er sich nicht von allein. Das ist Aufgabe jedes Menschen, ihn zu rufen und diesen Zustand zu pflegen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich hatte sogar im Laufe der Jahre mehr und mehr gelernt, welche <strong>Kriterien<\/strong> der Zustand hat. Wenn ich die Kriterien kenne, dann brauche ich nur meine Aufmerksamkeit auf diese Erkennungsmerkmale zu richten, und dann stellt sich die Lebensfreude ein, denn mit diesem Hilfsmittel der Kriterien kann ich mit meiner Aufmerksamkeit meine Absicht auf sie ausrichten und dann kommt die Santa Alegria. Ich rufe sie damit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich schaute auf. Ich konnte die Comandante von meinem Platz aus nicht sehen. Sie sa\u00df an der Stirnseite des Tisches etwa f\u00fcnf Meter von mir entfernt. Aber von dem freien Raum etwa 40 Zentimeter vor ihrem Gesicht, den ich sehen konnte, strahlte mir die Lebensfreude f\u00f6rmlich entgegen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich seufzte tief auf und atmete sie mit vollen Z\u00fcgen ein: Cura \u2013 Die Heilung!<\/p>\n<p>Wie hatte ich die Lebensfreude n\u00f6tig gehabt! Ich sog sie ein wie ein Verdurstender.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beim n\u00e4chsten Hino merke ich pl\u00f6tzlich wieder, wie mich die Lebensfreude erfasst. Ich hatte sie schon wieder vergessen! Wie konnte das passieren? \u2013 Jetzt sollte mir das nicht noch einmal geschehen! Ich konzentrierte mich auf ihre Kriterien und unterst\u00fctzte so, dass sie bei mir verweilte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber schon beim n\u00e4chsten Hino wieder das gleiche.<\/p>\n<p>Und beim n\u00e4chsten Hino wieder.<\/p>\n<p>Wie gering ist doch meine Konzentrationsf\u00e4higkeit, wenn ich das Sch\u00f6nste, was es \u00fcberhaupt im Leben gibt, innerhalb von nur drei Minuten wieder v\u00f6llig vergesse.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So half mir diese Comandante etwa zwanzigmal ohne nachzulassen, mich an diesen Zustand zu erinnern, das hei\u00dft, ihn wieder zu erleben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Seit diesem Erlebnis ist es schon h\u00e4ufiger, dass ich mir morgens im Spiegel in die Augen schaue und dann darin dieses eigenartige strahlende Leuchten erblicke, das zur Lebensfreude geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Erkennungsmerkmale oder Kriterien, die ich kenne, kann ich zwar benutzen, sie str\u00e4uben sich aber, sich durch die Sprache oder auch sonst irgendwie \u00fcbermitteln zu lassen. Daf\u00fcr gebe ich jetzt ein Beispiel:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich richte meine Aufmerksamkeit auf die Au\u00dfenseite der unteren Lider meiner Augen und auf den Punkt an meinen Augenbrauen, an dem ihre Kr\u00fcmmung am st\u00e4rksten ist.<\/p>\n<p>Zwischen diesen beiden Punkten ziehe ich eine Verbindungslinie. Wo diese Linie das obere Augenlid in dessen Mitte kreuzt, dort tief im Innern des Auges sitzt ein Punkt. Von diesem Punkt strahlt die Lebensfreude aus, wenn ich sie habe \u2013 zumindest bei mir.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein anderes Beispiel: Am Augenhintergrund, an der runden Hohlw\u00f6lbung, in der meine Aug\u00e4pfel sich bewegen, etwa 1 cm nach au\u00dfen und 1 cm nach unten von der optischen Achse gibt es einen besonderen Punkt. Wenn ich mich auf ihn konzentriere, dann rufe ich damit die Lebensfreude. Dieser Punkt ist in beiden Augen vorhanden.<\/p>\n<p>Und zumindest mir hilft diese Beschreibung, mich wieder daran zu erinnern:<\/p>\n<p>\u201eViva a Santa Alegria!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Viele Menschen brauchen Hilfsmittel aus der Au\u00dfenwelt, um Spa\u00df und Unterhaltung und Lachen zu haben wie z. B. einen Entertainer, Musik, Action und Comik. Und trotzdem haben sie nur Spa\u00df, der oberfl\u00e4chlich ist und der danach schnell verpufft ist.<\/p>\n<p>Ich kann die Santa Alegria dringend empfehlen. Sie ist jede Anstrengung wert!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine \u00dcbung zum <strong>Aktivieren<\/strong> dieser zwei Punkte der Lebensfreude:<\/p>\n<p>Ich lege die locker geschlossenen F\u00e4uste beider H\u00e4nde mit ihren kleinen Fingern aneinander.<\/p>\n<p>Ich halte die Zeigefinger nur leicht gekr\u00fcmmt.<\/p>\n<p>Ich f\u00fchre die Zeigefingerkuppen etwa zwei Zentimeter vor die Aug\u00e4pfel und<\/p>\n<p>bewege sie etwa zweimal pro Sekunde leicht von oben nach unten und zur\u00fcck hin und her.<\/p>\n<p>Dabei gaffen die Augen geradeaus ins Unendliche.<\/p>\n<p>Die Aufmerksamkeit liegt nicht im Sehen, sondern im F\u00fchlen im Augenhintergrund.<\/p>\n<p>In den zwei Punkten dort, die mit den Fingern \u201ageistig massiert\u2019 werden, entsteht ein merkw\u00fcrdig intensives Gef\u00fchl, eine Art von sehr schneller Vibration.<\/p>\n<p>Durch h\u00e4ufiges Wiederholen dieser \u00dcbung ist es leichter, die Lebensfreude zu rufen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als pdf 0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Inhalt: Titel\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Fama Fraternitatis 2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Meine Reise nach Mapi\u00e1 3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Uni\u00e3o do Vegetal 4\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Templo Jud\u00e3o-Christ\u00e3o-Islamico 5\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Bruderschaft von Santo Daime 6\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Meine Fahrt nach C\u00e9u do Mapi\u00e1 7\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 C\u00e9u do Mapi\u00e1 8\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Meine erste Concentra\u00e7\u00e3o 9\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Meine erste Vision 10\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Tage danach 11\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Padrinho Sebasti\u00e3o 12\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 C. 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